25. November 2012, 14:13 Uhr

Kita-Gebühren sollen rund 13 Prozent steigen

Karben (pe). Wer seine Kinder in einer städtischen Kindertagesstätte betreuen lässt, muss ab kommendem Jahr mehr zahlen: Die Stadt will die Kinderbetreuungsgebühren um durchschnittlich 13 Prozent erhöhen. Bürgermeister Guido Rahn und der Leiter des Fachbereichs Soziales, Günther Roß, haben die Pläne vorgestellt.
25. November 2012, 14:13 Uhr
So sieht die neue Gebührenstruktur für die Karbener Kindertagesstätten aus: (schwarze Linie: aktuelle Gebühren, blaue Linie: neue Gebühren), hier im Vergleich mit Friedberg (grün) und Bad Vilbel (rot). (Skizze: pv)

Der Magistrat bringt das umfangreiche Gebührentableau damit in die städtischen Gremien ein, die in den kommenden Wochen darüber befinden müssen. Wann genau die Gebührenerhöhung in Kraft tritt, steht noch nicht fest. In der Sitzung waren sowohl der 1. Februar als auch der Beginn des neuen Kindergartenjahres am 1. August im Gespräch. Wie sich zeigte, wird es kaum nennenswerte Widerstände geben.

Der Bürgermeister sagte, die Gebührenerhöhungen seien unabdingbar, denn es seien sowohl die Kosten der Kinderbetreuung gestiegen als auch die Zuschüsse des Wetteraukreises gesunken. »Friedberg erhöht, Wöllstadt erhöht, Bad Vilbel erhöht«, sagte Rahn zu Beginn seiner Präsentation. Die Erhöhung der Kinderbetreuungsgebühren habe aber »nichts mit dem Schutzschirm zu tun«. Gründe seien vielmehr die Lohnsteigerung der Kindergärtnerinnen, die Einstellung von zusätzlichem Küchenpersonal und die Personalreserve, die die Stadt für Fälle von Fortbildung, Urlaub und Erkrankung geschaffen habe. Der Zuschussbedarf der Stadt sei von 2,7 Millionen Euro im Jahr 2010 auf rund 4 Millionen Euro in diesem Jahr gestiegen. Zudem habe die Stadt rund
3 Millionen Euro in die Modernisierung und Renovierung der Kitas gesteckt.

Zu all dem komme hinzu, dass der Wetteraukreis rund 83 Euro pro Platz pro Monat der Stadt weniger zahle als zuvor. Zudem müsse die Stadt dem Kreis sogar Miete zahlen, wenn er Hortkinder in dessen Räumen betreue. »Wir kümmern uns um die Schülerbetreuung und müssen dafür auch noch Miete an den Kreis zahlen, das versteht niemand«, zeigte sich Rahn verärgert über die Mietforderungen des Kreises.

85 Prozent Zuschuss

Was die Gebühren angeht, so hat sich die Stadt laut Bürgermeister »für eine soziale Staffelung« entscheiden. So zahle man einkommensschwachen Familien rund 85 Prozent Zuschuss zu den Gebühren, in den höchsten Einkommensgruppen seien es 70 Prozent. Bei der Betreuung von U3-Kindern steigen die Gebühren ab einem noch festzulegenden Zeitpunkt von 600 auf 700 Euro, bei der Kita-Betreuung von 450 auf 500 Euro und bei der Hortbetreuung von 460 auf 510 Euro, alles »vor Zuschuss«, so dass sich die tatsächlichen Gebühren für die einzelnen Familien minus der städtischen Zuschüsse errechnen.

Zudem hat die Stadt eine neue Gruppe der Besserverdienenden eingeführt: Eltern, die mehr als 8000 Euro brutto pro Monat erhalten, zahlen künftig den höchsten Satz. Hier steigen die Gebühren um 36 Prozent. Dies sei die einzige Gruppe, wo die 83 Euro, die der Kreis künftig weniger pro Kind bezahle, an die Eltern voll weitergegeben würden, bei anderen Verdienstgruppen sei dieser Betrag wesentlich geringer.

Auch die Betreuung in den Ferien soll laut Magistrat geringfügig teurer werden, sie steigt in den unteren Einkommensgruppen um einen Euro pro Stunde und Kind, in den höheren Gruppen um zwei Euro. Verändert werden die Bearbeitungsgebühren: Bisher betragen sie 50 Euro, zwei Veränderungen, sprich Ummeldungen pro Jahr seien dabei kostenfrei, so Roß. Nach der neuen Gebührenordnung sollen dann 20 Euro je Veränderung fällig werden. Wer sein Kind später als zur vereinbarten und gebuchten Zeit abhole, muss künftig 25 Euro pro Stunde zusätzlich zahlen. Dazu Roß: Wer in der
S-Bahn feststecke, brauche keine Befürchtungen zu haben. Aber es gebe Eltern, die ihre Kinder sehr häufig zu spät abholen würden, von denen werde die neue Gebühr erhoben. »Die Kindergärtnerinnen kennen ihre Leute«, wies Roß in der Sitzung hin. Neu im kommenden Jahr wird, vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien, auch sein, dass die Stadt den Tagesmüttern einen Euro pro Stunde zuzahlt. Denn Tagesmütter, die ein Kind betreuen, sind deutlich teurer als die städtischen Kindergärten. Dazu sagte Gabriele Ratazzi-Stoll vom Tagesmütterbüro, ab Januar stünden 40 Plätze bei Tagesmüttern zur Verfügung. Wenn die Stadt ihnen keinen Zuschuss zahle, müssten sie wieder aufhören, da sich einige Eltern die teureren Tagesmütter nicht leisten könnten und sie in den städtische Kitas anmelden würden. Rahn betonte, dass es rechnerisch möglich wäre, eine Gruppe in den Kindergärten einzusparen, wenn 40 Kinder in die Tagesmütter-Betreuung gegeben würden. Das würde der Stadt rund 100 000 Euro sparen, der Zuschuss für die Tagesmütter würde sich aber lediglich auf 30 000 Euro belaufen.

In der Sitzung gab es einige sachliche Nachfragen, und die SPD bat um eine Übersicht über die Zahl einkommensschwacher Familien. Fraktionschef Thomas Görlich: »Vielleicht kann man noch etwas für die unteren Einkommensgruppen tun.« Rahn zeigte sich offen für Veränderungen an den Gebühren im Detail. Vorgestellt sei jetzt ein Entwurf, der in den städtischen Gremien noch behandelt werden müsse.

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