28. Mai 2010, 18:56 Uhr

Jochen Hieber erhält Verdienstorden

Nidda-Bad Salzhausen (ema). Eine ungewöhnliche Verleihung des Hessischen Verdienstordens am Bande erlebten die Gäste gestern Mittag im Parksaal: Ausgezeichnet wurde der Publizist und Literaturkritiker Jochen Hieber - und sein Wunsch fürs Protokoll hatte Gehör gefunden: Literarische Texte verbanden die Ansprachen.
28. Mai 2010, 18:56 Uhr
Ausgezeichnet: Jochen Hieber (links) mit Ehefrau Dr. Cordelia Borchardt und Minister Jörg-Uwe Hahn. (Foto: Maresch)

Nidda-Bad Salzhausen (ema). Eine ungewöhnliche Verleihung des Hessischen Verdienstordens am Bande erlebten die Gäste gestern Mittag im Parksaal: Ausgezeichnet wurde der Publizist und Literaturkritiker Jochen Hieber - und sein Wunsch fürs Protokoll hatte Gehör gefunden: Literarische Texte verbanden die Ansprachen. Noch vor der Begrüßung durch Niddas Bürgermeister sprach Karl Dietrich (KD) Wolff, zusammen mit Hieber im Herausgeberteam der Frankfurter Hölderlin-Faksimile-Ausgabe, das Fragment des Dichters »Der Gang aufs Land«. Zahlreiche Freunde und Weggefährten Hiebers spendeten Beifall.

Hessens stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn hob die Bedeutung des Verdienstordens als Ehrung für berufliches wie ehrenamtliches Werk hervor. Ein wenig spiegelte sich auch die Vita Hiebers in seinen Worten. Hahn erinnerte an den Abiturienten von 1970 mit dem Berufsziel Literaturkritiker, den jungen Germanisten, der noch während des Studiums bei der »Zeit« und der »Süddeutschen Zeitung«, beim NDR und beim Deutschlandfunk mitarbeitete, ehe ihn Marcel Reich-Ranicki 1983 zur FAZ holte.

Daneben saß er in Jurys, gab Bestsellerlisten für Hörbücher heraus, veröffentlichte literaturkritische Aufsätze. Nicht zu vergessen die Moderation des »Weimarer Salons« im Fernsehen und die 17 Jahre »Nidda literarisch« mit 100 Abenden vor über 25 000 Gästen.

Auch Hiebers Brückenschlag zwischen Fußball und Kultur vor der WM 2006 und seine konzeptionelle Arbeit für das künftige Deutsche Fußballmuseum wurden erwähnt, verbunden mit Grüßen von DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Zugleich wies Hahn auf Hiebers kommunalpolitisches Engagement als Ortsvorsteher in seiner Wahlheimat Stornfels in den 90er Jahren hin und verband dies mit der Werbung für gesellschaftliches Engagement.

Der Orden sei nur ein »Zwischenzeugnis«, man erwarte noch viel von Jochen Hieber, betonte Hahn mit einem Augenzwinkern, ehe er ihm unter dem Beifall der Runde das Kreuz mit dem Hessenlöwen anheftete.

Jochen Hieber habe mit der Literaturreihe viele Menschen in die Stadt geholt, »die vorher nicht einmal wussten, wo Nidda lag«, betonte Bürgermeister Seum. Er verlas auch die Grüße des »Manieren«-Autors und Hieber-Freundes Asfa Wossen Aserate.

Cordelia Borchardt las danach Ingeborg Bachmanns »Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar«, ein Bekenntnis zur Aufgabe der Literatur, auch die dunklen Seiten menschlicher Existenz darzustellen, sich einem Spannungsverhältnis zum Unerreichbaren zu stellen: »Im Widerspiel des Möglichen mit dem Unmöglichern erweitern wir unsere Möglichkeiten.«

Dieser Text sei ihm ein ethisches Richtmaß, betonte Hieber in seinen Dankesworten, in denen er seine Familie, Freunde und Weggefährten einschloss. Bewegend war das Resümee des 59-Jährigen: »Wer wie ich das Glück hatte, nach der furchtbarsten Katastrophe der deutschen Geschichte im Westen unseres geteilten Landes geboren zu werden, durfte sich ohne Repression und Gewalt auf eine Weise selbst entfalten, wie sie vorher nicht denkbar gewesen wäre.« edicht »Dauer im Wechsel«, gesprochen von der Ex-Bürgermeisterin und Bundestagsabgeordneten Lucia Puttrich, ging die Feierstunde in freundschaftliche Gespräche über.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ansprachen
  • Deutschlandfunk
  • Ingeborg Bachmann
  • Jörg-Uwe Hahn
  • Literaturkritiker
  • Lucia Puttrich
  • Marcel Reich-Ranicki
  • Norddeutscher Rundfunk
  • Publizistinnen und Publizisten
  • Theo Zwanziger
  • Wünsche
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos