23. April 2009, 20:44 Uhr

»Vielleicht müssen wir bald Brombeerfest feiern«

Rosbach v. d. H. (sky). Die weiße Pracht der Kirschblütenblätter war bei der Blütenwanderung durch den Kirschenberg gestern Nachmittag wieder einmal unübersehbar. Doch die zarten Blättchen schmückten nicht mehr die Äste der Bäume, sondern das saftige Gras darunter.
23. April 2009, 20:44 Uhr
Viel Interessantes erfahren die Wanderer von den Fachleuten von HGV und OGV. (Foto: sky)

Rosbach v. d. H. (sky). Die weiße Pracht der Kirschblütenblätter war bei der Blütenwanderung durch den Kirschenberg gestern Nachmittag wieder einmal unübersehbar. Doch die zarten Blättchen schmückten nicht mehr die Äste der Bäume, sondern das saftige Gras darunter.

Schon seit Jahren läutet die Blütenwanderung des Heimatgeschichtsvereins die Festivitäten am letzten Aprilwochenende ein. Der Spaziergang durch die Wege und Baumstücke erfreut sich dank sachkundiger Führung immer größerer Beliebtheit. Erstmals hatte der HGV den Obst- und Gartenbauverein mit im Boot, um nicht nur über geschichtliche Hintergründe, sondern auch über den Obstanbau in der Region zu informieren. HGV-Vorsitzender Werner Schumacher konnte auf dem Parkplatz in der »Nonn« rund 60 Wanderer begrüßen - und ihnen erzählen, dass sie eigentlich auf der »Glockenwiese« stünden. »Dem Glöckner der Stadtkirche hatte man einst dieses Stück Land zur Verfügung gestellt, damit er Gras und Heu ernten konnte«, erklärte HGV-Mitglied Karl-Heinz Wenzel. Während dieser Name aber weitgehend in Vergessenheit geraten sei, habe die »Nonn« vom Mittelalter bis heute ihren Namen behalten. »Die Klöster von Ilbenstadt und Thron hatten hier einst Ländereien, die von Nonnen bewirtschaftet wurden«, wusste Wenzel.

Anschließend ging es Richtung Teichanlage, wo Werner Schumacher über den Mangan-Erzabbau um 1850 berichtete. „Hier wurden die Mangan-Knollen gewaschen, bevor sie mit Pferdefuhrwerken zum Friedberger Bahnhof transportiert wurden.« Und wenn der Teich zugefroren war, sägte man in den 1920er Jahres das Eis heraus für die Steinhäuser-Brauerei in Friedberg.

Neuzeitlichere Informationen gab es beim Gang den Berg hinauf zur Autobahn: »Als hier nach dem 2. Weltkrieg die ersten Häuser gebaut wurden, hatte man weder Wasser- noch Stromanschluss«, erinnerte sich Schumacher.

An der Ecke Winterstein-/Kapersburgstraße verweilten die Wanderer an einem Grundstück, das Ernst Friedrich vom OGV lobte. »Ein Musterbeispiel dafür, dass ein Hausbau nicht immer mit dem Abholzen aller Bäume beginnen muss«, erklärte er beim Anblick eines Gartens mit stattlichen Obstbäumen. Viel zu oft würden gesunde Bäume unnötigerweise gerodet, um sie nach dem Hausbau durch wenig standortgerechte Ziergehölze und für viel Geld zu ersetzen.

Was passiert, wenn Menschen sich um ihre »Baumstückchen« nicht mehr kümmern, konnte man kurz darauf erfahren: »Hier verwildern ganze Obstgärten«, meinte Friedrich kopfschüttelnd. An die Besitzer appellierte er, diese Grundstücke kostenlos an Leute zu überlassen, die sie pflegen und dafür auch abernten. Friedrich: »Wenn das so weiter geht, feiern wir irgendwann ein Brombeerfest.«

Weiter ging es mit vielen wissenswerten und anekdotenreichen Erläuterungen bis zum Bolzplatz Ober-Rosbach, wo eine deftige Brotmahlzeit und Getränke auf die Wanderer warteten.



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