24. Mai 2013, 11:38 Uhr

»Bis zur IAA müssen wir fertig sein«

Wetteraukreis (hed). Auch die »Baustelle des 21. Jahrhunderts« ist eine normale Baustelle, weiß Rainer Fischer. Der zuständige Projektleiter von Hessen Mobil muss gerade dem Lkw-Fahrer erklären, wo er sich hinzustellen hat. Die Logistik, sagt Fischer, sei das größte Problem bei »so einer Materialschlacht«.
24. Mai 2013, 11:38 Uhr
In der ersten Phase der Baustelle montieren die Arbeiter die schweren Stahlschutzwände. Sie sollen die Autofahrer schützen, die später in Richtung Süden in die Gegenfahrbahn gelenkt werden. Diese Vorarbeiten werden nur abends und nachts durchgeführt. (Fotos: hed)

Zehntausende Tonnen Asphalt und Beton werden bewegt sein, wenn Ende August alles fertig ist. »Der Termin wird eingehalten«, betont er. Schließlich hat das Bundesverkehrsministerium mit der Anfang der Woche eingerichteten ein Pilotprojekt angestoßen, das keine Negativschlagzeilen gebrauchen kann.

Wenn Verkehrsminister Peter Ramsauer Anfang Juni die Baustelle besucht, wird deutlich mehr zu sehen sein als am Mittwochabend, an Tag 3. Bis auf der A 5 zwischen Ober-Mörlen und Friedberg überhaupt Baumaschinen anrücken können, werden noch knapp zwei Wochen ins Land gehen. »Wir brauchen alleine zehn Tage, um auf die andere Seite zu kommen«, sagt Fischer. Sprich: Noch heißt es freie Fahrt auf der Fahrbahn Richtung Süden, auf der bis Ende August der Seitenstreifen und die rechte Spur erneuert werden. Zuerst müssen die Arbeiter die A 5 Richtung Norden auf drei, knapp drei Meter breite Fahrstreifen verengen. So wird auf der linken Spur Platz für die Autos und Lkw geschaffen, die später mit Frankfurt im Blick auf die Gegenfahrbahn fahren. Erst dann können die rechte Spur und der Seitenstreifen aufgerissen werden. Letzterer soll später einmal (wie in der Gegenfahrbahn) in Stoßzeiten freigegeben werden können.

Um die Sicherheit der Autofahrer zu erhöhen, werden seit Dienstag schwere Stahlschutzwände aufgestellt. Ähnliche Schutzwände wird es später auch für die Bauarbeiter geben. »Heute Nacht schaffen wir gut zwei Kilometer«, erklärt Fischer. 13 Lkw sind es, die zwischen 20 Uhr und 5 Uhr morgens ihre schwere Fracht abladen. Wenn der Berufsverkehr anbricht, muss die Spur, die für das Montieren der Schutzwände gesperrt ist, wieder frei sein. »Sonst wäre hier in fünf Minuten alles dicht«, weiß Fischer und macht ein Foto des Lasters. »Für die Akten.« Und womöglich auch fürs Gedächtnis: Fischer muss die Pressestelle von Hessen Mobil täglich über den Stand der Arbeiten informieren. Es gilt, die eigens fürs Pilotprojekt eingerichtete Seite <%LINK auto="true" href="http://www.A5-Baustelle.de" text="www.A5-Baustelle.de" class="more"%> mit aktuellen Daten zu bestücken.

Schichten werden verlängert

Der Verkehrsplaner aus dem Kreis Offenbach konzipiert seit 23 Jahren Baustellen in Hessen. Die A 3, A 4, A 45 oder die A 66 (zur Fußball-WM 2006) hat er schon instandgesetzt. Auch die A 5 kennt er wie seine Westentasche. Angst hat er keine mehr, wenn er zwischen zwei Warnbaken mit Vollgas in den rollenden Verkehr einschert. Noch muss er das. »Aber später bei der Baustelle werden wir erstmals vorgegebene Ein- und Ausfahrten für die Baufahrzeuge haben«, erklärt Fischer. Das minimiere das Risiko für die Lkw-Fahrer und sorge für Ordnung.

Und Ordnung ist das halbe Baustellenleben. Für den Auf- und Abbau nutzt Hessen Mobil erstmals offiziell sogenannte Phasenpläne. »Das verläuft alles sehr komprimiert«, erklärt Fischer. Neun Phasen sind definiert, erst in der letzten beginnen die eigentlichen Bauarbeiten. Die avisierten Zwischenstände sind ohne Wenn und Aber einzuhalten. Wenn es (wie an Tag 2 am Dienstag) einmal so stark regnet, dass die Arbeiter ihr Pensum nicht schaffen, muss eben tags darauf mehr malocht werden. »Da haben wir die Schichten verlängert, um den engen Takt zu halten.«

Nicht immer werden 40 bis 50 Arbeiter, wie in den Spitzenzeiten, auf der Baustelle zu sehen sein. Sollten sich Autofahrer in den kommenden Wochen und Monaten über den scheinbaren Stillstand wundern, sie würden es zu Unrecht tun, meint Fischer. Große Maschinen wie die Fräse, die 130 Tonnen Asphalt in der Stunde abtragen kann, benötigen zwar eine Menge Lkw zum Abtransport (»Die macht einen in zehn Minuten voll.«), aber sonst kaum Personal.

»Schneller geht es hier gar nicht«, betont der Baustellenplaner. Ein 24-Stunden-Schichtbetrieb mit nächtlichen Bauarbeiten sei vergaberechtlich schwierig, die Zahl der verfügbaren Baufahrzeuge ohnehin begrenzt. »Außerdem kann man elf Kilometer gar nicht ausleuchten.«

Und die Autobahn für die Bauarbeiten gleich ganz sperren, damit es schneller geht (wie vergangenes Jahr die A 40 bei Düsseldorf)? »Das können Sie bei der A 5 vergessen«, sagt Fischer. 110 000 Autos am Tag und generell schon überlastete Ausweichstrecken ließen das nicht zu.

Ausweichen auf die A 45?

Jeder Autofahrer könne sich sicher sein, dass auf der A 5-Baustelle nicht gebummelt wird. »Wir müssen den Termin halten. Die IAA beginnt am 12. September«, betont Fischer. Dann sollen die Besucher der Automobilausstellung auf dem offenporigen Guss-Asphalt anrollen, der erstmals auf einer hessischen Straße zum Einsatz kommt. Leiser soll er sein, mehr Regenwasser durchlassen.

Neu bei der »Baustelle im 21. Jahrhundert«, wie sie das Bundesverkehrsministerium nennt, ist auch, dass die »intelligenten« Anzeigetafeln über der Fahrbahn das Tempo in der Baustelle (in der Regel 80 km/h) regeln und auf Gefahren hinweisen. »Am Gambacher Kreuz wird die voraussichtliche Reisezeit bis Frankfurt angegeben. Wer möchte, kann dann über die A 45 ausweichen«, nennt Fischer ein weiteres Beispiel. Denn ein Stau, »das ist das Schlimmste, was uns passieren kann«, erklärt der Planer. Dann stehen nämlich auch die Baustellenfahrzeuge – und der Zeitplan wird immer enger.

Nur eine Ausnahme wird es für die Bauarbeiter geben. »Am Samstagabend dürfen alle das Champions-League-Finale schauen«, sagt Fischer grinsend. »Dafür arbeiten sie dann am Sonntag.«

A5: Bis Ende August erhöhtes Staurisiko

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