Reichelsheim

Lebensraum für Vögel, Deckung fürs Wild

Reichelsheim-Heuchelheim (kai). Sonnenblumen nicken mit ihren Köpfen der Sonne entgegen. Senf und Phacelia sind verblüht. »Das ist einmalig, dass in einer Gemarkung großflächig Blühstreifen in die Wetterauer-Agrarlandschaft integriert wurden«, lobt Ralf Eichelmann von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises.
30. August 2013, 18:48 Uhr
Bei einem Ortstermin informieren sich Imker, Landwirte, Kommunalpolitiker und Vertreter vom Wetteraukreis über die von Jagdpächter Heiko Blecher initiierten Blühstreifen.
Bei einem Ortstermin informieren sich Imker, Landwirte, Kommunalpolitiker und Vertreter vom Wetteraukreis über die von Jagdpächter Heiko Blecher initiierten Blühstreifen.

Diese Streifen seien eher von ertragsärmeren Regionen bekannt. »Hier im offenen Ackerland profitieren Feldlerche und Ammern davon, das wird sich bei den Vogelzählungen bemerkbar machen«, glaubt Eichelmann. Mehr als zwei Hektar Blühstreifen bieten Wildtieren zwischen Heuchelheim und Gettenau Unterschlupf sowie Nahrung für Feldvögel.

Fast zwei Hektar dieser bunten Streifen ziehen die Blicke in Heuchelheim und Gettenau auf sich. Angesät wurden die Flächen auf Initiative von Jagdpächter Heiko Blecher. »Sie bieten Lebensraum für Vögel, aber auch Deckung für das Wild«, sagt er. »Jetzt nach der Ernte ist das besonders wichtig.« Unermüdlich warb Blecher bei Landwirten und den beiden Kommunen seines Reviers für seine Idee: Naturstreifen in die Wetterauer Landschaft zu integrieren. Er überzeugte die Bürgermeister Bertin Bischofsberger und Dieter Müller davon, dass er die nach der Flurbereinigung entstandenen Ausgleichsstreifen, die punktuell mit Sträuchern und Bäumen bepflanzt sind, nutzen kann, um den nötigen Lebensraum für Rebhühner, Fasan, Hasen und Rehe zu schaffen. »Wir brauchen in der Ackerlandschaft keine Parkflächen, da ist Deckung und Artenvielfalt wichtig«, erklärt Blecher. Seine Ideen fruchteten bei den Landwirten: Zwei Bauern säten auf fast einem halben Hektar Blühpflanzen. Dazu beteiligen sich vier Landwirte am Rebhuhnstreifen-Programm: Sie ließen nach der Ernte Getreidestreifen stehen, an denen sich die wild lebenden Hühnervögel laben können. Dazu kommen 35 Lerchenfenster auf Äckern.

»Wenn es um die Natur geht, ist eine Zusammenarbeit von allen Akteuren wichtig, Vogelschützer, Imker, Jäger und Landwirte«, sagt Blecher. In einem der Naturstreifen hat der Imkerverein Friedberg Bienenvölker aufgestellt. »Die Blühstreifen sind nicht dazu gedacht, dass sich Passanten mit bunten Blumensträußen eindecken und Hunde durchlaufen lassen«, sagt Kreislandwirt Herwig Marloff. »Einfach ein paar Samen mitnehmen und im nächsten Jahr im eigenen Garten Sonnenblumen aussäen«, rät Eichelmann. Die Blumen bleiben bis zum Frühjahr auf den Flächen, bieten im Winter Vögeln Nahrung.

»Das, was von Heiko Blecher angestoßen wurde, ist vorbildlich, das unterstützen wir gern«, erklärt Marloff. Die Kooperation funktioniere sehr gut. Die moderne Landwirtschaft bemühe sich um Umwelt und Naturschutz, ergänzt Eichelmann. »Es ist ungewohnt fürs Auge in der offenen Landschaft blühende Parzellen zu sehen«, sagt Echzells Bürgermeister Müller. »Ich hoffe, dass das, was Blecher hier eingeführt hat, Vorbild ist für andere Kommunen.« Es gelte neue Wege zu finden und gute Ideen zu unterstützen, betont Bertin Bischofsberger. »Es ist sinnvoll, Rückzugsmöglichkeiten und Nahrungsquellen für Tieren über die Blühstreifen vorzuhalten«, sagt er. Daher unterstütze die Stadt Reichelsheim den Einkauf des Saatguts mit jährlich 300 Euro. (Foto: kai)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/reichelsheim/art568,84326

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