24. Februar 2014, 17:18 Uhr

Seit kurzem ist der Buchfink zu hören

Karben (dit). Vielfältig und spannend ist die heimische Vogelwelt. Weit mehr als 100 Singvogelarten gibt es in Deutschland. 50 davon, die in der hiesigen Region leben, stellte Gerd Klinkowitz in einem faszinierenden Multimediavortrag im voll besetzten Clubraum des Bürgerzentrums vor.
24. Februar 2014, 17:18 Uhr
NABU-Vorsitzender Dr. Jürgen Becker (l.) begrüßt Gerd Klinkowitz, NABU-Chef in Eichen, der heimische Singvögel vorstellt. (Foto: dit)

»Der Frühling ist gekommen. Amseln tirilieren schon früh am Morgen. Vier Störche sind bereits wieder hier. Sie sind zwar keine Singvögel, aber ihr Klappern ist deutlich zu hören«, erklärte Vorsitzender Dr. Jürgen Becker und begrüßte die Gäste, die der Einladung der Ortsgruppe Karben des Naturschutzbundes (NABU) gefolgt waren. Klinkowitz, der NABU-Vorsitzender in Eichen ist, berichtete, dass dort bereits acht Storchenpaare durch die Wiesen stelzen. »Sie klappern etwas zu früh. Wir hoffen, dass es keinen starken Frost mehr gibt.« Seit 30 Jahren beschäftigt sich Klinkowitz intensiv mit Ornithologie. Bereits im Kindesalter interessierte er sich für Vögel. Als Jugendlicher begann er mit der Beobachtung und wandte sich dem Natur- und Vogelschutz zu. »Ich möchte, dass auch meine Enkel Storch, Specht und Eisvogel noch live sehen können. Es ist traurig, wie viele Arten wir hatten und was davon übrig ist«, begründete er sein Engagement. Der Naturschutz sei auf einem guten Weg. Die zeige sich unter anderem daran, dass Störche wieder heimisch würden. »Es war ein Riesen-Schauspiel, 105 Störche auf den Nidderwiesen zu sehen. Sogar Schwarzstörche waren dabei.«

Bedauerlich sei der Rückgang mancher Singvogelarten. »Die Amsel ist ein Vogel, den jeder kennt. Es gibt sie leider nicht mehr so häufig wie früher, durch ein Virus starben viele Amseln in den letzten Jahren.« Derzeit erhole sich die Population etwas. »Das Singen der Amseln kündigt den Morgen an«, so der Experte. Auch die am typischen Wippen ihres Schwanzes und an ihrem Kurzruf erkennbare Bachstelze sei nicht mehr so häufig anzutreffen. »Sehr selten ist der Baumpieper.« Der in der Größe mit einer Amsel vergleichbare Vogel bevorzuge Auen als Lebensraum. »Sein Gesang wird oft mit dem des Zaunkönigs verwechselt«, so Klinkowitz, der seine Fotos und Filmsequenzen mit den dazugehörigen Vogelstimmen unterlegte. So hörten die Anwesenden auch den wunderschönen Gesang des Bluthänflings. »Früher wurde er gefangen und mit Kanarien gekreuzt.« Dies treffe auch auf den Diestelfink, der den Beinamen Stieglitz trage, zu. »Wildfänge sind heute zum Glück verboten.«

Klinkowitz erläuterte, dass sich der Diestelfink hauptsächlich von Sämereien der Distel ernähre. Der Zweitname »Stieglitz« sei eventuell auf den Klang seines Gesangs zurückzuführen. »Ein wundervoller Sänger ist der Drosselrohrsänger. Leider ist er immer seltener anzutreffen.« Sehr stark gingen auch die Populationen von Feldschwirl und Fitis zurück.

Erfreuliches hingegen sei vom Eisvogel zu berichten. »Er ist ein fliegender Diamant und ein Indikator für saubere Gewässer.« Derzeit nehme der Bestand zu. Eisvögel seien auch an der Nidda heimisch. »Bis zu viermal jährlich werden bis zu sieben Jungvögel ausgebrütet und groß gezogen.« Die Brutröhren würden bis zu einem Meter tief in steil ansteigende Uferpartien und Hänge eingegraben. »Eisvögel ernähren sich gerne von Moderlieschen. Die Jungvögel müssen das Tauchen erlernen.« Auch die Population der Blaukehlchen nehme zu. Häufig anzutreffen sei die Blaumeise, die bis zu vier Mal pro Jahr sechs bis zwölf Junge groß ziehe. »Zurzeit sitzen schon einige Blaumeisen auf ihrem ersten Gelege. « Der Bestand werde stark von natürlichen Feinden wie Elstern, Raben und Greifvögeln dezimiert. »Streitigkeiten an Futterstellen gehen immer zulasten der Blaumeise«, so der Referent, der sogar schon beobachtet hat, dass eine Blaumeise an einem Futterplatz einem Rotkehlchen zum Opfer fiel.

»Seit einigen Tagen ist der Buchfink relativ deutlich zu hören«, fuhr er fort. Jeder Buchfink singe im eigenen Dialekt. »Der Anfang des Gesangs ist gleich, aber jeder Vogel kennt ein anderes Ende.« Auch der Buntspecht, der im Winter zur Futtersuche in die Gärten komme, werde zu den Singvögeln gezählt. »Die meisten Vögel singen eine Strophe. Nur die Singdrossel, die auch andere Vögel imitiert, singt mehr als drei Strophen.«

Im Zuge seines interessanten Vortrages beantwortete der Referent Fragen der Anwesenden, die beeindruckt waren vom Fachwissen und der Informationsfülle.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Amseln
  • Blaumeisen
  • Jungvögel
  • Jürgen Becker
  • Vogelwelt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen