11. Februar 2016, 14:33 Uhr

»Die schlechteste Variante«

Rosbach (hed/pm). Dem Vorschlag von CDU und Grünen, Flüchtlinge zentral an drei Standorten im Stadtgebiet unterzubringen, kann Bürgermeister Thomas Alber erwartungsgemäß nichts abgewinnen. Der Bau eines Hauses für bis zu 72 Flüchtlinge im Ober-Rosbacher Gewerbegebiet würde ein Ghetto entstehen lassen.
11. Februar 2016, 14:33 Uhr
Flüchtlinge auf dieser Fläche im Gewerbegebiet? Aus sozialer und auch wirtschaftlicher Sicht unsinnig, sagt Alber. (Foto: Lothar Halaczinsky)

Auch sonst lässt Alber kein gutes Haar an den »CDU und Grüne haben Zahlen erfunden und überdies noch falsch gerechnet«, schreibt er. Etwa beim Kauf der Immobilien »Hopfengartenstraße 2« und »Am Teich 8«, der von Schwarz-Grün abgelehnt wird. Die Kosten je Platz lägen hier bei 12 000 bis 14 000 Euro und nicht bei bis zu 39 000 Euro. Für beide Kaufobjekte seien insgesamt 920 000 Euro kalkuliert, abzüglich dem Bodenwert von 550 000 Euro. »Die von den beiden Fraktionen dargestellten 100 000 Euro für notwendige Umbauten sind schlichtweg frei erfunden«, sagt Alber. Er will in der Hopfengartenstraße 12 bis 14 Plätze schaffen, und 15 bis 19 Am Teich. Das Wohnen soll im Familienverbund erfolgen. Bei einer Maximalbelegung wären dies 12 000 Euro je Wohnplatz – ein Betrag, der deutlich niedriger sei bei Neubauten. Hinzukäme eine Refinanzierung durch Mittel des Landes und des Kreises zwischen 5 und 8,50 Euro je Flüchtling und Tag, was einen Gesamtbetrag von 60 000 Euro ergäbe. »Damit ist nicht nur die Investition in rund sechs Jahren refinanziert, der Stadt Rosbach bleibt zudem ein Vermögenswert«, betont der Rathauschef.

Ein Neubau an der Raiffeisenstraße im Gewerbegebiet sei – betrachtet man alleine die Wirtschaftlichkeit – »die mit Abstand schlechteste Variante«.

»Vermarktung kaum möglich«

Die von den Fraktionen im Gewerbegebiet geforderten 72 Plätze in drei Gebäuden in Holzständerbauweise würden laut Alber knapp 1,5 Millionen Euro kosten. Eine Nutzung zu Wohnzwecken sei zudem nur bis Ende 2019 zulässig; eventuell könne um weitere drei Jahre verlängert werden. Ziehe man die 780 000 Euro ab, die es vom Kreis gibt, bliebe ein Minus von 720 000 Euro in der Stadtkasse. Bei einer kürzeren Nutzungsdauer, also bis 31. Dezember 2019, wären es 1,1 Millionen Euro.

»Im Anschluss an die Nutzung werden die Gebäude abgerissen, da eine gewerbliche Vermarktung kaum möglich ist. Das entspricht nicht dem Konzept der Nachhaltigkeit, das von der Stadt entwickelt wurde«, betont Alber. Gleichzeitig würden 1500 Quadratmeter Fläche im Gewerbegebiet über Jahre gebunden und damit dem eigentlichen Zweck entzogen.

Dass es keine mittelfristige Planung für einen sozialen Wohnungsbau gebe, wie CDU und Grüne behaupten, sei falsch, sagt Alber. In den Jahren 2017 bis 2019 entstünden in Rosbach und Rodheim Wohnungen für alle sozialen Schichten. Der von ihm initiierte Investorenwettbewerb für das Neubaugebiet »Die Sang« habe das erst in diesem Umfang ermöglicht. Zuvor seien dort fast ausschließlich Einfamilienhäuser vorgesehen gewesen – und die Grünen hätten das Neubaugebiet ohnehin in Gänze abgelehnt. In allen Stadtteilen werde zusätzlich ein geförderter Wohnungsbau angestrebt. Alber: »Die Gespräche und Planungen dazu laufen bereits.«

Dass die CDU in größeren Bestandsgebäuden eine Unterbringung von 20 bis 25 Menschen ablehnt (Am Teich 8, Ober-Rosbach) in kleineren Neubauten hingegen bis zu 48 Menschen je Grundstück fordert (Stürzelheimer Straße, Rodheim) will Alber nicht einleuchten. »Hier werden die Bürger aus Rodheim und Rosbach in verschiedene Klassen eingeteilt. Das ist weder nachvollziehbar noch akzeptabel«, sagt Alber.

CDU und Grüne wollen 72 Plätze im Gewerbegebiet

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