12. August 2011, 17:05 Uhr

Junge Gefangene spenden für Kinder in Somalia

Rockenberg (bd). Junge Gefangene der JVA Rockenberg haben für notleidende Kinder in Somalia gespendet. Letzte Woche nahm Abteilungsleiter Volker Müller in der anstaltseigenen Bäckerei einen Scheck aus den Händen des Gefangenen Hakki A. in Höhe von knapp 900 Euro entgegen.
12. August 2011, 17:05 Uhr
Gefangenensprecher Hakki A., Abteilungsleiter Volker Müller und Bediensteter Armin Buckow (v. l.) bei der Scheckübergabe (Foto: bd)

Das Geld hatten die Jugendlichen von ihrem Überbrückungsgeld abgezwackt.

Auch die jungen Leute in der Anstalt wissen um die große Not, die im Moment in dem seit Jahrzehnten von Bürgerkriegen heimgesuchten Land in Ostafrika herrscht. Die schon lange anhaltende Dürre- und Hungerkatastrophe trifft die leidgeprüfte Bevölkerung zusätzlich – und besonders die Kinder. Laut Unicef kämpfen über zwei Millionen Mädchen und Jungen in diesen Wochen ums Überleben. Sie benötigen schnelle Hilfe, wie zum Beispiel Nahrung, Trinkwasser, und medizinische Versorgung, aber auch langfristige und nachhaltige Entwicklungs- und Wiederaufbauprogramme. Die Berichte über das Elend in Somalia sind auch an den jungen Inhaftierten in der Justizvollzugsanstalt in Rockenberg nicht spurlos vorbei gegangen.

Müller rechnet den Gefangenen, die wegen Diebstählen, Drogendelikten oder Gewaltverbrechen einsitzen, ihr Engagement hoch an. »In Zeiten der meist überspitzt dargestellten und negativ belasteten Medienpräsenz von jugendlichen Straftätern erscheint es kaum möglich, positiv über die jungen Inhaftierten zu berichten.« Oftmals, so der Abteilungsleiter, werde den Jugendlichen absolute Kaltblütigkeit vorgeworfen. Umso erwähnenswerter sei es, dass der Wunsch der Gefangenen, für die Kinder in Somalia zu spenden, von den jungen Leuten selber kam.

In einer regelmäßig stattfindenden Sitzung der »Interessenvertretung der Gefangenen« sei kürzlich der Wunsch geäußert worden, über die Unicef für die Opfer der Dürre- und Hungerkatastrophe in Somalia zu spenden. Die Anstaltsei diesem Wunsch gerne nachgekommen und habe für jedes Hafthaus eine Spendenliste angefertigt, erzählte JVA-Mitarbeiter Armin Buckow, der für die jungen Leute Kontaktmann und Ansprechpartner ist.

Die Spende von 900 Euro sei ein beachtlicher Betrag, wenn man bedenke, dass die Jugendlichen über kein mit der Außenwelt vergleichbares Gehalt verfügen, bilanzierte Abteilungsleiter Müller: Erstens verdienten sie erheblich weniger, zweitens werde ihnen per Gesetz ein Teil ihres Gehalts für das Überbrückungsgeld gesperrt und angespart. Dieses Geld sei für die Zeit nach der Inhaftierung gedacht. »Drei Siebtel ihres Geldes bekommen die Jugendlichen auf ein separates Konto eingezahlt. Es steht ihnen für ihre Einkäufe zur Verfügung. Das Geld reicht für Essen, Tabak, Kaffee oder Zeitschriften aus«, sagte Müller.

Der Stellenwert der Einkäufe sei unter den Gefangenen sehr hoch. Umso erfreulicher sei die Tatsache, dass die jungen Männer von ihrem wenigen Geld etwas für die Menschen am Horn von Afrika gespendet hätten, denen es weitaus schlechter als ihnen gehe. Armin Buckow fügte hinzu: »Wenn alle Menschen in Deutschland so denken würden, hätte man manches Problem in Somalia längst lösen können.«



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