23. November 2012, 19:03 Uhr

Viele Ideen für das fürstliche Hofgut

Ranstadt (sl). Das seit fünf Jahren brachliegende Hofgut des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode soll wieder Leben eingehaucht bekommen. Die Gemeinde und das Fürstenhaus planen eine umfangreiche Neugestaltung, Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel spricht von einer »einmaligen Chance für uns alle«.
23. November 2012, 19:03 Uhr
Im Herrenhaus im hinteren Areal könnten Gastronomie und Tagungsräume entstehen.

Der Gemeindevorstand wurde jetzt beauftragt, die Ausschreibung einer »Potentialentwicklungsstudie« für das Ökonomiegut vorzunehmen und von Fachbüros Angebote einzuholen. Ideen gibt es mittlerweile schon viele.

In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter hatten Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger vom Regionalmanagement Oberhessen ein mögliches Nutzungskonzept für das Anwesen vorgestellt, das mit seinem parkähnlichen Areal etwa ein Viertel der Ranstädter Gemarkung einnimmt und schon seit längerem keinen schönen Anblick bietet. Beide sprachen von einem sehr attraktiven Modell. Da die Realisierung eng an den Erhalt von Fördermitteln gebunden sei, schlugen die Referenten eine Splittung in einen wirtschaftlichen, einen gemeinnützigen und einen sozialen Bereich vor.

Grundsätzlich sieht die Projektbeschreibung eine Wiederaufnahme des historischen Gutsbetriebes mit touristischen Angeboten vor. Gedacht wird an die Präsentation der Wetterauer Landwirtschaft im Wandel der Zeit« und das Gut als ergänzende Attraktion zum Glauberg. Mit der Wetterauer Archäologischen Gesellschaft auf dem Glauberg (WAGG) ist eine enge Kooperation vorgesehen. Ebenso denkbar wären der Anschluss eines Integrationsprojekts für Menschen mit Behinderung oder die Entwicklung des Hofguts als Bestandteil der dörflichen Infrastruktur.

Geld für die Umgestaltung soll aus dem Fürstenhaus Stolberg kommen, von weiteren Investoren und aus der optimalen Ausschöpfung von Fördergeldern von Land, Bund und EU. Denkbar wäre zudem ein General-Dienstleister, der Gastronomie, Familienhotel und Ferienwohnungen managen könnte; ferner sollen regionale Paten mit eingebunden und eine Stiftung oder ein Förderverein gegründet werden.

Neben Gastronomie und Unterkünften sieht die Studie einen aktiven Landbauernhof mit Direktvermarktung und Kunsthandwerk vor, ebenso sollen Tagungen und touristische Angebote machbar sein.

Im gemeinnützigen Bereich will man historische Landwirtschaft vorstellen, einen Hof- und Kräutergarten anlegen, altes Handwerk demonstrieren, einen Dorfladen etablieren, die Dorfgeschichte aufzeigen, Exkursionen und Vorführungen anbieten.

Der soziale Bereich sieht das Gut als Lebens- und Arbeitsort für behinderte Menschen vor. So könne der Hof im Wetteraukreis zum Inklusions-Projekt mit Modellcharakter für behinderte Menschen werden, glaubt Bernd-Uwe Domes.

Klaus Karger ging auf die Gebäude-nutzung ein. Im Innenhof könne man Erlebnisangebote, den Hofgarten und Veranstaltungen unterbringen, während im einen Gebäudetrakt der Gutsbetrieb mit Tierställen, Schmiede, Scheune und Kornkammer untergebracht werden könnten. Denkbar wären auch eine Brauerei, Brennerei oder eine Werkstatt für Korb- oder Besenmacher. Weiter vorn könnte die Erlebniswelt zu Landwirtschaft und Dorfgeschichte entstehen. Der andere Gebäudetrakt könnte Ferienwohnungen sowie Wohn- und Arbeitsräume der behinderten Menschen beherbergen. Ein Info-Portal sowie ein Hofladen mit Bürgertreff-Funktion im Eingangsbereich runden die Vorstellungen der Planer ab.

In der jüngsten Ausschusssitzung regte Bürgermeisterin Reichert-Dietzel zudem die Einrichtung eines Landschulheims an.

Für die Gemeinde sei es wichtig, sich an der Entwicklung zu beteiligen. Karger sprach von einem Imagegewinn und einer neuen Form der Wertschöpfung vor Ort. Cäcilia Reichert-Dietzel machte freilich im Ausschuss noch einmal deutlich: »Wir investieren nicht und wir kaufen auch nicht«. Allerdings müsse die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um die Planung voranzutreiben. Begrüßt wurde, dass die Fürstenfamilie in die Umgestaltung investieren wolle. Dass sich das Fürstenhaus auch einen Re-Invest erhoffe, sei verständlich. Der Erhalt von Gebäuden und Park als Einheit liege dem Fürsten, der in der Lenkungsgruppe aktiv mitarbeite, am Herzen. Einem Verkauf und Abriss der Gebäude, um Supermärkte zu bauen, erteile er eine klare Absage, berichtete die Bürgermeisterin.

Grundsätzlich gehe der Trend zu erlebnisorientierten Aktivitäten unter der Überschrift »Ausbruch aus dem Alltag«. Allerdings habe auch das seine Grenzen. Glaube man einer Studie, dass beispielsweise Familien für einen Tagesausflug eine Anreise von 90 Minuten in Kauf nehmen, spreche man von 2,2 Millionen Menschen. Auf 5 Millionen steige die Zahl potentieller Gäste, wenn Menschen für einen Kurzurlaub eine zweistündige Hinfahrt einplanten. Sie wollten die Angebote von der Keltenwelt bis nach Bad Salzhausen nutzen, sagte Reichert-Dietzel, die auch die Radwegtouristen und die Pilger der Bonifatiusroute ins Gespräch brachte.

Ausschussvorsitzende Roswitha Petzold nannte Beispiele für ähnliche Projekte, die zumeist über Stiftungen realisiert wurden. Sie sprach sich ebenfalls dafür aus, diese Chance zu nutzen: »Wir wollen diesen Schritt gehen«, auch wenn von der Umsetzung erst die nächste Generation profitiere.

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