14. Juni 2011, 11:55 Uhr

Joachim Storch rettet sich in letzter Sekunde aus der Kabine

Reichelsheim (lk). WZ-Mitarbeiter Joachim Storch befand sich an Bord des Zeppelins, der am Sonntagabend in Reichelsheim abstürzte. Im Gespräch mit der WZ schildert er den tragischen Vorfall, bei dem der 52-jährige Pilot ums Leben kam.
14. Juni 2011, 11:55 Uhr
Joachim Storch

»Der Pilot hat uns zu Beginn der Fahrt gesagt, dass wir optimale Wetterbedingungen haben«, erinnert sich Joachim Storch. Der Fotograf, der auch für die Wetterauer Zeitung im Einsatz ist, befand sich in der Kabine des brennenden Zeppelins, der am Sonntagabend abgestürzt ist. Durch einen Sprung konnte sich Storch retten.

»Der Flug war total angenehm, ich habe mich wohl und sicher gefühlt«, sagt der Bad Homburger. Vor der Fahrt seien er und die beiden anderen Mitfahrenden auf Englisch instruiert worden, beim Landen nicht gleich auszusteigen, sondern abzuwarten, bis ihr Gewicht in Sandsäcken aufgefüllt sei und die Crew den Zeppelin mit langen Seilen ausbalanciert habe.

Beim Landeanflug habe der Pilot den Zeppelin extrem senkrecht mit der Front nach unten gestellt, er und die beiden anderen Journalisten seien mit dem Oberkörper nach vorne gekippt. »Kurz vor der Landung hat der Motor fürchterlich aufgeheult«, beim Aufsetzen habe es polternde Schläge gegeben.

Nachdem der Zeppelin zum Stehen gekommen sei, habe keiner der drei den Mut gehabt, aufzustehen. »Dann sagte der Pilot: «I had an accident».« Plötzlich habe es nach Benzin gerochen. Die Bank auf der Storch zusammen mit einem RTL-Journalisten saß, sei heiß geworden. »Die Kollegin vorne hat gesehen, dass es brennt.« Sie sei aus dem Fenster gesprungen. Der Mann neben ihm habe geschrien, dass er die Tür nicht öffnen könne. »Im Nachhinein habe ich erfahren, dass der Pilot ihm noch dabei geholfen hat, die Tür aufzumachen.« Er selbst habe in der Panik den Sicherheitsgurt nicht lösen können. »Ich hatte Todesangst«, sagt der Fotograf. Als er sich aus dem Gurt befreit habe, sei er aus zwei Meter Höhe durch das Fenster abgesprungen. Das hatte er zuvor ausgehängt, um bessere Bilder machen zu können.

»Ich bin weggerannt, dachte, das würde explodieren.« Er habe sich gewundert, dass der Pilot nicht aussteige, Zeit genug sei gewesen.

Der Zeppelin sei langsam nach oben geschwebt. »Plötzlich hörte ich fürchterliche Schreie. Ich war völlig machtlos. Keiner konnte helfen.« Das Feuer habe auf die Hülle des Luftschiffs übergegriffen, dann sei es in sich zusammengesackt. »Der brennende Zeppelin stürzte senkrecht neben einer Kuhweide zu Boden.« Die Tiere seien panisch weggerannt, haben noch einen Zaun niedergerissen. Erst nachdem das Feuer gelöscht worden war, habe er erfahren, dass der Pilot verbrannt sei. »Die ganze Zeit habe ich gehofft, dass er noch abspringen konnte.« Er sei mehrere Stunden vernommen worden, habe viel geweint und mit einer Pfarrerin gesprochen, sagt Joachim Storch.

»Man kann so ein Fluggerät eigentlich nicht zulassen, wenn man es nicht allein auf dem Boden halten kann, sondern dazu Helfer braucht«, findet er. Es gebe keine Sicherungsmöglichkeit, vorher seien Kinder mit dem Zeppelin geflogen. »Die Fahrten wurden auf dem Hessentag im Rahmen eines Sicherheitstrainings verlost. Das ist doch ein Unding.«

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