14. Februar 2010, 21:30 Uhr

Scheint keine Sonne, wird in Mörlau halt geschunkelt

Mörlau (en). »Alles geben« wollten die Ober-Mörler Narren gestern Nachmittag, denn »Fassenacht is schee, aach bei Schnee« reimte MCC-Präsident Hendrik Schaupp vor dem Beginn des großen Umzugs vom Wagen der Tollitäten aus. Kollege Alexander Müller von der gastgebenden KG schlug angesichts der leichten Minustemperaturen vor, »gemeinsam Gaudi« zu machen.
14. Februar 2010, 21:30 Uhr
Über 500 Gardemädchen ziehen durch die Straßen beim Ober-Mörler Lindwurm. (Foto: Nici Merz)

Und das Mörlauer Prinzenpaar verkündete es sogar im Duett: »Freude schenken, Sorgen vertreiben - das ist die wahre Fassenacht«. Selbst 361-Tage-Rathauschef Sigbert Steffens forderte seine Untertanen zum Feiern auf: Schon bald sei Aschermittwoch, und der Alltag in Ober-Mörlen werde »elend und grau«.

Kalte Füße gab’s schon beim größten Lindwurm der Wetterau, und Petrus’ angebliche Ankündigung, die Sonne rauszulassen, erwies sich auch als Falschmeldung. Aber der Mund fror nicht ein angesichts der Mitsing-Lieder aus dem Lautsprecher und von dem guten Dutzend Musikzügen, und wenn die Hände ab und zu zum Himmel gingen, hatten auch die ihre Bewegung.

Also einmal mehr alles paletti beim närrischen Treiben in den Ortsstraßen, dem freilich - wetterbedingt, da war man sich einig - nicht so viele Menschen beiwohnten wie in den Vorjahren. Noch am Morgen, so die Zugsprecher Holger Reuß und Burkhard Wahl, hatten fleißige Helfer die Zugroute vom Schnee der Nacht befreit, so dass am Mittag »alles tipptopp« aussah.

Nicht nur dem Wetter trotzten die Narren, sondern auch noch manch anderer Krise, vor allem der ganz großen - getreu dem Zug-Motto »Trotz aller Krisen, oh wie wunderbar - Mörlau feiert “Fassenacht wie jedes Jahr«. Der neue Zugmarschall Thomas Rau überließ es dem langjährigen Vorgänger Schorsch Bell, mit den ohrenbetäubenden Salutschüssen den in den Nebenstraßen am Schloss wartenden Gruppen mitzuteilen, dass es losgehen konnte. Dass gestern nur fünf Schüsse fielen, kommentierte Burkhard Wahl: »Nur fünf Patronen? Ach ja, die Krise!«

111 Nummern waren’s auch diesmal wieder, etlichen musste nach KG-Informationen abgesagt werden, damit der Zug überhaupt in den Ort passt. Wie stets, machte der TSV Nieder-Mörlen den Anfang, diesmal für die Landesgartenschau werbend, aus Espa kamen Mexikaner (das diesmal sicherlich beliebteste aller Outfits) und aus Nieder-Wöllstadt der erste von etlichen Karnevalvereinen, vom Elferratswagen grüßte NCV-Präsident Siegbert Freienstein. Auch aus Brandoberndorf waren Narren gekommen, aus »Brandy«, wie der ortskundige Wahl anmerkte, und natürlich von der Assenheimer AKG, unter anderem das preisgekrönte Männerballett.

Die Fußballer(innen) aus dem nahen Fauerbach hatten’s mit Traktor und Wagen über den verschneiten Berg geschafft, die Erschter Nachteulen aus Erbstadt folgten ihnen sowie die Faschingsfreunde aus Melbach und Obbornhofen mit ihrem schön gemachten Hüttengaudi-Wagen. Alljährlich eine Augenweide sind die Wagen der Karnevalisten aus Usingen, der Wetterpiraten aus Ober-Hörgern und der KG Narrenzunft aus Nieder-Weisel. Aus Rosbach waren auch heuer die Hasenspringer gekommen, die Hiesbach-Karnevalisten aus Bad Nauheim und die vom jungen WKV Nieder-Weisel ließen sich ebenfalls bewundern.

Originelle Beiträge kamen aus Wisselsheim mit dem »Bänkster«-Motivwagen zur Bankenaffäre mit dem Motto »Typen, die die Welt nicht braucht«, und vom RFV Ober-Mörlen, der mit einem Casino die leere Gemeindekasse füllen möchte. Zum Protest nutzte der SV Ober-Mörlen den Zug: »Ohne Fußball im SV - dicke Kinder in Mörlau« reimte er und gab sich zuversichtlich: »Totgeglaubte leben länger.«

Die Schweinegrippe hatte der erste Motivwagen des MCC zum Thema, der zweite kam sogar beweglich daher: Mit dem Hammer drosch General Motors auf Opel ein, und beim dritten zerrte man die Frikadellendiebin in Ketten vors Arbeitsgericht, während der Manager mit dem Geldkoffer golfen ging. Alle MCC-Gruppen gaben natürlich ihre Visitenkarte ab, entweder in ihren traditionellen oder auch in Fantasiekostümen von bunt bis dämonisch.

Bannerträger Jens Pfalzgraf kündigte schließlich die Gastgeber an: Immer läuft die KG Mörlau ganz am Schluss, immer auch mit allen verfügbaren Gruppen. Als unbestrittene Attraktionen konnte man wieder einmal einen Motivwagen vorweisen, auf dem der Klimagipfel betont kritisch gewürdigt wurde, und man hatte natürlich die Wintersteingeister dabei: An die 20 der wilden Schwellköppe waren es schon - Tendenz weiter steigend. Mit den Wagen von Prinzenpaar und Elferrat endete der Zug - auch das ist Tradition in Mörlau.



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