28. Mai 2012, 19:28 Uhr

Mehrköpfige Schlange versperrt den Weg zur Burg

Münzenberg (bd/hed). Bevor die vielen Wandersleut den mittelalterlichen Markt von Burg Münzenberg betreten konnten, um Krämer, Ritter, Gaukler und holde Burgfräuleins bestaunen zu können, musste ein gar furchterweckendes Ungetüm bezwungen werden: Denn eine mehrköpfige Schlange versperrte den Weg.
28. Mai 2012, 19:28 Uhr
Zahlreiche Krämer bieten ihre Waren feil. (Fotos: Dörr)

Drei Tage stand Burg Münzenberg, das »Wetterauer Tintenfass«, ganz im Zeichen des 11. Mittelaltermarkts. Viele Besucher, vor allem Eltern mit Kindern, die Interesse am Leben früher Jahrhunderte haben, aber auch andere Mittelalter-Freunde fanden den Weg hinauf auf die Burg. Diesmal war eines vor allem gefragt: Geduld. Die strengen Brandschutzauflagen sorgten für lange Wartezeiten vor dem Kassenhäuschen. Nicht mehr als 800 Personen durften sich gleichzeitig im Innern der Burg aufhalten – egal ob Akteure, Beschicker oder Zuschauer. Diese Zahl musste penibel genau eingehalten werden. Also kam man nur herein, wenn andere die Burg wieder verlassen hatten. Dieser Geduldsprobe mochte sich nicht jeder unterziehen, und so gab es den einen oder anderen, der genervt aus der Warteschlange ausscherte und sich schimpfend zurück zum Auto machte.

Wer jedoch geduldig ausharrte, konnte viel erleben: Die großen Zeltlager am Fuße der Türme verrieten dem Ankömmling: Alles war in ritterlicher Hand. Fahnen und Wimpel flatterten im Wind, zahlreiche Stände von Krämern und Hökerern waren aufgebaut, Gewandschneider standen neben Töpfern, und Schuhmachern. Aus einer Schmiedeesse loderte Feuer, ein bärtiger Schmied schwang den Hammer, hielt glühendes Eisen in der Zange, pries lautstark seine Arbeit. Korbflechter, Filzer und Löffelschnitzer zeigten ihr Können, aus Garküchen drängten würzige Düfte nach Gesottenem und Gebratenem.

Edle Recken und Ritter in voller Montur schritten umher, anmutige Frauen schlugen die Augen nieder und schürzten die Gewänder. Der Nachwuchs steckte gepanzert und behelmt in Plastik. Spielleute (manche mit mächtigen Bärten und Bäuchen) ließen ihre Musik erklingen, die schön, manchmal aber zu laut war. Zumindest verkürzte die Flötenmusik den in der Schlange vor den Toren Wartenden die Zeit. Fleißige Tavernenwirte und Mägde versorgten das ob der sommerlichen Temperaturen durstige Publikum. Heiß begehrt waren schattige Plätze unter Bäumen, aber auch kühle Ort unter Mauervorsprüngen und Zeltplanen.

Magier und Marktschreier

Herolde und Marktschreier kündigten wichtige Ereignisse an, beispielsweise die Schwert-Kämpfe: Dicke, Harnisch tragende Ritter, duellierten sich hinter einer Holzbalustrade zum Ergötzen des Publikums mit Artistik und Körpergewandheit. Frevler und Gesetzesbrecher steckte man in einen eisernen Käfig, überhäufte sie mit Spott. Vielerlei Künste wurden vorgeführt. Einen Extra-Platz hatte man Willard dem Magier eingeräumt, der mit Geschicklichkeitsspielen im Bleigärtchen auf sich aufmerksam machte. Jungen und Mädchen durften auf dem Weg zum Burghof mit Wurfwerkzeugen auf hölzerne Hindernisse ihre Treffscherheit üben. Auf dem Weg zum Münzenberger Galgen maßen sich die besten Bogenschützen des Landes. Pferde wieherten, Gaukler und Hexen zogen vorbei. In einer großen Schenke unterhalb des Hattsteiner Hofes suchte man Schatten, Konversation und ein kühles Getränk.

Das Angebot der Reise in die Vergangenheit, in die Jahre von Kuno, des Burgherren von anno dazumal, war trotz Auflagen und gestiegener Preise rege genutzt worden. Die Münzenberger Ritterschaft hatte alle Hände voll zu tun und vergoss manchen Tropfen Schweiß, um das Volk bei Laune zu halten. Mit vereinten Kräften gelang das Wagnis. Die neue Vorsitzende Claudia Debus und ihre Helferschar machten zufriedene Gesichter. Am nächsten tollen Treiben auf der Burg wird bereits gearbeitet.

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