Niddatal

Anwohner in Sorge vor dem Gollberg-Wasser

Niddatal-Assenheim (hed). Das mögliche Baugebiet »Auf dem Gollacker« polarisiert: Die Gegner (Anwohner und CDU) sehen eine Fehlplanung und keinen Bedarf, die Befürworter (Bürgermeister und SPD) würden sich dagegen über neue, junge Familien in Assenheim freuen.
01. September 2011, 12:15 Uhr
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Leistet Überzeugungsarbeit: Planer Holger Fischer. (Foto: hed)

Nach den Herbstferien könnte die erste Offenlage der Pläne erfolgen, reichlich Argumente pro und contra bekamen der Planer Holger Fischer und Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel bereits am Dienstagabend zu hören. Um die Öffentlichkeit frühzeitig zu beteiligen, hatte die Stadt ins Assenheimer Bürgerhaus eingeladen. Knapp 60 Bürger kamen.

Das Baugebiet, das der Bad Vilbeler Eigentümer und Investor Dr. Claus Fischer selbst vermarkten will, soll – wenn es denn von den städtischen Gremien Niddatals und Friedbergs abgesegnet wird und noch nötige Privatgrundstücke für die Erschließung gekauft sind – Platz für 300 neue Einwohner bieten. Wie Planer Fischer am Abend sagte, wolle man das Gebiet (Einfamilien- und Doppelhäuser) schrittweise erschließen – was bis zu zwölf Jahren dauern könne.

Knackpunkt für die meisten Kritiker, die am Abend mit zum Teil lauten Attacken vor allem gegen Hertel schossen, ist die Entsorgung des Regen- und Schmutzwassers: »Mein Keller steht schon jetzt dreimal im Jahr unter Wasser«, schimpfte ein Anwohner der Bruchenbrücker Straße. Viele befürchten, dass mit den neuen Häusern auch neues Wasser den Gollberg herunterkommt und den alten Kanal belastet. Wirklich entkräften konnten die Planer diese Bedenken nicht, auch wenn Fischer betonte, der Kanal könne das zusätzliche Schmutzwasser laut Berechnungen aufnehmen. Es müsse allerdings hochgepumpt werden, um es Richtung Assenheim einzuleiten. Maximal 1,6 Liter pro Sekunde würden in den Kanal fließen. »Wenn es jetzt schon Probleme gibt, ist jeder Liter einer zu viel«, protestierte ein Mann und erhielt dafür Applaus. Hertel sagte, man denke eventuell noch über ein zusätzliches Becken für das Schmutzwasser nach. Entscheidend werde aber auch die Stellungnahme der zuständigen Wasserbehörden sein. Eine weitere Lösung könne sein, dass die Bewohner der Winterstein- und Altkönigstraße getrennte Hausanschlüsse bekommen. Das aber würde weitere Kosten bedeuten. Derzeit gibt es hier noch ein Mischsystem.

Zumindest beim Regenwasser soll durch den Bau eines Rückhaltebeckens künftig nicht mehr fließen als bislang. Das Wasser werde dann sukzessive über einen Graben am Sportplatz in die Wetter geleitet. Außerdem dürften die Grundstückseigentümer ihre Flächen nur zu 50 Prozent versiegeln, sagte Fischer.

»Attraktiv für junge Familien«

Der Planer und auch Bürgermeister Hertel betonten am Abend noch einmal, dass der Gollacker derzeit und in den nächsten Jahren die einzige Möglichkeit für ein größeres Baugebiet in Assenheim ist. So sieht es der Regionale Flächennutzungsplan vor. Hertel erhielt am Abend auch Unterstützung: »Ein neues Baugebiet könnte Niddatal attraktiver machen«, sagte eine Frau. Ein anderer Besucher meinte, ein Neubaugebiet sei gut für junge Familien. »Meine Söhne würden sich dafür interessieren. Die wollen nicht nach Bönstadt oder Kaichen.« Prompt wurde eine Liste gereicht, in der die leer stehenden Wohnobjekte in Assenheim verzeichnet waren. Die Kritiker, allen voran Roman Schramm von der Initiative »Assenheim21.de« argumentieren, es gebe schon genug Leerstand, vielmehr müsse der Ortskern belebt werden. Auch seien nicht genug Kita-Plätze da.

Ein paar Neuigkeiten gab es auch: So habe die Bahn Flächen im Norden angeboten, wo eventuell eine zweite Zufahrt zum Baugebiet entstehen könnte, sagte Fischer. Auch die Planung für einen Radweg nach Bruchenbrücken werde intensiv verfolgt, Friedberg habe bereits Zustimmung signalisiert. Unklar sei weiter, ob eine Bushaltestelle im Gollacker oder doch an der Kreisstraße entsteht. Dafür müssten aber noch Privatgrundstücke angekauft werden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/niddatal/art564,62174

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