18. Juli 2012, 11:03 Uhr

Leps gelingt Nachzüchtung des Wachtelkönigs

Karben (pe). Eine kleine ornithologische Sensation gibt es aus Klein-Karben zu vermelden: Dem Hobbyzüchter Günther Leps ist es jetzt gelungen, die vom Aussterben bedrohten Wachtelkönige nachzuzüchten.
18. Juli 2012, 11:03 Uhr
Günther Leps füttert seine Wachtelkönige: In einen Trichter gießt er Würmer, die dann durch einen Schlauch in den Käfig rutschen. (Foto: Pegelow)

Gegenüber der Wetterauer Zeitung konnte Leps mit großer Freude vermelden, dass das von ihm in einem Käfig in seinem Garten gehaltene Paar jetzt dreifachen Nachwuchs aufziehen kann. Zudem hält der Klein-Karbener im Nebengehege noch eine weitere seltene Tierart: die Tüpfelralle.

Seit nunmehr fünf Jahren hält der 71-Jährige, der in Kürze seinen 72. Geburtstag feiern kann, geschützte Vogelarten. Zu diesem für ihn aufwendigen Hobby ist er durch seine Sammelleidenschaft gekommen. »Schon als kleiner Bub habe ich gesammelt.« So habe er eine Kiste mit 150 verschiedenen Vogeleiern, aber auch eine Insektensammlung.

Seine Sammelleidenschaft und die Absicht, die äußerst seltenen Vogelarten vor dem Aussterben zu bewahren, lässt ihn für sein Hobby selbst weite Wege fahren. Wie er berichtet, habe mit einem Züchter hinter Leipzig intensiven Kontakt, und auch ein Züchter aus Bayern habe er ihn angerufen und berichtet, er habe Wachtelkönige und Tüpfenrallen. Da er die seltenen Tiere züchten wollte, hat er im Garten hinter seinem Haus in der Büdesheimer Straße vor fünf Jahren einen großen Käfig gebaut. Doch der erste Versuch schlug fehl: Er holte ein Pärchen, das im folgenden Winter allerdings kaputt ging. »Dabei hatte ich zur Erwärmung noch eine Rotlichtlampe in den Käfig gehängt«, berichtet Leps.

Er startete dann einen zweiten Versuch: Wieder setzte er sich ins Auto und fuhr zu einem Zücher hinter Leipzig, von wo aus er eine neue Tüpfelrallen-Henne mitbrachte, der passende Hahn dazu war schon im Käfig. »Die haben sich gut verstanden, und vor drei Jahren gab es da Nachwuchs«, so Leps weiter.

Bei der Züchtung des Wachtelkönigs gab es ebenfalls anfängliche Schwierigkeiten. Von einem sächsischen Züchter hatte er sich ein Pärchen geholt. »Ich hatte das noch nicht einmal beim Regierungspräsidium angemeldet, da war der Hahn schon tot. Der lag eines Morgens tot im Käfig.« Er habe daraufhin wieder Kontakt mit dem Züchter aufgenommen, der habe ihm Ersatz geschickt.

Es gab weitere Schwierigkeiten. So stellte Leps zwar fest, dass das Wachtelkönig-Weibchen Eier legte, doch die hatten kleine Löcher. »Ich habe mich gefragt, wieso die Eier Löcher haben. Dann habe ich vor den Käfigen Mausefallen aufgestellt.« Und Leps lag richtig: Er habe nach und nach 20 Spitzmäuse gefangen, die sich den Inhalt der Eier offenbar hatten schmecken lassen.

Vor zwei Jahren wurde dann der Wachtelkönig-Hahn krank. Der Senior hatte Ratten auf seinem Grundstück festgestellt, die seinen Angaben zufolge von dem Nachbargrundstück stammen, »wo Essensreste auf den Komposthaufen gekippt werden«. Er kaufte sich Rattengift, streute das auf Brettern vor den Käfigen aus. Doch eines Morgens stellte Leps fest, dass wohl der Wachtelkönig-Hahn von dem Gift gefressen hatte und daran verendete.

Ein weiterer Hahn geriet in eine Mausefalle, der Tierarzt konnte sein Bein jedoch retten. Aber das Tier wurde krank, konnte sich kaum noch richtig bewegen und dementsprechend auch nicht kopulieren. Mit dem Nachwuchs war es ebenfalls nichts.

Vor einem Jahr habe er sich nahe Leipzig noch einmal ein Pärchen Wachtelkönige geholt, und diesmal ging alles glatt. Neun Eier legte die Henne, und seit Ende Mai – nach
18 Tagen der Bebrütung – schlüpften die Jungvögel. Am 25. Juni konnte Leps zusammen mit Reinhard Müller von der örtlichen Gruppe des Naturschutzbundes (NABU) drei Jungvögel beringen. Da der Wachtelkönig eine besonders geschützte Vogelart ist, muss er für die Behörde geschlossen beringt werden. Leps hat übrigens alles genau protokolliert und seine Zucht auch ordnungsgemäß angemeldet. Er steht mit der zuständigen Behörde, dem Regierungspräsidium Darmstadt, in ständigem Kontakt. Der Senior führt darüber hinaus genauestens Buch und dokumentiert alle Vorgänge genau.

Amtlich dokumentiert wurden auch die Vogelart und das Geschlecht. Zu diesem Zweck schickte er eine Feder an das Institut für Molekulare Diagnostik, von dem er dann eine Urkunde erhielt, auf der offiziell die Vogelart und das Geschlecht ausgewiesen sind.

Während Leps sich über die geglückte Züchtung dieses auf der Roten Liste bedrohter Tierarten stehenden Vogels freut, sehen die Nachbarn sein Hobby eher mit gemischten Gefühlen. »Der krächzende Ruf des Hahns während der Balzzeit lässt so manchen Nachbarn und die Ehefrau des Züchters um den Schlaf kommen«, hat Leps dem Redakteur aufgeschrieben. »Der ›Reibeisen-Tenor», wie seine Frau das nenne, setze gegen 23 Uhr ein und höre erst wieder um 5 Uhr in der Früh auf. Aber Abhilfe ist in Sicht: Leps hat inzwischen Doppelstegplatten gekauft, mit denen er die Käfige umbauen will.

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