07. Mai 2010, 15:16 Uhr

Die Sang wird zum reinen Wohngebiet

Rosbach v. d. H. (hed). Jahrzehntelang stand das Thema auf der politischen Agenda, nun zeichnet sich für das lange geplante Baugebiet »Die Sang« im Süden von Ober-Rosbach eine Lösung ab.
07. Mai 2010, 15:16 Uhr
Wo derzeit noch Pferde grasen, sollen in naher Zukunft Menschen wohnen: Ein Bebauungsplan für das Baugebiet »Die Sang« soll noch in diesem Jahr in Kraft treten. (Fotos: sky)

Rosbach v. d. H. (hed). Jahrzehntelang stand das Thema auf der politischen Agenda, nun zeichnet sich für das lange geplante Baugebiet »Die Sang« im Süden von Ober-Rosbach eine Lösung ab. Das städtebauliche Konzept, das entgegen früherer Planungen nun ein reines Wohngebiet vorsieht, wurde am Dienstagabend von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet. Damit sollen die knapp 100 Anwohner in der Salzberg-Siedlung in den nächsten Jahren an Ober-Rosbach angeschlossen werden. In einem ersten Bauabschnitt sollen die Fläche zwischen Saalburgstraße und der Salzberg-Siedlung erschlossen werden. Die Stadt hofft auf Einnahmen in Höhe von 5,4 Millionen Euro.

Der Steinbruch »Taunus-Quarzit« ist mittlerweile stillgelegt, die US-Armee übt nicht mehr im Rosbacher Wald, die Südumgehung wird gebaut, ein viertes Ohr an der A 5-Auffahrt ist geplant - diese geänderten Rahmenbedingungen sprächen nun dafür, das Thema »Sang« endlich anzugehen, sagte Bürgermeister Detlef Brechtel. Ziel ist es, noch in diesem Jahr einen Bebauungsplan aufzustellen. Interessenten für die Grundstücke gebe es genug, so der Rathauschef.

Einzig die Grünen und der parteilose Stadtverordnete Helge Welker votierten gegen die Pläne. Grünen-Fraktionschef Peter Scholz griff dabei Brechtel scharf an: Seiner Ansicht nach ist es unverantwortlich, ein Wohngebiet auszuweisen, das zwischen Autobahn und Bundesstraße liegt. Die beiden Workshops, in denen Stadtverordnete, Ausschuss-, Magistrats-, und Ortsbeiratsmitglieder über Möglichkeiten zur Entwicklung der Sang diskutierten, seien Zeitverschwendung gewesen. »Statt mehrere Varianten zu diskutieren, hat Brechtel nur die von ihm favorisierte Lösung präsentiert«, sagte Scholz. Die Planer hätten bei der Konzeption angesichts der hohen Lärmbelästigung wohl »Augen und Ohren zugedrückt«. Der Magistrat müsse die Vorlage noch einmal grundlegend überarbeiten, forderte der Grünen-Vertreter. Er sei nicht bereit, einen solchen »städtebaulichen Schildbürgerstreich« mitzutragen.

Das wollte der Rathauschef nicht auf sich sitzen lassen: Man habe den Workshop-Mitgliedern vier Varianten an die Hand gegeben. Darin auch Ideen, in der Sang ein Gewerbegebiet oder einen Lkw-Stellplatz zuzulassen (der nach Brechtels Vorstellungen nun an der A 5-Auffahrt entstehen soll). Man habe sich dazu entschlossen, das Areal zum reinen Wohngebiet zu machen, um die Lebensqualität der Salzberg-Bewohner nicht zu mindern. Man wolle klar trennen: Wohnen im Westen, Gewerbe im Osten der Bundesstraße. Die »ungeordnete Gemengelage« aus Wohnen, Gewerbe, Sportanlagen, Pferdekoppeln und Obstwiesen sei bald Geschichte.

Die anderen Parteien folgten der Argumentation des Rathauschefs. Hans-Albert Moscherosch (FWG) mutmaßte: »Der Workshop war doch eine Grünen-Idee. Jetzt, wo Ihnen das Ergebnis nicht gefällt, wollen Sie alles schlechtreden.« Wie Herbert Wyrwoll (puR) sagte, habe man in den Workshops das erste Mal intensiv darüber gesprochen, wie eine sinnvolle Entwicklung eines Baugebiets geplant werden könne.

Hoffnung: Bund zahlt Lärmschutz

In punkto Lärmschutz sagte Brechtel, Gutachten hätten ergeben, dass mit einem stimmigen Konzept sehr wohl Wohnqualität hergestellt werden könne. Durch die Ausweisung als Wohngebiet könne man zudem darauf hoffen, dass der Bund einen Lärmschutzwall zur Autobahn hin finanziert, sollte die A 5 in absehbarer Zeit auf acht Spuren erweitert werden. Würde Gewerbe in der Sang vorherrschen, könne man darauf nicht hoffen.



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