02. März 2015, 11:03 Uhr

Zum Schlafen in den Kühlschrank

Rosbach (sky). »Was machen Ihre Schildkröten denn im Winter?«, wird Pia Streitenberger aus Nieder-Rosbach oft gefragt. Viele Nachbarn und Bekannte wissen, dass sich im Sommer sechs Griechische Landschildkröten in ihrem Garten tummeln, dazu Jungtiere – momentan sind es neun Babys, die vor einem Dreivierteljahr geschlüpft sind.
02. März 2015, 11:03 Uhr
Pia Streitenbergers Schildkröten. (Foto: Edelgard Halaczinsky)

Streitenbergers Antwort wird oft genug für einen Scherz gehalten: »Die liegen im Kühlschrank und schlafen.« Fünf Monate dauert die Winterruhe von Kassandra und Herkules, von Apollo, Kassiopeia und Alpha, dann werden sie behutsam geweckt, verlassen die Umgebung mit einer Temperatur von etwa fünf Grad und lassen sich im Bad verwöhnen. Dabei nehmen sie wieder reichlich Flüssigkeit zu sich. »Danach beziehen sie ihr Terrarium als Übergangsquartier und erreichen schnell ihre gewohnte Aktivität zurück«, sagt die Schildkröten-Mama. Eine Wärme- und UV-B-Lampe sorgen für eine langsame Aktivierung des Stoffwechsels der wechselwarmen Tiere.

Aber was machen sie, sofern sie noch in ihrer angestammten Heimat wohnen? »Dort vergraben sie sich, wenn die Tage kürzer werden, wenn die Lichtintensität abnimmt und keine geeigneten Futterpflanzen mehr zur Verfügung stehen.« Sie verbringen den meist kurzen Winter bei zwei bis acht Grad in der Erde und in Felsspalten. Sie reduzieren ihre Körpertemperatur, der Stoffwechsel und alle Funktionen verlangsamen sich, das Herz schlägt nur noch ein- bis zweimal in der Minute, die Schildkröte fällt in die Winterstarre. Zuvor hat sie aufgehört zu fressen, um sich mit leerem Darm ein Winterquartier zu suchen.

Ähnlich erleben die Tiere die kalte Jahreszeit im Kühlschrank. »Wir haben das Gerät ausschließlich zur Überwinterung der Schildkröten angeschafft, damit sie möglichst ungefährdet und unter Lebensbedingungen wie in der freien Natur ihre Winterruhe haben.« Je nach Größe teilen sich ein bis zwei Exemplare eine Kunststoffkiste als Schlafgelegenheit, und für die angemessene Luftfeuchtigkeit sorgt ein separates Gefäß mit Wasser in ihrer Behausung. Damit sie auch genügend Sauerstoff bekommen, öffnet ihre Gastfamilie etwa alle zwei Tage die Kühlschranktür und lüftet.

Ihre Schützlinge entwickeln sich prächtig und gehen jedes Jahr fit in den Frühling, sagt Streitenberger. Ein wichtiger Punkt fällt ihr dabei ein: Man sollte nie einen ausrangierten, alten Kühlschrank als Quartier für jene Erdbewohner wählen, die immerhin seit über 200 Millionen Jahren unseren Planeten bevölkern. »Nur neuere Modelle laufen so leise und erschütterungsfrei, dass keine ständigen Geräusche und Vibrationen die empfindlichen Sinne der Tiere beeinträchtigen. « Ansonsten ist der Betreuungsaufwand von November bis März gering – zumindest, was die erwachsenen Tiere angeht. Der Nachwuchs wird auf eine kürzere Winterschlafzeit gehalten. »Sie sind oft noch zu klein und zu leicht, um fünf Monate durchzuhalten«, erklärt die Expertin. Drei Monate reichen für die Kleinen aus, dann werden sie mit Feldsalat und anderen Leckereien – zum Beispiel jungem Löwenzahn – in den Frühling zurückgeholt. Seit einer Woche nehmen Streitenbergers Schildkröten wieder am aktiven Leben teil. Wer das miterleben möchte, ist bei der Familie jederzeit willkommen.

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