14. September 2009, 09:40 Uhr

Sie können's noch: Glamrock der guten alten Zeit

Rockenberg-Oppershofen (en). Ja, ja – wir geben's ja zu: Als wir im Frühjahr zum ersten Mal von den Plänen gehört haben, The Sweet ins Bürgerhaus zu holen, haben wir gezweifelt. Erstens: Werden die wirklich kommen? Zweitens: Haben die überhaupt noch was drauf? Drittens: Sind das denn noch die alten? Seit Samstagabend wissen wir’s nun: Original sind sie nur noch zu einem Viertel, aber gekommen sind sie – und drauf haben sie’s allemal noch.
14. September 2009, 09:40 Uhr
»Thank you, Rockenburg«: Steve Grant an der E-Gitarre.

Rockenberg-Oppershofen (en). Ja, ja – wir geben's ja zu: Als wir im Frühjahr zum ersten Mal von den Plänen gehört haben, The Sweet ins Bürgerhaus zu holen, haben wir gezweifelt. Erstens: Werden die wirklich kommen? Zweitens: Haben die überhaupt noch was drauf? Drittens: Sind das denn noch die alten? Seit Samstagabend wissen wir’s nun: Original sind sie nur noch zu einem Viertel, aber gekommen sind sie – und drauf haben sie’s allemal noch.

Die Rockenberger Aktionsgemeinschaft für Kinder und Jugend (AGKJ) hatte die Stars der Crazy Seventies aus dem Land der Briten für ihr erstes Benefizkonzert verpflichtet – den Verein selbst gibt’s erst seit einem halben Jahr. Wolfgang Langsdorf und Richard Graubert, besonders ersterer mit Musikerkontakten und Erfahrung im Eventmarketing, hatten die Fäden gezogen und die Glamourband von einst auf die Bühne geholt, auf der höchstens mal ein paar durchgeknallte U-Bahnkontrollöre standen und ansonsten die Stars On 45 und Our Own Opinion die Maßstäbe setzen.

Die Jungrocker aus Rockenberg waren es auch, die am Freitag den meisten Beifall einheimsten. Da stritten im ersten Teil des AGKJ-Charity-Wochenendes fünf heimische Nachwuchsbands musikalisch um anderthalb Tickets für die Batschkapp-Bühne. Um’s kurz zu machen: Gewonnen haben vor unerwartet großer Resonanz von 250 Zuhörern – alle hatten ihre Fans mitgebracht – Mooning aus Gießen. Sie kommen direkt in die nächste Runde um den Deutschen Pop- und Rockpreis, die Zweitplatzierten, die Dead Strings aus Steinfurth, bekommen eine zweite Chance, und an die Lokalmatadoren von Our Own Opinion ging immerhin der Publikumspreis.

Auch für die zahlreichen Helfer, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt hatten – Graubert spricht von knapp 100 an beiden Tagen – war das freilich nur der Aufgalopp für den Samstag: So gut wie ausverkauft war das Bürgerhaus, als Rockpreisträgerin Liza (wie am Freitag) als Opener die Bühne enterte. Langsdorfs Band »Mee Too – Stars On 45« zog nach und sorgte schon mal für Stimmung, die auch Kult-DJ Rolf Weckmann aus Gambach mit seinen Oldies in der Umbaupause halten konnte.

Immer lauter allerdings kamen dann die Rufe aus der Menge »We want Sweet!« – die alten Herrn, die gar nicht so alt waren, wie sich herausstellte, mussten aber noch warten, bis Bürgermeister Manfred Wetz im Namen der Gemeinde die Gäste begrüßt, die Bedeutung des Arbeitskreises hervorgehoben und sein Couvert überreicht hatte.

Am Ende schlug doch noch der »Blitz« ein

Aber danach gab’s kein Halten mehr bei der »Ü-40-Party«, wie eine Rockenbergerin treffend scherzte: Mit »Hellraiser« und »Wig Wam Bam« erinnerten die vier auf der Bühne daran, dass die Band in ihren besten Jahren alles andere als nur süß und lieblich war, sondern auch wild und verrockt.

Gitarrist Andy Scott, einziges Überbleibsel aus der Fast-Ursprungsformation (er stieß 1969 dazu), erzählte ab und zu ein wenig aus den vier Jahrzehnten »on the road«, und auch die betont kommerziell ausgerichtete Anfangszeit kam mit »Funny Funny«, »Co-Co« und »Poppa Joe« zu ihrem Recht.

»Gab’s noch was?«, fragte sich der nicht so eingefleischte Sweet-Fan zu diesem Zeitpunkt schon, immer im Hinterkopf, dass sie den »Ballroom Blitz« erst als Zugabe bringen würden. Aber es gab noch so manches: »Teenage Ram- page« vor allem, »Fox on the Run«, »Action« und »Little Willy« sowie ihr musikalisches Meisterwerk »Love is like Oxygen«, das freilich in der Marathon-Version vom Samstag nicht jedermanns Sache schien.

Nach immerhin knapp 90 Minuten war dann auch der »Blitz« eingeschlagen und die Jungs verabschiedeten sich vom Super-Publikum in »Rockenburg«, das sich dieses Allerwelts-Kompliment auch redlich verdient hatte: Wo’s was zum Klatschen und Mitsingen gab, waren die 800 im Bürgerhaus dabei. Vom Beifall nach jedem der Superhits gar nicht zu reden. Entsprechend konnten sich Langsdorf und Graubert (»Nach dem ersten Lied ging’s mir auf einmal viel besser.«) in Form von mannigfachem Schulterklopfen und »Dankeschöns« bestätigt fühlen und schon mal fürs nächste Jahr planen.

Was ist die AGKJ?

Unter dem Motto »Gutes tun, aktiv handeln« will die Aktionsgemeinschaft für Kinder und Jugend Rockenberg junge Menschen unterstützen, deren Zukunft mehr als ungewiss ist, weil sie in schwierigen sozialen Verhältnissen aufwachsen, drogenabhängig oder behindert sind. Die Organisation sieht sich nicht als Konkurrenz zu anderen sozialen Institutionen und will keine eigenen Projekte starten, sondern in Form von kulturellen Veranstaltungen Geld sammeln, um damit Hilfe zu leisten. Konkret gefördert mit den beiden Musiknächten werden die Deutsche Stammzellenspenderdatei Rhein-Main vom DRK, das Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche der Johanniter und die Aktion Hoffnungszeichen der Malteser. Darüber hinaus werden regionale Projekte unterstützt. Weitere Mitglieder sind jederzeit willkommen (Telefon 0 60 33/74 43 56, E-Mail agkj-ev@web.de). (en)



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