16. August 2012, 16:23 Uhr

19-Jähriger beschäftigt sich mit Särgen und Urnen

Karben (cf). »Leichen und Leichenwagen gibt es nur im Krimi. In unserer Branche werden die Begriffe Verstorbene und Bestattungskraftwagen verwendet«, sagt Marcel Heller. Er muss es wissen, denn der gebürtige Bad Nauheimer lernt im zweiten Jahr in Groß-Karben im »Horst Eberhard Bestattungshaus« den Beruf der Bestattungsfachkraft.
16. August 2012, 16:23 Uhr
Ausbilder Rudolf Jeckel (l.) und sein Auszubildender Marcel Heller bei der Auswahl von Sargmodellen für ein Gespräch mit trauernden Angehörigen. (Foto: Fauerbach)

Seine Ausbilder sind die Inhaber Rudolf und Michael Jeckel. Seine dreijährige Ausbildung mache ihm Spaß, weil sie vielseitig und interessant ist, sagt der 19-Jährige.

Jede Bestattung sei neu, jede Trauersituation eine andere. Vor allem die Abwechslung zwischen Büro und Praxis gehöre zu den Vorteilen seines künftigen Berufes. Bestattungsfachkräfte organisieren Überführungen beispielsweise vom Krankenhaus in den Bestattungshaus-eigenen Klimaraum, in die Gerichtsmedizin oder ins Krematorium. Sie fragen die Personalien des Verstorbenen ab, legen mit den Angehörigen die Art der Bestattung (Erd-, Feuer, Wald- oder Seebestattung) fest, organisieren Beisetzung und Trauerfeier. Sie kümmern sich um alle anfallenden Formalitäten wie das Besorgen der Sterbeurkunde, die Abmeldung des Verstorbenen bei der Kranken- und Rentenkasse, den Eintrag beim Standesamt. Sie beraten und betreuen Angehörige, bereiten einen würdevollen Abschied vor.

Sein Beruf umfasse die Durchführung friedhofstechnischer, handwerklicher, behördlicher und betriebswirtschaftlicher Arbeiten. Dazu gehören Fachkenntnisse über die Entgegennahme und Bearbeitung von Bestattungsaufträgen. »Man muss wissen, was zu beachten ist bei der Information der Angehörigen über die Varianten der Bestattungsvorsorge, Angebote unterbreiten und Finanzierungsmöglichkeiten erläutern.« In seinem Ausbildungsbetrieb können Angehörige unter 16 Sargmodellen in fünf Holzarten sowie unter 500 Urnenmodellen aus unterschiedlichen Materialien und Designs ihre Wahl treffen. »Auch individuelle Motive sind möglich«, sagt Marcel Heller.

Bescheid wissen muss er auch über Sterbegewänder, Kopfkissen, Zudecken und Grabkreuze und die Symbolik von Blumen. Er gestaltet Traueranzeigen und Danksagungen, terminiert den Bestattungstermin, organisiert die Trauerfeier, trifft Absprachen mit Geistlichen oder Trauerrednern.

Wichtig sind gute Umgangsformen, Einfühlungsvermögen und die Anwendung trauerpsychologischer Maßnahmen bei Betreuung und Beratung der Angehörigen unter Berücksichtigung der jeweiligen Trauersituation.

»Für diesen Beruf braucht man viel viel Fingerspitzengefühl und soziale Kompetenz. Man muss ihn wirklich mögen«, sagt Ausbilder Rudolf Jeckel. Aber auch die Bereitschaft zum Zuhören besitzen und die Fähigkeit, emotional auf Distanz zu gehen. Erstmals mit dem Thema Tod beschäftigt hat sich der Auszubildende bei seiner Firmung. Später bewarb er sich um einen Praktikumsplatz bei seinen heutigen Ausbildern, die ihn behutsam in die Materie einführten. »Ich hatte bis dahin noch nie einen Toten gesehen.« Die erste Tote, die er in seiner Ausbildung zu sehen bekam, war eine friedlich eingeschlafene Seniorin. Inzwischen hat Marcel Heller auch Unfallopfer gesehen, gelernt wie man Verstorbene überführt, nach hygienischen (waschen, anziehen, kosmetische Behandlung) und thanatopraktischen (innere und äußere Desinfektion, optische Wiederherstellung von Unfallopfern, Einbalsamierung) Grundsätzen versorgt, aufbewahrt und aufbahrt. »Ich finde es immer wieder interessant, bei Trauergesprächen dabei zu sein. Auch den Verstorbenen einzusargen, ihn hygienisch zu versorgen, damit seine Angehörigen von ihm Abschied nehmen können.«

Das fachbezogene Wissen von der Warenkunde über Bestattungs- und Friedhofstechnik und-recht – es gibt rund 16 000 Friedhöfe in Deutschland mit unterschiedlichen Friedhofssatzungen – lernt Marcel Heller in der Berufsschule und in seinem Betrieb, der vom TÜV-Rheinland nach dem Qualitätsmanagementsystem des Bundesverbandes Deutscher Bestatter erneut für seine hohe Bestattungsdienstleistungen zertifiziert wurde. Nach bestandener Prüfung kann sich Marcel Heller als Bestattungsfachkraft zum Bestattermeister fortbilden, als Thanotopraktiker oder Kremationstechniker spezialisieren.

Seit zwölf Jahren wohnt er in Ober-Wöllstadt. In seiner Freizeit spielt er im Musikverein Trompete und Schlagzeug.

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