06. Dezember 2013, 12:48 Uhr

Jürgen Hagemann ist seit 30 Jahren Nikolaus

Niddatal-Assenheim (udo). Jürgen Hagemann feiert ein stolzes Jubiläum. Seit 30 Jahren ist er als Nikolaus und Weihnachtsmann aktiv. Seine markante, hohe Gestalt erleichtert den Dienst und flößt selbst den rotzfrechsten Kindern Ehrfurcht ein.
06. Dezember 2013, 12:48 Uhr
Mit dem Nussknacker ein gutes Team: Jürgen Hagemann mit Sack und Lampe.

Der frühere Eisenbahner versieht seine Aufgaben aber immer mit viel Charme und Eigensinn, versichern Kenner.

Jürgen Hagemann erinnert sich genau an seinen ersten Auftritt. Als sein Sohn sechs Jahre alt war, gab der Vater in der Sporthalle Assenheim beim »Abturnen« des Turnvereins zum ersten Mal den Nikolaus. Regelmäßig beschert er seitdem beim Bundesbahnsozialwerk. Hier erlebte er mit über 70 Kindern den bislang größten Auftritt in einem Saal.

Im Frankfurter Hauptbahnhof spielt denn auch seine liebste Anekdote. Als ein Kollege in den Ruhestand verabschiedet werden sollte, schritt Hagemann, bereits mit dem Kostüm bekleidet, am ICE-Restaurant vorbei. Der mit ihm befreundete Inhaber bat ihn sofort, unter den Gästen Schokolade zu verteilen. Keiner wusste, dass sich auch die Sopranistin Montserrat Caballé im Restaurant befand. Vom Agieren des stattlichen Weihnachtsmanns beeindruckt, begann die Diva sofort zusammen mit ihrer Tochter Montsita Weihnachtslieder zu schmettern. Das Publikum war begeistert, ein Rattenschwanz von Kindern marschierte dem Weihnachtsmann anschließend nach – und er traf bei der Verabschiedung natürlich viel zu spät ein.

Beim ersten Assenheimer Weihnachtsmarkt, an dem der ambitionierte Holzarbeiter Hagemann mitwirkte, spendete er selber den Baum. Beim zweiten Markt blieb der Baum dann bis in den August hinein frisch und hätte es womöglich noch bis zum Advent ausgehalten. Damals wurden übrigens noch Steine aus dem »Katzenkopf«-Pflaster vor der Kirche entfernt, um den Baum zu installieren. Seit der Neugestaltung des Kirchplatzes wird ein kleiner Teil des Verbundpflasters abgeräumt.

Manchmal habe auch Graf Solms Bäume gestiftet, die dann verlost wurden, erinnert sich Hagemann. Gerne besuchte der »Nikolaus« den evangelischen Kindergarten und die Volleyballer des Turnvereins. Dazu kommen zahlreiche private Bescherungen. Mit erfreulichen Erinnerungen sind die Gastspiele in der Apotheke Assenheim verknüpft, wo anschließend immer der beste »Apothekerlikör« kredenzt wurde.

Vergnügt erzählt Hagemann im Kreise anderer Weihnachtsmänner die Anekdote, wie er vor Jahren während des Assenheimer Weihnachtsmarkts beim Umziehen in der Kirche versehentlich dort eingeschlossen wurde. Es drohte eine bitterkalte Nacht, und sein Weihnachtsgebäck hatte er längst verteilt. Dergestalt dem Tod durch Verhungern oder Erfrieren ins hohle Auge blickend, fasste sich Hagemann ein Herz und setzte das Geläut der drei Glocken in Gang. Dies war seine Rettung. Aufgebracht kam nun zwar die damalige Pfarrerin angerannt und fragte, was der Unfug zu bedeuten habe. Doch als sie von der Lebensgefahr hörte, in der sich der Weihnachtsmann befunden hatte, musste auch sie klein beigeben.

Bilder und Zeitungsartikel dokumentieren Hagemanns amüsante Aktionen. Aufdringliche Erwachsene, die ihm Präsente »für die Enkelkinder« aus dem Sack stibitzen wollten, bekamen auch schon mal einen Rutenhieb auf die Finger, erzählt er. Doch die allermeisten Auftritte verliefen erfreulich. Was ihm aufgefallen ist: »Die älteren Leute kennen alle noch Gedichte.« Einige Kinder habe er bereits zum Erlernen von Gedichten erzogen. Einmal setzte ihn allerdings ein Mädchen in Erstaunen, das mit dem Vortrag eines Adventgedichts begann und über viele Strophen hin nicht mehr aufhören wollte.

Übrigens: Hagemann ist quasi universal einsetzbar. Unvergessen, wie er vor fünf Jahren bei der Kunst am Fluss an der Wettermündung mit Dreizack und Taucherflossen als »Wassermann« agierte. (Foto: udo)



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