07. Juli 2016, 18:23 Uhr

Yoga: Atem ist Leben

Ober-Mörlen (hau). Bevor Helga Bluhm mit Yoga begann, trainierte sie Aikido. Nach einem Fahrradunfall machte sie sich auf die Suche: »Was kann ich tun, um körperlich und geistig gesund zu bleiben?« Mit ihrer Art, Yoga zu unterrichten, hat sie beim Turnverein binnen zehn Jahren zahllose Menschen von der Kraft bewussten Atems überzeugt.
07. Juli 2016, 18:23 Uhr
Achtsamkeit gehört für Yogalehrerin Helga Bluhm zu den wesentlichen Grundsätzen im Leben. (Foto: Annette Hausmanns)

Es sind die Ruhe und die respektvoll-freundliche Art, auf Menschen einzugehen, die einen vom ersten Moment an für Helga Bluhm einnehmen. Behutsam rollt man seine Matte auf den Boden, streckt sich lang aus und lauscht auf die feste Stimme der Yogalehrerin. Selbst nach einem aufreibenden Tag beruhigt sich bald der Atem, und die Gedanken hören auf, Purzelbäume zu schlagen. Eine wundersam friedliche Stimmung macht sich breit. Am Ende der intensiven Yogastunde sind alle überzeugt: Das hat mir jetzt so richtig gut getan.

Als Helga Blum vor zehn Jahren beim TV »Fortuna« mit den ersten drei Yogakursen im Rittersaal des Schlosses begann, betrat sie Neuland in der Usa-Gemeinde. Sie öffnete Türen und mittlerweile ganze Welten. Sechs Kurse pro Woche stoßen im Vereinsheim an der Hasselhecker Straße auf derart große Gegenliebe, dass zum Zehnjährigen heute alle ehemaligen und aktuellen Kursteilnehmer zu einem Yogafest eingeladen sind – um einen Moment innezuhalten und ein Erleben ins Bewusstsein zu rücken, das so selbstverständlich nicht ist, erst recht nicht in schnelllebigen Zeiten.

»Das Erste und das Letzte, was wir im Leben tun, ist atmen«, lächelt Helga Bluhm. Dazwischen verrinne das Leben gerne viel zu schnell. »Atem ist Leben«, diese Überzeugung habe sie in 25 Jahren Yogapraxis gewonnen. Dazu gehöre, den Atem ins Bewusstsein zu heben. Yoga sei gerade in unserer Zeit so wichtig: »Um zu lernen, gut mit unserem Körper umzugehen.« Es gehe überhaupt nicht um all die wunderbaren Haltungen, mit denen so gerne für Yoga geworben werde.

»Grundlage ist die Achtsamkeit«, erklärt Helga Bluhm ihre Art, Konzentration auf die eigene innere Kraft zu lenken. Es brauche Geduld und viele kleine Schritte, um wahrzunehmen, was im Körper passiert. So könne nach und nach eine innere Haltung entstehen, eine Wahrnehmung von sich selbst. »Ich beobachte, ohne zu beurteilen.« Oder anders ausgedrückt: Gelassenheit gegen die Zentrifugalkräfte einer immer schnelleren Zeit. Einmal in der Woche in der Yogastunde in sich hineinzuhorchen, sei natürlich wenig, könne aber eine Initialzündung für eigene Übungen sein, in deren Zentrum immer wieder der bewusste Atem stehe.

Als Helga Bluhm selbst zu der Einsicht gelangte, präventiv etwas für die Gesunderhaltung von Körper und Geist zu tun, steckte sie nach Jahren in Paris, Frankfurt und der Entwicklungshilfe noch tief im Hamsterrad eines anstrengenden Berufslebens. Unter anderem gehörte sie zu den Gründern der Bürgeraktive in Bad Vilbel, arbeitete für die Nachbarschaftshilfe und für die Selbsthilfe. Zu dieser Zeit entschied sie sich auch für eine dreijährige Yoga-Ausbildung beim Himalaya-Institut.

Zunächst dachte Helga Bluhm gar nicht ans Unterrichten, lud dann aber die ersten Menschen in ihr kleines Büro ein, um ihnen die wohltuende Wirkung von bewusstem Atem und Entspannung zu vermitteln – eine Art der Entspannung, die mit großer Aufmerksamkeit und Wachsein zu tun hat. Schmunzelnd denkt sie an ihre eigene erste Yoga-Erfahrung zurück. »Jetzt bringen wir Körper, Geist und Seele zusammen«, habe es geheißen. »Da wollte ich schon gar nicht mehr hin.«

Auch als erweiterten Sport möchte Helga Bluhm Yoga nicht missverstanden wissen, lehnt jedes Brimborium ab. »Yoga ist etwas ganz Natürliches.« Ohne eine jahrtausendealte Kultur künstlich aufzupfropfen, könnten Europäer nur ganz vorsichtig anfangen – immer im Bewusstsein, dass Atem Leben ist und für jedermann und jede Frau verfügbar.

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