12. August 2011, 18:35 Uhr

Leben zwischen Tradition und Fortschritt

Karben (cf). Die Landfrauen Petterweil feiern am Sonntag, 14. August, ihr 60-jähriges Bestehen. 60 Jahre lang haben die »Frauen vom Land«, wie sich gerne nennen, die Balance gehalten zwischen Tradition und Fortschritt.
12. August 2011, 18:35 Uhr

Sie pflegen das ländliche Kulturgut, traditionelle Werte und die Gemeinschaft, ohne dabei gesellschaftliche Anforderungen aus den Augen zu verlieren. Sie sind also Vermittlerrinnen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Drei Veranstaltungen wird es geben.

Alles begann 1951: Auf Initiative von Tilla Sinner trafen sich 15 Petterweilerinnen, um am 1. April den Verein der Petterweiler Landfrauen zu gründen. Sinner wurde sogleich 1. Vorsitzende.

Die landwirtschaftlichen Frauenvereine gründete 1898 die ostpreußische Gutsfrau Elisabeth Böhm. Sie wollte Bäuerinnen durch Weiterbildung Hilfe für die Bewältigung ihrer Arbeit geben.

1951 lebten in Petterweil rund 1000 Menschen, davon waren 30 Vollerwerbslandwirte. Heute ist nur noch eine von den Mitgliedern Bäuerin wie Vorsitzende Gisela Cost berichtet: »Sabine Hanka ist unsere einzig aktive Landwirtin.« Der Verein bot den körperlich hart in Familie und Landwirtschaft arbeitenden Frauen ein Forum für Geselligkeit, Handarbeiten, Weiterbildung, Ausflüge und mehrtägige Reisen ins In- und Ausland. Ausflüge führen sie alljährlich zum Hessentag, zur Bundesgartenschau, aber auch an die Schlösser der Loire, nach Dresden oder in die Provence. »Von Anfang an standen Weiterbildung, Seminare und Vorträge im Zentrum des Programms aller Landfrauenvereine. Daran hat sich bis heute nichs geändert.

Aktiv sind mit Margaret Heß, Elisabeth Kunkel und Irene Müller noch drei Petterweiler Gründungsmitglieder.

Projekte wie eine Gemeinschaftswaschküche oder eine große Kühlanlage erleichterten den Petterweilerinnen in den 1960er-Jahren den Alltag. Seit 25 Jahren organisieren die Landfrauen den örtlichen Ostermarkt mit selbst gebackenen Kuchen und Torten sowie einer großen Osterkrone. Auch bei Gemeinde- und Dorffesten sind sie aktiv. Die Erlöse spenden sie an Schulen, Kindergärten und für karitative Zwecke. Sie verschönern ihren Stadtteil mit Blumen- und Staudenpflanzungen.

Ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse teilen sie mit der Jugend. Sie unterstützen den Kindergarten und die Grundschule in Petterweil. Sie bauten mit Schülern und Lehrern eine Trockenmauer und Kräuterspirale im Schulhof, halfen im Kindergarten bei der Errichtung eines Weidentipis. Im Herbst ernten die Landfrauen mit Drittklässlern, die im Frühjahr gesteckten Kartoffeln auf dem Feld von Sabine Hanka und backen mit den Jungen und Mädchen Kartoffelpfannkuchen. Die Kinder revanchieren sich auf dem Ostermarkt mit Gesang, Tanz und Bastelarbeiten.

Mit ihren Aktivitäten bereichern die Landfrauen seit 60 Jahren das kulturelle Leben in Petterweil und Karben. Sie sind eine feste Größe im Vereinsleben der Stadt. Für ihre ehrenamtliches Engagement wurden sie 2005 mit dem Kulturehrenpreis der Stadt ausgezeichnet. Früher fanden die Treffen im Keller von Tilla Sinner statt. Heute ist das Bürgerhaus Petterweil jeweils einmal im Monat Treffpunkt für den Stammtisch. Sinner leitete den von ihr gegründeten Verein 43 Jahre lang von 1951 bis 1994. Ihre Nachfolgerin Gisela Schaub stand sieben Jahre lang von 1994 bis 2001 an der Vereinsspitze. Die amtierende Vorsitzende Gisela Cost leitet seit zehn Jahren die Vereinsgeschicke. »Frauen jeden Alters sind bei uns herzlich willkommen«, sagt Cost.

Dem Bezirksverband der Landfrauen in Friedberg gehören heute 24 Ortsvereine mit rund 2400 Mitgliedern an. Hessenweit sind 53000 Landfrauen in 830 Orts- und 40 Bezirksvereinen organisiert.



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