07. Juni 2009, 18:28 Uhr

Gelungener Auftritt von Herbert Knebel im Bürgerzentrum

Karben. In wenigen Sekunden ist Herbert Knebel von null auf hundert. Langes Warmreden und das Taxieren des Publikums ist nicht sein Ding. Nein: Raus auf die Bühne und schon legt der Gast aus dem tiefsten Kohlenpott mit markanter Hornbrille und dem Aussehen eines biederen Rentners los. Anekdötchen reiht sich an Anekdötchen, ohne Punkt und Komma plaudert Knebel von den kleinen Herausforderungen, die der Alltag so bereithält.
07. Juni 2009, 18:28 Uhr
Immer Volldampf von Anfang bis Ende: Herbert Knebel, Comedian aus dem tiefsten Ruhrgebiet, im Bürgerzentrum. (Foto: Stavenow)

Karben. In wenigen Sekunden ist Herbert Knebel von null auf hundert. Langes Warmreden und das Taxieren des Publikums ist nicht sein Ding. Nein: Raus auf die Bühne und schon legt der Gast aus dem tiefsten Kohlenpott mit markanter Hornbrille und dem Aussehen eines biederen Rentners los. Anekdötchen reiht sich an Anekdötchen, ohne Punkt und Komma plaudert Knebel von den kleinen Herausforderungen, die der Alltag so bereithält.

Sein Witz kommt beim Publikum, das am Freitagabend zahlreich ins Bürgerzentrum gekommen ist, bestens an. Manche lachen leise in sich hinein, andere lauthals und ansteckend, wenn Knebel wieder einmal zum Fazit kommt »Ich glaub, mich holnse ab«. Dabei kommt der Comedian ganz ohne Schläge unter die Gürtellinie und das Bloßstellen einzelner Zuschauer aus. Es reicht völlig, wenn Knebel erzählt, wie ihm der Ruhrpott-Schnabel gewachsen ist.

Zum Beispiel von Schwägerin Ilona, deren Besuch zur reinen Nervenprobe wird. An Schreckhaftigkeit kaum zu überbieten, fürchtet sie sich nämlich nicht nur vor Spinnen, Mäusen und Terroristen, sondern übersteht auch einen »Harry-Pötter«-Film nicht ohne spitze Aufschreie. Klar, dass Knebel da mit dem Brotmesser bereitsteht, um einen kleinen »Psycho-Test« durchzuführen.

Bekanntschaft machen die Karbener selbstverständlich auch mit Ehefrau Gustl, bei der aufgrund der Leibesfülle nicht nur das Kettenkarussell Schlagseite bekommt, sondern auch der Ehemann Atemnot, wenn ein seit den Flitterwochen längst verschüttetes Verlangen plötzlich wieder aufkommt. Keine Frage: Die magische Kohlsuppendiät muss her. Ein ernstes Thema bei den Knebels, ein absoluter Lacher für das Publikum. »Ja, wir haben abgenommen«, resümiert der Comedian, »waren aber aufgebläht wie ein Schlauchboot. Wahrscheinlich sind wir ein wenig über der Waage geschwebt.« Und da ist sich Knebel sicher: Es bestand höchste Explosionsgefahr.

Als äußerst amüsant und kurzweilig - wie übrigens der gesamte Abend - erwies sich auch der Bericht vom Spieleabend zur Fernseh-Prime-Time mit den Nachbarn »und dem Herbert sein Frau«. Schade nur, dass sie ein Rollenspiel mitgebracht hatten, das gerade zum »kompliziertesten Spiel des Jahres« gewählt worden war. Aber egal: Herbert lässt sich von nichts abschrecken. Schon gar nicht von 32 Spielfiguren, 230 Ereigniskarten und einem Handbuch, das einfach zu schwer zum Mitbringen war. Zugegeben: Ganz so gut hat es dann mit dem neuen Spiel doch nicht geklappt. »Aber bei ›Mensch ärger mich nicht‹ mit Killerpuppe hatten wir einen Mordsspaß und haben gespielt, bis das Brett glühte.«

Eine kleine Verschnaufpause für Knebel und die Lachmuskeln des Publikums gleichermaßen garantierte Otzi Ostermann, der der Schrulligkeit seines Partners in nichts nachstand. Mit Gitarre in der Hand schlurfte »Otzi, die Pflaume« (O-Ton Knebel) in weißen Socken und Sandalen auf die Bühne, um »die Drecksarbeit vor Ort« zu machen, nachdem die »Zillertaler Schürzenträger« doch glatt abgesagt hatten. Aber Spaß beiseite: Ob jazzig oder romantisch - für den »eiskalten Mann« am Instrument gab es reichlich Applaus. Gemeinsam liefen die beiden Männer zur Hochform auf. Zur Melodie von »Always on my Mind« beichtete Knebel seinen Seitensprung und schmachtete, untermalt von großen Gesten, ins Mikro »Am Ende tat’s mir leid«. So richtig glauben konnte es ihm wohl keiner.

Ja, und dann plauderte Knebel munter weiter: von armen St.-Martins und frechen Blagen, von Ottmars Kontaktanzeige, von Viervaldis »Allen Jahreszeiten« und Sandara aus der Siedlung, die lieber in der Fußpflege hätte unterkommen sollen als sich bei Dieter Bohlen zu bewerben. »Fußpflege ist was Bodenständiges, denn Füße gibt es immer.« Außerdem war da noch Goldi der Goldhamster vom kleinen dicken Dieter, der für einige Tage Quartier bei Knebel bezogen und den durch nächtliches »Radeln« wachgehalten hatte. Knebels Rache: den Hamster tagsüber müde machen. Das Tier aber schaltete den Turbo ein und sauste hinter die Schrankwand. Erst mit Einsatz des Staubsaugers - Stufe zehn - war Goldi wieder aus seinem Versteck zu bekommen.

Zum Abschied gab’s fürs Publikum eine »zärtliche Melodei zum Öffnen der Seele«, einen Handkuss, die knebel’sche »La Ola« und gleich zwei Zugaben. Ein gelungener Abschluss für einen sehr gelungenen Abend. Janine Stavenow



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