26. April 2012, 10:58 Uhr

Das erste Lehrlingsgehalt betrug 74 Mark im Monat

Wetteraukreis (prw). Am 20. April 1966 hat der 18-jährige Walter Gambach seinen ersten Arbeitstag. Er war mit dem späteren Glauburger Bürgermeister Gerd Mordier einer von zwei Lehrlingen im Landratsamt Büdingen. Knapp 46 Jahre später ging Gambach dieser Tage als dienstältester Mitarbeiter der Kreisverwaltung in den Ruhestand.
26. April 2012, 10:58 Uhr
Walter Gambach

Alles hatte etwas hektisch angefangen: Eigentlich wollte Gambach lieber eine Ausbildung im Katasteramt machen. Das aber stellte seine Azubis erst im Dezember ein. Beim Landratsamt war noch eine Stelle frei, auch wenn das Ausbildungsjahr schon drei Wochen zuvor begonnen hatte. Gambach begann seine Lehre im öffentlichen Dienst, damals ein höchst unattraktiver Arbeitgeber. »Mein erstes Lehrlingsgehalt betrug 74 Mark im Monat. Nach der Ausbildung habe ich dann 400 Mark verdient, während meine Schulkameraden, die eine handwerkliche Ausbildung machen, schon einiges mehr in der Tasche hatten.«

Der damalige Büdinger Landrat Kurt Moosdorf war ein strenger Lehrherr. »Er hat seine Azubis aber auch gefördert.« Nach der Ausbildung zum Verwaltungsangestellten absolvierte Gambach auch die für den mittleren und den gehobenen Verwaltungsdienst. Der Schwerpunkt seiner beruflichen Tätigkeit lag aber stets im sozialen Bereich. Bei Haftentlassenen, Suchtkranken und Obdachlosen erlebte Gambach viel menschliches Leid. »Es war aber auch sehr befriedigend, wenn man gesehen hat, dass man mit seiner Arbeit auch helfen konnte und jemanden wieder auf die Füße gebracht hat. « Als Ansprechpartner haben ihn auch die Kollegen aus Kommunen und anderen Kreisen hoch geschätzt.

»Der größte Unterschied zwischen dem Verwaltungshandeln 1966 und 2012 ist die Abkehr von der hierarchischen Ordnung, die in den 60ern noch vorgeherrscht hat«, erinnert sich Gambach. Mittwochs war in Büdingen Bürgermeistertag. Die Verwaltung war für die Bürger geschlossen, die ehrenamtlichen Verwaltungschefs aus den 103 Dörfern haben Post gebracht und geholt. Baugenehmigungen wurden mitgenommen und auch die Abrechnungsbögen für die Sozialhilfe. Damals wurde die Sozialhilfe noch von den Gemeinderechnern vor Ort bar ausgezahlt. Ein Drittel der Kosten mussten die Kommunen selbst bezahlen. So sei denn auch das Interesse groß gewesen, die Menschen schnell in Arbeit zu bringen, zur Not auch als Gemeindehilfsarbeiter, so Gambach. »Durch das Raster konnte bei den geringen Fallzahlen niemand fallen.«

Walter Gambach ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. Die neu gewonnene Zeit möchte er stärker in sein landwirtschaftliches Anwesen in Ober-Widdersheim investieren und sich ehrenamtlich im Bereich der Betreuung engagieren. Landrat Joachim Arnold, Sozialdezernent Helmut Betschel-Pflügel und der Personalrat dankten dem dienstältesten Kreismitarbeiter für sein jahrzehntelanges Engagement und wünschten ihm alles Gute. (Foto: prw)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Auszubildende
  • Joachim Arnold
  • Kurt Moosdorf
  • Lehrlinge
  • Sozialhilfe
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen