06. Oktober 2011, 12:23 Uhr

3000 Gottesdienste mit dem Orgelspiel verschönert

Niddatal-Assenheim (sl). Nach dem Erntedank-Gottesdienst in der Vorwoche platzte der Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde auch am Sonntag aus allen Nähten: Grund hierfür war das Organistenjubiläum von Karl-Heinz Hannig.
06. Oktober 2011, 12:23 Uhr
Pfarrerin Rita Mick-Solle (l.) und Carmen Liebmann-Struck beglückwünschen Organist Karl-Heinz Hannig. (Foto: Lutz)

Nachdem die Konfirmanden, die einen Großteil des Gottesdienstes mit der Präsentation von Ergebnissen der Konfi-Freizeit mitgestaltet hatten, vorgestellt wurde, ging ein Raunen durch die Stuhlreihen des Gemeindesaals (die Kirche ist derzeit wegen der Innenrenovierung gesperrt): Pfarrerin Rita Mick-Solle sprach von rund 3000 Gottesdiensten, die Hannig im vergangenen halben Jahrhundert mit seinem Orgelspiel verschönert habe. Kurz vor seinem 17. Geburtstag war der junge Schriftsetzerlehrling dem damaligen Pfarrer Kuno Galter aufgefallen. Beim Besuch von Hannigs Großmutter zu deren 75. Geburtstag hörte er den Nachwuchspianisten spielen und »verdonnerte ihn in seiner ihm eigenen liebenswerten und bestimmenden Weise«, so Pfarrerin Mick-Solle, zu einem zehnstündigen Orgelkurs bei Kantor Jahr in Friedberg. Es folgten weitere Orgelkurse in Bad Nauheim. Danach spielte Hannig für fünf Jahre in Bönstadt. Im Alter von 24 Jahren wechselte er den Beruf und begann ein Lehrerstudium (Sport, Religion, Musik), nahm aber weiter Orgelunterricht.

Hannig habe in 50 Jahren viele Pfarrpersonen, Lektoren und Prädikanten erlebt. Fast 23 Jahre, hatte er mit Pfarrer Galter verbracht, als dieser 1984 in den Ruhestand ging. Nach Dr. Christoph Bergner (bis 1989), Andreas Schwöbel (bis 1996) und Leonore Leonberger (bis 2001) wurde Rita Mick-Solle Pfarrerin. Sie sei erstaunt gewesen über Hannigs Sammlung von Orgelstücken alter Meister: »Man kann von einem Kleinod sprechen, dass Sie sich geschaffen haben«. Hannig habe dazu beigetragen, dass sie ihre Vorlieben, Gottesdienste in all ihren vielfältigen Formen erlebbar zu machen, habe umsetzen können, sagte Mick-Solle. Mit Freuden sei Hannig seit 2002 auch bei den Open-Air-Gottesdiensten dabei. Die Pfarrerin überreichte eine Ehrenurkunde der Kirchenpräsidenten und Blumen für Hannigs Gattin. Die Urkunde des Amts für Kirchenmusik wird später in der Kirche überreicht, wenn die Orgel wieder erklingen kann. Für den Kirchenvorstand überreichte Carmen Liebmann-Struck einen Urlaubsgutschein an den Weinliebhaber: ein Wochenende für zwei Personen in einem Hotel in Bacharach.

Hannig selbst dankte für die Präsente und dem Kirchenchor unter der Leitung von Dorothea Grebe, der bereits seine anderen »Dienstjubiläen« begleitet hatte. Er gab zu, vor zehn Jahren mit dem Gedanken gespielt zu haben, seiner Organistentätigkeit ein Ende zu setzen. Doch dann sei Mick-Solle mit derart viel Schwung und Elan auf ihn zugekommen, »dass es mich glatt umgehauen hat«. Das habe ihm und der ganzen Kirchengemeinde sehr gut getan – deshalb sei er immer noch mit Elan dabei, so Hannig.

Seit die Orgel vor zwei Jahren einen größeren Blasebalg samt leistungsstärkerem Motor erhalten hatte, bereite ihm das Orgelspiel noch mehr Freude, betonte der Jubilar. Vor kurzem sei er gefragt worden, ob er nicht mal etwas anderes machen möchte, als immer nur die Orgel zu spielen. Darauf habe er geantwortet: »Ja, ich spiele jetzt ein halbes Jahr den Flügel im Gemeindesaal.«



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