17. Mai 2010, 19:54 Uhr

Die Kirche einmal ganz für sich alleine haben

Rosbach v. d. H. (sky). Reichen 60 Minuten aus, um die Welt zu verändern? Schaut man auf die Einladung der beiden evangelischen Kirchengemeinden zum »24-7-Prayer«, dann sieht man zumindest im urpersönlichen Bereich eines Menschen dazu eine Möglichkeit.
17. Mai 2010, 19:54 Uhr
Allein in der Kirche: Beten am Altar, ganz nahe am Kruzifix - für diese Gläubige eine ganz neue, innige Erfahrung. (Fotos: sky)

An 24 Stunden pro Tag, das ganze sieben Mal innerhalb dieser Woche, ist die Stadtkirche von Ober-Rosbach für ganz persönliche Gebete geöffnet. Bis Sonntag können sich Menschen, die allein oder zusammen mit anderen mit Gott sprechen möchten, hier eine (oder auch mehrere) Stunden reservieren lassen und individuelle Gebets-Erfahrungen machen - rund um die Uhr.

Edith Schütte ist eine von jenen, die die Ruhe in dem Gotteshaus suchen. »Ich brauche erst einmal meine Zeit, bis ich zum Gebet finden kann«, sagt sie. Ihr Tag sei stets ausgefüllt mit verschiedenen Engagements, viele davon ehrenamtlich. »Da kann ich nicht einfach den Hebel umstellen und mit Beten anfangen.«

»Schon Martin Luther hat eingestanden, dass die Sache ›Beten‹ nicht ohne Schwierigkeiten ist«, meint Pfarrer Karsten Böhm von der Nieder-Rosbacher Burgkirchengemeinde. Hier war im vergangenen Jahr auf Initiative von Stefanie und Andreas Petter die erste Rosbacher Gebetswoche ins Leben gerufen worden. Nun hat er zusammen mit seinem Ober-Rosbacher Amtskollegen Gerrit Boomgaarden zu einer gemeinsamen Aktion eingeladen. »Wenn du beten willst, geh in dein Kämmerlein und schließ die Türen zu«, zitiert Böhm die Bibel. Die Gebetswoche solle Antworten geben in einer Zeit, in der zwischen Hektik, Sorgen und Stress Worte wie Ruhe, Abschalten oder Sorgenlos nur noch wenig Platz hätten.

Dagmar Mulder-Koppehl kommt gerade mit ihrer Tochter Hanna aus der Kirche. Sie hat sich am Vormittag eine Stunde Auszeit vom Alltag genommen. Hanna hatte eine Stunde eher Schulende als geplant. »Da ist sie zu mir mit in die Kirche gekommen, und wir haben eine wunderschöne Zeit miteinander im Gebet verbracht«, sagt die Mutter. In der kommenden Woche will sie mit der ganzen Familie eine Stunde Zeit in der Kirche verbringen. »Dann wollen wir uns gemeinsam an den Tauftag von Hannas älterer Schwester erinnern.«

»Chill-Out-Zonen« im Gotteshaus

Das Innere der Stadtkirche hat sich für die nächsten Tage verändert. Bereiche wurden geschaffen, die Platz geben, um sich Zeit für Ruhe und Besinnung zu nehmen. »Chill-Out-Zonen« zum Auftanken, aber auch »Himmlische Ruhe« oder »Heiliger Lärm« sind erlaubt - ganz so, wie jene Menschen, die den Weg zur Kirche gefunden haben oder ihn noch suchen, es sich wünschen. »Wenn wir diesen Raum - abgesondert vom Alltagsgeschäft - für Gott öffnen, dann spüren wir auch, dass er eintritt«, meint Böhm. Zusammen mit den Initiatoren der Gebetswoche ist er sich einig: »Gerade in der heutigen Zeit ist eine Balance zwischen Beten und Arbeiten wichtig.« Hier habe bereits Apostel Paulus entscheidende Sätze formuliert.

Gebetshindernisse überwinden, den heiligen Raum entdecken und Beten lernen - das seien die drei wichtigsten Wege, um raus aus dem Alltag zu einem Ort der Ruhe und der Besinnung zu finden. Dazu laden die evangelischen Kirchen ein. »Wir geben keine Verhaltensweisen vor, sondern überlassen es jedem, seine Beziehung zum christlichen Glauben selbst zu entdecken.«

Noch sind Zeiten offen, um die Stadtkirche einmal für sich alleine haben zu dürfen. Reservierungen im Gemeindebüro, Telefon 0 60 03/13 19. Anmelden kann man sich auch auf <%LINK auto="true" href="http://www.rosbach-lebt.de" text="www.rosbach-lebt.de" class="more"%>.



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