05. November 2012, 14:13 Uhr

Thomas Ranft über »sexy« Lösungen zum Klimawandel

Nidda (am). Neulich, erzählte »Wetterfrosch« Thomas Ranft, sei eine ältere Dame zeternd auf ihn zugekommen. »Ihr mir eurem Klimawandel! Was habt ihr denn dagegen – wenn es wärmer wird, muss ich weniger heizen. Ich habe schließlich nur eine kleine Rente.«
05. November 2012, 14:13 Uhr
Eloquent und kompetent: Der Wetterexperte Thomas Ranft. (Foto: am)

Eine anekdotenhafte Begebenheit, die Ranft an den Beginn seines Vortrages »Was für ein Klima« stellte, den der Wetter- und Wissenschaftsmoderator für die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Bürgerhaus Nidda vor etwa 200 Zuhörern hielt.

Ranft ist auf dem Bildschirm präsent in den Sendungen »Alle Wetter« und »Alles Wissen«. Nun sprach er zu einem Thema, das seit vielen Jahren immer wieder aufflackert wenn Wissenschaftler von einem sich vergrößernden Ozonloch berichten, wenn Bilder von Dürren, Wetterkapriolen, vom angeblichen Aussterben des Eisbären um die Welt gehen oder wie just dieser Tage vom Hurrikane »Sandy«. Meldungen und Bilder, die aber in schöner Regelmäßigkeit so schnell wieder abflauen sobald ein neues Ereignis in die Schlagzeilen drängt.

Eine Problematik, die es in sich hat, eine Problematik, bei der der Laie schnell den Überblick verliert wenn sich die Wissenschaftler ihre Argumente gegenseitig um die Ohren hauen. Da tut es gut, wenn einer wie Thomas Ranft die Bühne betritt. Eloquent, kompetent, einer der – wie es im schönsten Politdeutsch heißt – die Menschen mitnimmt, der ungeheuren Spaß daran zu haben scheint, der vor allem mit der Gabe ausgestattet ist, komplizierte Dinge vereinfacht, populärwissenschaftlich darzustellen. Klar, dass gefällt nicht jedem der die reine Lehre gerne Ex cathedra vertritt. Es sind nun aber einmal Menschen wie weiland Hoimar von Ditfurth und gegenwärtig Harald Lesch, die Menschen mit einer komplizierten Materie in den Mann ziehen, um sie überhaupt für ein komplexes Thema oder eine kritische Situation zu sensibilisieren, zum Nachdenken anzuregen.

Mit verblüffender Offenheit trat Ranft dem Publikum keineswegs als Allwissender entgegen – viel eher, pointiert ausgedrückt, als Nichtwisser. »Der Wetterbericht ist ein Blick in die Zukunft. Aber in die Zukunft kann kein Mensch blicken«, sagte er. »Aber dafür ist die Wetterprognose doch recht gut, finden Sie nicht?« Ähnlich sei das mit Hurrikane »Sandy«. Ausdruck des Klimawandels oder ein außergewöhnliches Wetterereignis? »Das kann kein seriöser Wissenschaftler sagen, ob das nun ein Indiz für die große Katastrophe oder einfach blöd gelaufen ist.«

Ein Experte eines großen Rückversicherers jedenfalls habe zu Protokoll gegeben: »Der Klimawandel ist die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte.« Klimawandel, so Thomas Ranft, habe es seit Erdengedenken gegeben, noch extremer, noch schneller als heute. »Aber erstmals trägt der Mensch schuld – wegen des hohen Ausstoßes an CO2.« Selbst wenn wir diesen Ausstoß heute stoppen würden, würde es die kommenden Jahrzehnte immer noch wärmer, weil sich Kohlendioxid ebenso langsam abbaue.

Sicher sei: Es werde trockner, nasser, heißer, kälter, extremer, anders. Die Crux: »Niemand weiß genau, in welcher Region es wie kommen wird.« Seine Prognose für Deutschland: »Im Sommer trockner und wärmer, und wenn es regnet, dann aber amtlich und verbunden mit Unwetter.«

Unausweichlich sei aufgrund von Dürren, Bodenerosion, Stürmen und Überschwemmungen ein Aussterben von Tier- und Pflanzenarten (»Manche vermuten einen Verlust des weltweiten Gen-Pools von 70 Prozent«) ebenso wie die Flucht von Menschenmassen vor den lebensbedrohenden Auswirkungen des Klimawandels. »Was, wenn sich 200 Millionen Chinesen auf den Weg machen?«, spielte Ranft auf die politische Dimension an, die mittlerweile auch Militärstrategen beschäftige. »Wir«, so sein bitteres Fazit, »ziehen uns den Boden unter den Füßen weg, wir bringen uns an den Rand und darüber hinaus.«

Jeder müsse sich vor Augen halten, dass nicht die Erde, sondern die Menschheit gefährdet sei. Was tun? »Sich der Problematik bewusst werden. Und das beginnt bei jedem Einzelnen im Kleinen.« Er erwarte nicht, dass die Menschen im Westen fortab in Strohhütten einzögen. Aber warum Erdbeeren im Winter aus Spanien, warum Karotten aus Israel, warum mal schnell am Wochenende im Billig-Flieger nach Barcelona? Es gelte, den Menschen Lösungen zu unterbreiten die »sexy« seien, die sie gut fänden, aus denen sie einen Profit zögen. »Denn eins steht fest: Vernünftig handelt der Mensch sicherlich nicht.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos