30. Oktober 2014, 12:18 Uhr

Markus Keils Traum vom Ballermann

Niddatal-Ilbenstadt (jwn). Sänger, Komponist, Produzent und Heizungsbauer – der Ilbenstädter Markus Keil scheint auf allen Bühnen zu Hause zu sein. Am wohlsten fühlt sich der 47-jährige Familienvater nach eigenen Angaben aber auf der Bühne.
30. Oktober 2014, 12:18 Uhr
Fühlt sich auf der Bühne am wohlsten: Sänger Markus Keil.

»Wenn der Funke dann auf das Publikum übergesprungen ist, dann bin ich so richtig in meinem Element«, gibt sich der Alleinunterhalter selbstsicher.

Deutscher Schlager in Richtung Mitsingen und im Falle, dass der Text nicht so ganz sitzt, zumindest Mitsummen, das ist Keils Richtung. Deswegen war für ihn einer seiner schönsten Auftritte auf Mallorca, auf der Ballermann-Meile. »Ja, der Jürgen Drews, der ›König von Mallorca», kennt mich sogar mit Namen und hat mich während seines Auftritts von der Bühne begrüßt«, ist Keil heute noch mächtig stolz.

Mit der Musik ist der Ilbenstädter bereits mit fünf Jahren in Berührung gekommen. Da schnappte er sich das Keyboard des Vaters und klimperte einfach drauf los. Erst planlos, dann aber doch mehr und mehr nach Melodie und Rhythmus – und alles stets nach Gehör. »Notenlesen habe ich nie gelernt und auch das Instrumentenspielen habe ich mir selbst beigebracht«, sagt Keil. Nach dem Keyboard ging es mit dem Klavier weiter. Es folgten Schlagzeug und Gitarre. Mit acht Jahren dann der erste Auftritt in der Schule, damals mit den Schlümpfen und Vader Abraham. Später sang Keil deutsche Schlager nach, bei denen aber »der Beat« vorherrschen musste. Mit 16 Jahren war er dann endlich reif für den Auftritt als Sänger mit eigener Band auf der Bühne. »Free Electric Band« nannte sich seine Gruppe damals, frei nach Albert Hammond. Mit ihr tingelte Keil über die Dörfer und sammelte Erfahrung. Es folgte mit 20 Jahren die erste Schallplatte. Die musste er allerdings noch aus eigener Tasche bezahlen. »20 000 Mark hat mich der Spaß damals gekostet«, erinnert sich der Ilbenstädter an die Anfänge im Studio.

1990 einen Hit gelandet

Für die zweite fand Keil eine Plattenfirma, die ihn unter Vertrag nahm. Auch für die dritte. Keil, inzwischen 25 Jahre alt, hatte Heizungsbauer gelernt und wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wo die Reise hingehen sollte. Ins Grübeln, ob er sich nicht voll und ganz auf das Showbusiness konzentrieren sollte, kam der Ilbenstädter, als sein Song »Hot Girl«, den er 1990 unter dem Pseudonym Marc Stanfield veröffentlicht hatte, auf Mallorca ein Hit wurde und er mit ihm in einer lokalen Fernseh-Show auftreten durfte. »Da wollte ich mehr.« Am besten so viel Erfolg, dass er gut davon leben könnte. Deshalb gründete Keil in Ilbenstadt sein eigenes Tonstudio und arbeitete am Durchbruch.

Eine Ausbildung als Ton-Ingenieur gab es nicht, also eignete sich Keil die Technik autodidaktisch an. Seine ersten Aufträge waren das Herstellen von Demo-Bändern für Kandidaten der RTL-Sendung »Deutschland sucht den Superstar« mit Dieter Bohlen. »Dabei habe ich einigen auch vor einem Auftritt vor der Jury abgeraten, weil die Stimmen einfach nur grässlich waren«, erinnerte sich Keil an oftmals schwierige Gespräche nach der Aufnahme. Nicht alle folgten seinem Rat. »Vor allem wenn Eltern mit im Spiel waren.«

In seinem Tonstudio arbeitete Markus Keil aber auch an eigenen Platten. Wie beispielsweise an seiner neusten CD »Bereit für die Hölle«. Die werde mittlerweile in einigen Ballermann-Kneipen jede Nacht »rauf und runter gespielt«, freut sich der Schlagersänger. Auch als Alleinunterhalter ist Keil mit seinen nach eigenen Angaben 1000 Titel umfassenden Repertoire (»Ich kann locker sechs bis acht Stunden am Stück Musik machen«) ein gern gesehener Gast in den Wetterauer Bürgerhäusern.

Leben kann Keil jedoch nicht davon. Deshalb muss er doch noch in seinen VW-Bus steigen und Heizungen warten, um den Lebensunterhalt für sich und seinen 14-jährigen Sohn verdienen zu können. Seinen Traum, als neuer »König von Mallorca« demnächst Jürgen Drews ablösen zu können, gibt er trotzdem nicht auf.



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