31. März 2016, 18:03 Uhr

Was am Passivhaus passiv ist

Ober-Mörlen (hau). Zwei Jahre lang hatte sich Ober-Mörlens Umweltbeauftragte Anja Ute Wölm darum bemüht, jetzt ist die heiß begehrte Wanderausstellung »Passivhaus« des Hessischen Umweltministeriums da.
31. März 2016, 18:03 Uhr
Die Passivhaus-Wanderausstellung im Schloss ist heiß begehrt, nach zwei Jahren Wartezeit wurde sie jetzt von Kristina Paulenz (l.) und der kommunalen Umweltbeauftragten Anja Wölm eröffnet, der Grünen-Abgeordnete Klaus Spieler ist sichtlich angetan. (Foto: Annette Hausmanns)

»Sehr eindrucksvoll«, lobte Erste Beigeordnete Kristina Paulenz am Mittwochmorgen bei der Eröffnung im Lesesaal des Schlosses. Bis kommenden Freitag kann man sich hier über die Vorzüge des umweltfreundlichen Baustandards informieren und an interaktiven Modellen die Funktionsweise testen.

»Passiv« werden Passivhäuser nicht etwa wegen Untätigkeit genannt. Ganz im Gegenteil tut sich in ihrem Innern ganz schön viel. Unter der dichten Schale sind es nämlich hochmoderne Lüftungsanlagen nebst Wärmetauschern, die Bewohnern derartiger Häuser oder Wohnungen das behagliche Raumklima bescheren sollen. Der Löwenteil des Wärmebedarfs wird aus Sonneneinstrahlung, Abwärme von technischen Geräten und Menschen gedeckt, sogenannten »passiven« Energiequellen.

»Für wohlige Wärme im Passivhaus-Wohnzimmer sorgen bereits zehn Teelichter oder vier zusätzliche Personen«, heißt es plakativ auf einer Schautafel zur Gewinnung zusätzlicher Wärme, wenn es draußen kalt wird. Dafür, dass im Passivhaus keine Wärme verloren geht, sollen gut gedämmte Wände, Fenster und Dächer sorgen. Kleine, oft elektrische Heizvorrichtungen tun den Rest. Die Frischluftzufuhr regelt durchgängig eine Lüftungsanlage, die, wenn sie gut gemacht ist, nicht nur keine Geräusche von sich hören und keine Zugluft spüren lässt, sondern mit ihren Filtern auch Pollen und Staub abfängt.

»Natürlich darf man in einem Passivhaus auch Fenster und Türen öffnen«, erklärt Klaus Spieler von den Ober-Mörler Grünen. Das regelmäßige Lüften könne man sich aber sparen. »Das erledigt die Anlage.« Die nutze überdies die Wärme der abgeführten Raumluft, um damit die zugeführte Frischluft aufzuladen. Umgekehrt könne man mittels Wärmetauscher im Sommer mit Wärme auch kühlen. Das Ergebnis: Gleichbleibende Raumtemperaturen übers ganze Jahr, Tag und Nacht und in allen vom »Wärmemantel« umschlossenen Zimmern. »Zimmer-Schimmel war gestern«, sagen Experten.

Die vom Darmstädter Passivhaus-Institut konzipierte Wanderausstellung zeigt auf 16 Schautafeln die Grundprinzipien eines Passivhauses. Lösungen für den Neubau werden vorgestellt, aber auch solche für die Altbau-Modernisierung. Man erfährt Details zu Kosten und Fördermöglichkeiten und liest Erfahrungsberichte von Bewohnern. Modelle demonstrieren, wie Wärmerückgewinnung funktioniert, welche energetischen Unterschiede es bei Fensterverglasungen gibt und wie Wärmebrücken vermieden werden.

Selbst Vorrichtungen für den Artenschutz, zum Beispiel für Mauersegler oder Fledermäuse, ließen sich hervorragend bei der Wärmesanierung miteinbauen, ergänzte die kommunale Umweltbeauftragte Wölm. Und Paulenz erinnerte daran, dass im Wetteraukreis Schul-Neubauprojekte nur noch in Passivhausbauweise, wenn wirtschaftlich vertretbar, errichtet werden.

Die höheren Investitionskosten amortisierten sich durch niedrigere Betriebskosten. Beispiele seien der Neubau für den Gymnasialzweig an der Singbergschule in Wölfersheim und die Gymnastikhalle an der Schrenzerschule in Butzbach.

Das Passivhaus werde im Hinblick auf die EU-Gebäude-Richtlinie noch interessanter, erläuterte Wölm. Für Neubauten seien dort ab dem Jahr 2021 Niedrigstenergiegebäude-Standards vorgeschriebenen. »Man spart Geld und Ressourcen, hat ein angenehmes Wohngefühl und trägt zum Klimaschutz bei«, fasste Spieler den Nutzen von Passiv- aber auch von Niedrigenergiehäusern zusammen, insbesondere bei solchen mit einem hohen Solarenergie-Deckungsgrad. »Das ist Investition in die Zukunft.«

Die Passivhaus-Ausstellung im Lesesaal des Ober-Mörler Schlosses ist zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung zu sehen bis einschließlich Freitag, 8. April.

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