16. September 2009, 18:32 Uhr

Wenn die Seele aus dem Gleichgewicht gerät

Karben (koe). Selbstverletzungen, Drogenprobleme oder psychische Erkrankungen - damit haben mehr und mehr Kinder und Jugendliche an der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) zu kämpfen. Seit Jahren kümmern sich Anette Kehrbaum und Bettina Kreutz von der Schulsozialarbeit um solche Fälle. »Im Prozess des Erwachsenwerdens geraten etliche junge Menschen in eine psychische Krise«, wie Kehrbaum beobachtet hat. Nicht immer sei es für die Betroffenen leicht, über ihre Probleme zu sprechen. Ein deutschlandweites Filmfestival an der KSS soll dem entgegenwirken.
16. September 2009, 18:32 Uhr
Stadt und Schule engagieren sich gemeinsam für das Filmfestival (v. l.): Stadtrat und Sozialdezernent Jochen Schmitt, Anette Kehrbaum und Bettina Kreutz von der Schulsozialarbeit, Heidi Gritschke, Projektleiterin »Soziales Lernen«, Ehrenbürgermeister Detlev Engel und Schulleiter Franz Wild. (Foto: Köhnkow)

Einzigartig ist, dass das Festival an einer Schule veranstaltet wird. Das gab es bundesweit bisher noch nie. Unter dem Motto: »Ausnahmezustand - Verrückt nach Leben« werden im Kino »Cinepark« mehrere Filme gezeigt, die sich Menschen in psychischen Krisen oder schwierigen Situationen widmen. Aus einem vorgegebenen Angebot hat die Schulsozialarbeit zusammen mit Heidi Gritschke, Projektleiterin »Soziales Lernen/Mediation« sowie Vorsitzende der Arbeitsgruppe Prävention an der KSS, eine Auswahl getroffen. »Es sind Filme, die zu unserer Schule und der Stadt passen könnten«, sagte Kreutz.

Von Montag, 28. September, bis Freitag, 2. Oktober, werden diese schulintern als auch als öffentliche Veranstaltung gezeigt. Zusätzlich gibt es ein Rahmenprogramm: Sozialarbeiter, Ärzte, Pfarrer, Pädagogen und viele mehr werden nach jeder Filmvorführung mit den Anwesenden ins Gespräch kommen. »Es sind Menschen, die vor Ort tätig sind und sich mit der Materie auskennen«, sagte Gritschke. Das Organisationsteam hat folgende Auswahl getroffen:

Der Film »Übergeschnappt« zeigt die komplizierte Situation von Kindern psychisch kranker Eltern.

Der Dokumentarfilm »Lebenszeichen« geht der Frage nach, was junge Frauen dazu bringt, sich selbst zu verletzen. »Der zweite Bruder« ist ein Kurzfilm und befasst sich mit der Sprach- und Hilflosigkeit von Betroffenen, die einen Suizid in der Familie erlebt haben.

Über den schwierigen Alltag eines jungen deutschen Soldaten nach einem Einsatz in Afghanistan handelt der Film »Nacht vor Augen«. Den Weg eines ehemaligen Kindersoldaten aus dem Sudan zeichnet der Film »War Child« nach. Der Junge ist seinem Trauma durch Musik entkommen und zu einem bekannten Rapper geworden. »Das Festival ist ein Anlass, um miteinander ins Gespräch zu kommen«, fügte Kehrbaum hinzu. Kino und Film seien außerdem ein ideales Medium, um Jugendliche zu erreichen. Dass das in Karben bisher gut funktioniere, zeige die positive Kriminalstatistik, wie Sozialdezernent Jochen Schmidt betonte. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Kommune sei einzigartig, bemerkte Ehrenbürgermeister Detlev Engel, der auch Vorsitzender des Fördervereins für die KSS ist. Gleichzeitig werde die Präventionsarbeit an der Schule großgeschrieben.

Alle Filme seien mehr als nur die Erzählung der Handlung: »Einige zeigen, dass es Auswege gibt und dass man die Probleme hinter sich lassen kann. Andere machen klar, dass die Gesellschaft hinschauen muss, damit Menschen mit Problemen nicht untergehen«, fasste Kehrbaum zusammen.

Einige Filme werden für die Öffentlichkeit gezeigt. Veranstaltungsort ist das Kino »Cinepark«. Nach jedem Film diskutieren unterschiedliche Fachleute mit den Anwesenden und stehen für Fragen zur Verfügung. Folgende Filme werden gezeigt:

Montag, 28. September, 17.30 Uhr: »Übergeschnappt« (FSK 6)

Dienstag, 29. September, 17.30 Uhr: »Lebenszeichen« (FSK 12)

Mittwoch, 30. September, 17.30 Uhr: »Der zweite Bruder« (FSK 12)

Mittwoch, 30. September, 20 Uhr: »Nacht vor Augen« (FSK 12)

Donnerstag, 1. Oktober, 17.30 Uhr: »War Child« (FSK 12)

Informationen über das bundesweite Filmfestival gibt es im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.ausnahmezustand-filmfestival.de" text="www.ausnahmezustand-filmfestival.de" class="more"%>.



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