01. Februar 2016, 11:03 Uhr

»Problem wird nur verlagert«

Rosbach (sky). Die geänderte Verkehrsführung in der Rosbacher Preulgasse sorgt für Streit zwischen Bürgermeister und Anwohnern. Der Ortsbeirat versuchte nun zu schlichten – der Ausgang ist ungewiss.
01. Februar 2016, 11:03 Uhr
Weil zu viele Autos hier wenden würden, hat die Stadt die Preulgasse zur unechten Einbahnstraße erklärt.

Zum Streitpunkt zwischen Bürgermeister Thomas Alber, Anwohnern des Weidenwegs und Besuchern des Gemeindezentrums St. Michael hat sich Albers Entscheidung vom November 2015 entwickelt, das letzte Stück der Preulgasse vor der katholischen Kirche für den ausfahrenden Verkehr zu sperren. Geht es nach dem Ortsbeirat, wird diese Regelung demnächst für ein halbes Jahr wieder aufgehoben. Danach soll geprüft werden, ob die Verbesserung des Verkehrsflusses auf der Nieder-Rosbacher Straße am Knoten bereits durch den Rückbau der Verkehrsinsel und die Verlängerung der Ampel-Grünphasen erreicht werden konnte.

Bindend ist der einstimmige Beschluss des Gremiums, das am Mittwochabend unter großer Bürgerbeteiligung zu einem Ortstermin zusammenkam, jedoch nicht. »Das letzte Wort hat die örtliche Straßenverkehrsbehörde«, betonte Alber. Somit hat er als Bürgermeister das Entscheidungsrecht. Wollte sich der Ortsbeirat darüber hinwegsetzen, würde er »Gesetze aushebeln«.

Kritisiert wurde, dass Alber erst nach Änderung der Verkehrsführung Messungen habe durchführen lassen. »Dadurch haben wir überhaupt keine Vergleichswerte«, monierte Anne Dore Kuhlmann (CDU). Sowohl im Stadtparlament als auch im Ortsbeirat hatte Alber seine Maßnahme unter anderem damit verteidigt, dass er mit der katholischen Kirche eine Absprache getroffen habe. Von dort kommt heftiger Widerspruch. »Der Bürgermeister ist zu keinem Zeitpunkt in dieser Sache an uns herangetreten«, betont Pfarrer Bernd Weckwerth.

Nachdem die CDU bereits in der Stadtverordnetenversammlung am Dienstag eine Aufhebung der neuen Verkehrsführung gefordert hatte, setzte sich auch der Ortsbeirat für die Wiederherstellung des alten Zustandes ein. Mit einem Zusatz: Um das Wenden an der Verkehrsinsel auf der Nieder-Rosbacher Straße zu unterbinden, soll es ein entsprechendes Verbotsschild geben. Linksabbiegen ist wie bisher erlaubt.

Ortsvorsteher Christian Lamping brachte eine Verlängerung des Trennstreifens zwischen den Fahrbahnen bis zur Einmündung Konrad-Adenauer-Straße ins Gespräch. Die wendenden Fahrzeuge waren ein Grund für Albers Maßnahme gewesen. »Viele Autofahrer fahren beim Wenden über den Gehweg und gefährden die Fußgänger«, sagte Silke Kozerke vom Ordnungsamt. Das sei umso schwerwiegender, da es sich um einen Schulweg für Grundschüler handele.

»Fußgänger sonst gefährdet«

Weidenweg-Anwohner Dieter Stocklasa, vor dessen Haustür die Autos jetzt an einer unübersichtlichen Kreuzung auf die Nieder-Rosbacher Straße fahren, hat wenig Verständnis für die Argumentation der Stadt. »Die Zahl der Wender wird völlig überbewertet«, sagte er. Sein Nachbar Heinz-Jürgen Sils pflichtete ihm bei: »Vor allem, wenn dienstags der Hähnchenstand auf dem Storck-Gelände steht, sind es die Linksabbieger, die Probleme machen.« Alber habe das Problem nicht gelöst, sondern nur an eine andere Stelle verlagert.

Ansonsten sei es die Entwicklung des Eckgrundstücks vom Autohaus zum kleinen Einkaufszentrum mit Sparkasse und Discounter, Bäcker und Apotheke, Spielwarenladen und Schülerhilfe gewesen, die das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle erheblich verstärkt habe, war man sich einig. »Das hat man bei der Genehmigung der Zu- und Ausfahrten nicht berücksichtigt«, meinte Susanne Ritz, die an dieser Stelle häufig mit dem Fahrrad unterwegs ist und nicht selten in Bedrängnis gerät. Grundstücksbesitzer Herbert Storck gab die Erklärung: Das Sparkassengebäude (mit Rofu-Kinderland, Apotheke und Bäcker) sei separat zum Penny-Grundstück (mit Schülerhilfe und Zahnarztpraxis) zu betrachten. Zwar bestehe eine Verbindung zwischen den Parkplätzen, aber jedes Grundstück habe zu Recht eine eigene Zufahrt.

Peter Scholz (Grüne) war sich zusammen mit den im Ortsbeirat vertretenen Gremiumsmitgliedern einig: »Egal, wer von uns den Antrag stellt. Hauptsache ist es, die Sperrung wieder aufzuheben.« Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten.

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