11. Dezember 2015, 17:43 Uhr

Vorbild Lang Lang

Ober-Mörlen (hau). Schon damals vor zwei Jahren, als sich Josephine Rotter mit gerade einmal neun Jahren beim renommierten Dr.-Annemarie-Schlüter-Klavierwettbewerb auf das Siegertreppchen spielte, war die Freude groß. Jetzt hat die junge Pianistin aus Ober-Mörlen erneut die internationale Konkurrenz hinter sich gelassen.
11. Dezember 2015, 17:43 Uhr
Nach Wettbewerbserfolgen hat sich die elfjährige Josephine jetzt ein Jahres-Stipendium am renommierten Dr. Hoch’s Konservatorium erspielt. (Foto: hau)

Beim Spiel der Elfjährigen gehe einem unwillkürlich das Herz auf, beschrieb die Jury im Dr. Hoch’s Konservatorium den Unterschied zu ebenso versierten Tastenkünstlern.

Auf dem Programm hatten in Frankfurt jene »Variationen über ein Thema von Paganini« gestanden, zu denen sich der Komponist Isaak Berkowitsch vom Feuer des »Teufelsgeigers« hatte inspirieren lassen. Das temperamentvolle Stück komme ihr gerade recht, schmunzelt Josephine. Sie mag es am liebsten fetzig und in Dur. »Moll ist mir meist zu traurig.« So steht denn auch Mozarts Türkischer Marsch aktuell ganz oben auf ihrer Beliebtheitsskala.

»Am liebsten höre ich ihn von Lang Lang«, schwärmt die Sechstklässlerin an der St.-Lioba-Schule. Sie selbst werde das Stück gerne in Angriff nehmen, sobald sie dafür reif sei. Ihre eigene Fingerfertigkeit übt sie gerade am ungeheuren Tempo von Rachmaninows Prélude in g-moll (Opus 23 Nr. 5). Der Wettbewerbssieg bescherte dem großen Talent erneut ein Jahres-Stipendium am Konservatorium.

Übungsstunden im Steinway-Haus

Den Unterricht bei ihrer charismatischen Lehrerin Professor Stefana Chitta-Stegemann genieße sie sehr, ist Josephine ganz Feuer und Flamme. Schwerpunkte in der Ausbildung lägen gerade auf der Interpretation, Klanggestaltung und Technik. An die Reihe kommen Stücke aus allen Epochen. »Die Klangsprache soll sich am Komponisten orientieren und an der Entstehungszeit«, erklärt die junge Pianistin.

Besonders arbeitet Josephine derzeit außerdem daran, ihr Lampenfieber vor Auftritten in den Griff zu bekommen. Auch dieses Thema geht das selbstbewusste Mädchen ganz offensiv an, übt intensiv und spielt gerne vor. »Um 100 Prozent abrufen zu können, muss ich 120 parat haben.« So gewann sie kürzlich auch den Büdinger Klavierwettbewerb und erspielte sich beim Lions Club Butzbach einen Förderpreis. »Als meine Eltern und ich in den Herbstferien Berlin erwandert haben, habe ich jeden Tag im Steinway-Haus geübt.«

In der Regel nimmt sich Josephine aber auch jede Menge Zeit für ihre Hobbys. Neben dem Singen im Schulchor und im Friedberger Projektchor ist sie im heimischen Mörlen eine fleißige Messdienerin und spielt seit kurzem auch mit großer Leidenschaft Handball in der HSG Mörlen. Ob sie da nicht Angst um ihre Finger hat? »Das passt schon«, strahlt Josephine, freut sich über ihre wachsende Fitness und die Freunde im Team.

Die Frankfurter Musikakademie Dr. Hoch’s Konservatorium ist ein staatlich anerkanntes Ausbildungsinstitut, das 1878 als Stiftung des Frankfurter Bürgers Dr. Joseph Hoch gegründet wurde. Heute vereint es die musikalische Ausbildung von der Frühförderung bis hin zum akademischen Abschluss »Bachelor of Music«. Zu den zahlreichen bedeutenden Musikerpersönlichkeiten, deren Name mit dem Dr. Hoch’s Konservatorium verbunden sind, zählen u. a. Paul Hindemith, Engelbert Humperdinck, Otto Klemperer und Clara Schumann.)



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