11. September 2011, 19:25 Uhr

Auch Eiszeittiere gab es in der »Hölle«

Rockenberg (hau). Die Fantasie schlägt Purzelbäume bei der bloßen Erwähnung von Höhlenlöwen, Mammuts und Hyänen, die einst die »Hölle von Rockenberg« bevölkerten. Den Tag des offenen Denkmals nutzten zahlreiche interessierte Besucher, um sich mit der Pflanzen- und Tierwelt zwischen einst und jetzt vertraut zu machen.
11. September 2011, 19:25 Uhr
Den Blick über das Naturschutzgebiet »Rockenberger Klosterwiesen« genießen die Teilnehmer der parallel laufenden Führung durch die obere »Hölle«. (Fotos: Hausmanns)

Ein »Gang durch die Hölle« wurde es in der Tat, zumindest für die Teilnehmer des zweiten Führungsblocks durch das höchst interessante Naturschutzgebiet: Eine kohlpechrabenschwarze Gewitterfront streifte die »Hölle« und vereitelte jedenfalls teilweise einen Durchmarsch.

Der reichhaltigen Flora auf der erhabenen Trockeninsel widmeten sich die Erläuterungen von Walter Schmidt vom Forstamt Nidda und von Kerstin Bär, Mitarbeiterin im
»LIFE«-Projekt zur Entwicklung der Wetterauer Hutungen. Das Naturschutzgebiet, heute noch teilweise mit Schafen und Rindern behutet, biete insbesondere Trockenheit liebenden Pflanzen optimale Bedingungen. Auf dem Magerrasen fühlten sich beispielsweise das seltene Bergsandglöckchen, Besenheide, Filzkraut, Silbergras oder Nelken wohl. Auch Kreuzkröten und Zauneidechsen sagen sich an diesem idyllischen Ort »gute Nacht«.

Einen weiteren Schwerpunkt vermittelte Silke Schweitzer: Die Diplom-Biologin hatte hier in der Hölle im Rahmen eines europaweiten Pilotprojektes im Jahr 2002 eine Handvoll Sumpfschildkröten ausgewildert. Die damals vom Aussterben bedrohte Art fühle sich inzwischen in der »Hölle« heimisch, erzählte sie, alle 17 Exemplare per Handschlag zu kennen. Sie habe die »letzten Mohikaner« damals per Zufall in der Nähe von Frankfurt ausmachen können. In der Rockenberger »Hölle« finde die Sumpfschildkröte optimale Bedingungen vor. Tatsächlich habe keine der anfangs mit Sendern ausgestatteten Schildkröten »Reißaus« genommen – trotz der eigens vorgesehen Verbindungskorridore über die Wetter. Die Schildkröten seien noch zu jung zum Eierlegen, ohnehin sei der Sommer für Nachwuchs gewesen. Geschlechtsreif würden sie mit circa 15, die Lebenserwartung liege bei etwa 80 Jahren.

Um rund 120 000 Jahre drehten der Paläontologe Dr. Thomas Keller und seine Mitarbeiterin im Landesamt für Denkmalpflege, die paläontologische Präparatorin Anne Sander, die Uhr zurück. Seit vor elf Jahren in der Rockenberger »Hölle« ein Unterkiefer der nun berühmten »Höhlenlöwin von Rockenberg« gefunden wurde, ist das fundreiche Gebiet in aller Munde. Die Experten hatten neben dem zahnreichen Kiefer weitere Funde mitgebracht, so etwa den Zahn eines Mammuts, das während der letzten Eiszeit hier noch heimisch war. Auch Reste von Höhlenhyäne, Höhlenbär, Wolf, Wollnashorn, Rentier oder Bison seien gefunden worden und ließen interessante Rückschlüsse.

Der Experte führte den Wechsel von Warm- und Kaltzeiten vor Augen und stellte beruhigend fest: Es war wohl nicht der Mensch, der hier das Mammut ausrottete. Vielmehr habe es Eiszeittiere gegeben, die das »Affentheater« der dauernden Klimawechsel nicht mitmachen wollten. Tatsächlich habe es am Ende der Eiszeiten immer großes Aussterben gegeben. Der Klimawechsel heute sei indes zu schnell. Vom Menschen gemachte Auswirkungen könne der Mensch nicht mehr kontrollieren, unterstrich Keller die dramatische Entwicklung. »Wir sind in ein neues Zeitalter eingetreten.«

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