12. Januar 2015, 10:43 Uhr

Als Gambach eine Kneipenmeile hatte

Gambach (akm). Der historische Rundgang der Gambacher Theatergruppe Lampenfieber führte am Wochenende zu alten Gambacher Dorfschänken. Eine große Schar Interessierter begab sich mit Heimatforscher Hagen Vetter im Ortskern auf Spurensuche. Vorsitzender Ralf Schäfer begrüßte die Besucher auf dem Bürgerplatz.
12. Januar 2015, 10:43 Uhr
Die Kneipen von früher gibt es in Gambach schon lange nicht mehr, die Teilnehmer des historischen Rundgangs greifen daher auf eine fahrbare Bar zurück. (Foto: Angela Kammer)

Rund dreißig Wirtsstuben zählte Heimatforscher Vetter auf, kurioserweise kann man von einer »Kneipenmeile« in der »Strackgass«, der heutigen Hauptstraße, sprechen. Im Laufe der letzten 400 Jahre gab es hier die meisten Wirte. Oft betrieben sie als Nebenerwerb in ihren Wohnzimmern einen kleinen Ausschank mit Branntwein, selbst gebrautem Bier und Wein. Nur das Schild »Zur Klara« weist noch auf die beliebte Eckkneipe hin, der Spruch »Habt ihr ka Betten dehom, ihr Schinneser« wurde zum geflügelten Wort. Heute ist im Oberdorf nur noch »Sprucks« Pilsstube, eine ehemalige Schmiede, in Betrieb.

Die ältesten Wirtsstuben in Gambach gab es an beiden Enden der heutigen Hauptstraße – schon im Jahr 1608. Die eine befand sich im Bereich der heutigen Gemeinschaftsgefrieranlage, die andere in der Hauptstraße 36 in einem Doppelhaus aus Ständerfachwerk. Dort fand auch die Kommission, die zur Aufklärung des Brandes von 1703 eingesetzt wurde, eine Herberge. Historische Belege zeugen von einem stattlichen Weinkonsum, Nachschub lieferten die »Wingerten« (Weingärten).

Für Beleidigungen ins Zuchthaus

1705 ist das Wirtshaus von Johann Jacob Ratz in der Hauptstraße 26 belegt, weitere Wirtshäuser befanden sich in der Hauptstraße 23 und 13. In der Nummer 11 (»Bürjermoschtersch«) wurde Kirmes gefeiert, wie eine Anzeige aus der Zeitung belegt. Auch Hausnummer 10 von Friedrich Müll (»Zum alten Fritz«) war 1884 eine Wirtsstube und die Hauptstraße 9 im Jahr 1716.

Auf der Zeitreise in Gambachs Vergangenheit erfuhren die Teilnehmer vom Vorsitzenden des Archivausschusses auch von den harten Folgen des Alkoholgenusses: Gerichtsakten aus dem 18. Jahrhundert zufolge brachten »Scheltworte« und Beleidigungen den angetrunkenen Verursacher mangels Geld ins Zuchthaus.

Für den Diebstahl eines Geldsacks musste die Schuld mit zwei Jahresgehältern sowie der Übernahme der Gerichtskosten gebüßt werden.

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