18. November 2010, 20:40 Uhr

Die Rendeler Esche ist Vergangenheit

Karben (pe). Die fast 70 Jahre alte Rendeler Esche ist am Donnerstag gefällt worden. Ein Frankfurter Gartenbauunternehmen hat den Baum im Gronauer Weg am Ortseingang des Stadtteils Stück für Stück entfernt. Nächste Woche soll der Baumstumpf aus dem Gehweg gefräst werden. Im Frühjahr dieses Jahres hat der Magistrat nach elfjähriger Diskussion in den verschiedenen Gremien die Fällung beschlossen. Weil der Beschluss nach dem 31. März gefasst wurde, hatte der über zehn Meter hohe, gesunde Baum noch eine Gnadenfrist: Die war nun abgelaufen.
18. November 2010, 20:40 Uhr

Anwohnerinnen und Anwohner hatten immer wieder die Entfernung des Baumes gefordert. Unmittelbar betroffen war Dieter Eitel, der seit 1999 in dieser Angelegenheit mit der Stadt korrespondiert hat. Er zeigte sich gestern gegenüber der WZ erleichtert. Noch im vergangenen Jahr habe er alte Wurzeln des Baumes aus dem Kanal entfernen lassen müssen. Eine Wurzel sei sogar bis in die Waschküche gewachsen. Es gebe auch Risse im Mauerwerk seines Hauses oberhalb des Sockels. Das eiserne Hoftor habe er »drei oder vier Mal« reparieren lassen müssen, so Eitel weiter.

Der Anwohner vom Gronauer Weg 21 hatte dem damaligen Ersten Stadtrat Dr. Gerd Rippen (Grüne) und der Stadtverwaltung im November 2008 noch einmal alle Schäden an seinem Grundstück und der Straße aufgelistet. Neben den auch gestern genannten sind dies beispielsweise auch die Schäden am Dach: Immer wieder seien die Ziegel mit Moos und Flechten befallen, die Dachrinnen seien verstopft, zudem sei die Gehwegasphaltierung schon wieder 15 Zentimeter durch das Wurzelwerk angehoben und schon über zwei Meter zu seiner Hofeinfahrt aufgerissen. Auch der Gehweg zu seiner Nachbarin weise diese Schäden auf.

Eine Nachbarin sagte zur WZ, sie habe damals gesehen, wie der Baum gepflanzt wurde. Inzwischen sei er aber so mächtig, dass er unter der Straße hindurch bis auf die gegenüberliegende Seite gewuchert sei.

Eitel sagte zur WZ, er züchte Tauben und habe in seinem Garten einen Teich angelegt. »Ich bin nun wahrlich ein naturverbundener Mensch, aber der Baum stand am falschen Platz.« Der Rendeler hat noch am Donnerstagnachmittag eine Überweisung bei seiner Bank an die Stadtkasse eingereicht: 500 Euro spendet er für Neuanpflanzungen in Rendel. Das hatte er bereits vor zwei Jahren für den Fall versprochen, dass die Esche gefällt würde.

Auch die Untere Naturschutzbehörde beim Wetteraukreis hatte sich mehrfach mit dem Baum befasst, ihn aber nicht als Naturdenkmal einstufen wollen. Wäre dies geschehen, hätte er nicht entfernt werden dürfen. Anwohner Eitel sagte zudem, in dem Baum würden keine Vögel brüten.

Die Fällarbeiten hat gestern der stellvertretende Bürgermeister Gerd Hermanns (FW) vor Ort überwacht und mit der Kamera dokumentiert. Der Stadtrat verteidigte die Entfernung des Baumes. Alle Anwohner hätten gesagt, der Baum stehe im Weg. Der Wurzelbereich sei so gewaltig wie die Krone. »Soweit, wie die Krone reicht, reicht unterirdisch auch das Wurzelwerk.« Der Magistrat habe noch zu Rippens Zeiten einen entsprechenden Fällbeschluss gefasst, der aber erst jetzt zur Ausführung komme. Der früheste Fäll-Zeitpunkt sei nämlich Oktober gewesen.

Hermanns erwähnte die Spende des Anwohners an die Stadtkasse: Die Finanzabteilung der Stadt wisse Bescheid. Eitel sagte, er habe auf seinem Scheck eine bestimmte Bezeichnung stehen, damit das Geld auch dem entsprechenden Fachbereich zukomme. Er werde auf jeden Fall schauen, dass seine Spende auch für neue Bäume verwendet werde.

Der Stadtrat betonte, welche Bäume gekauft würden und wo sie letztlich gepflanzt werden sollten, solle der Ortsbeirat entscheiden.



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