06. Februar 2009, 20:12 Uhr

»Absolute Objektivität gibt es nicht«

Rosbach v. d. H. (hed). Was bedeutet Objektivität in der Berichterstattung von Tageszeitungen? Dieser Frage ging am Donnerstagabend Burkhard Bräuning, stellvertretender Chefredakteur der Gießener Allgemeinen Zeitung/Wetterauer Zeitung, im Mehrzweckraum der Adolf-Reichwein-Halle nach. Die Rosbacher CDU hatte den Leiter der Politik- und Nachrichtenredaktion in Gießen eingeladen, um von ihm zu erfahren, welche Kriterien guter Journalismus erfüllen sollte.
06. Februar 2009, 20:12 Uhr
Politikredakteur Burkhard Bräuning spricht zu den Christdemokraten. Im Hintergrund lauscht der Vorsitzende Peter Horlacher. (Foto: hed)

Rosbach v. d. H. (hed). Was bedeutet Objektivität in der Berichterstattung von Tageszeitungen? Dieser Frage ging am Donnerstagabend Burkhard Bräuning, stellvertretender Chefredakteur der Gießener Allgemeinen Zeitung/Wetterauer Zeitung, im Mehrzweckraum der Adolf-Reichwein-Halle nach. Die Rosbacher CDU hatte den Leiter der Politik- und Nachrichtenredaktion in Gießen eingeladen, um von ihm zu erfahren, welche Kriterien guter Journalismus erfüllen sollte.

»Wenn alle unter dem Begriff Objektivität das gleiche verstünden, müssten ja auch alle Tageszeitungen gleich sein, oder zumindest die gleiche Themenauswahl treffen - so ist es aber nicht«, begann Bräuning seine Ausführungen, die vor allem verdeutlichen sollte, dass eine absolute Objektivität in der Berichterstattung nicht möglich ist.

Dass verschiedene Zeitungen auch verschiedene Ansichten der Aufmachung vertreten, versuchte er anhand der Schlagzeilen der vergangenen Tage aufzuzeigen. Wortspiele oder Anglizismen werde es in den Überschriften im Politikteil der WZ nicht geben, betonte der Redakteur und präsentierte einige - aus Sicht des Verlags - Negativbeispiele anderer Publikationen.

»Objektiver Journalismus sollte wertfrei, unparteiisch, möglich ohne Gefühle und vorurteilsfrei sein.« Die Objektivität gehe aber schon allein bei der Auswahl von Nachrichten verloren. Auch die für jeden Beitrag zwingend notwendigen »journalistischen W’s« (Was?, Wann?, Wo?, Wie? Wer?) könne man zwar objektiv abarbeiten, die Ausssage aber sehr wohl durch den Schreibstil beeinflussen, meinte Bräuning. »Journalisten sind auch nur Menschen - mit eigenem Kopf, Wünschen und Vorstellungen«, sagte Bräuning. »Und natürlich sind Redakteure auch politisch, sonst würden sie den Job nicht machen«, fuhr er fort, stellte aber klar, dass eine Lokalzeitung nie einen Redakteur einstellen würde, der durch eine Parteizugehörigkeit vorbelastet sei.

Im lockeren Gespräch mit den Journalisten erfuhren die Christdemokraten allerlei Wissenswertes über den Alltag bei Tageszeitungen: zum Beispiel, dass nicht nur schlechte, sondern auch rührende oder kuriose Nachrichten gedruckt werden sollten oder dass ein Redakteur mit dem vorliegenden Material manchmal 100 Seiten erstellen könnte, aber nur Platz für zwei hat.

Eine einseitige Berichterstattung könne sich eine Tageszeitung nicht leisten: »Die WZ hat eine breite Leserschaft. Würden wir zu links- oder rechtslastig berichten, hätten wir bald keine Leser mehr.« Sehr wichtig sei es, Meldungen von Meinungen klar zu trennen. In der WZ geschehe dies durch Namenskennzeichnung und andere Schriftarten.

Mit einem edlen Tropfen bedankte sich der Rosbacher CDU-Fraktionschef Peter Horlacher beim Referenten. Anschließend ließen sich die Christdemokraten Gulaschsuppe und Brötchen schmecken.

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