08. Februar 2009, 18:50 Uhr

Koalition setzt Fällung der Rendeler Esche durch

Karben (pe). Am Freitagabend um 23.15 Uhr war das Schicksal der Rendeler Esche besiegelt: Nach monatelangem politischem Streit beauftragte die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von CDU, FWG und FDP den Magistrat, die 60 Jahre alte Esche im Gronauer Weg am Ortseingang von Gronau kommend fällen zu lassen. Mitarbeiter des städtischen Bauhofes sollen die Fällung bis zum Monatsende vornehmen, also noch vor Beginn der Brutzeit am 1. März. Der Abstimmung war erneut eine lebhafte Debatte vorausgegangen, die indes keine neuen Argumente brachte. Nach dem Votum verließ rund die Hälfte der noch verbliebenen 14 Zuhörer die Sitzung. Am gestrigen Sonntagmorgen hing schon ein Protestplakat an dem Baum, mit dem sich die zwölfjährige Ina gegen die Fällung des Baumes ausspricht.
08. Februar 2009, 18:50 Uhr

Karben (pe). Am Freitagabend um 23.15 Uhr war das Schicksal der Rendeler Esche besiegelt: Nach monatelangem politischem Streit beauftragte die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von CDU, FWG und FDP den Magistrat, die 60 Jahre alte Esche im Gronauer Weg am Ortseingang von Gronau kommend fällen zu lassen. Mitarbeiter des städtischen Bauhofes sollen die Fällung bis zum Monatsende vornehmen, also noch vor Beginn der Brutzeit am 1. März. Der Abstimmung war erneut eine lebhafte Debatte vorausgegangen, die indes keine neuen Argumente brachte. Nach dem Votum verließ rund die Hälfte der noch verbliebenen 14 Zuhörer die Sitzung. Am gestrigen Sonntagmorgen hing schon ein Protestplakat an dem Baum, mit dem sich die zwölfjährige Ina gegen die Fällung des Baumes ausspricht.

Wie es in dem Antrag heißt, sei die von dem unmittelbaren Grundstücksanlieger in Aussicht gestellte finanzielle Beteiligung zur Anschaffung von Ersatzpflanzungen von Jungbäumen kurzfristig abzuklären. Hierüber sei dem Ausschuss für Stadtplanung und Infrastruktur zeitnah zu berichten.

Seit Jahren beschäftigt die Esche in der Gronauer Straße nun schon die städtischen Gremien. Wie bekannt, verursacht der Baum erhebliche -immer wiederkehrende - Aufwendungen durch seine Wurzelschäden an Erschließungsleitungen sowie verstopfte Dachrinnen und Schäden an dem Mauerwerk der nahen Liegenschaften.

Vor diesem Hintergrund hatte der Ortsbeirat Rendel mehrheitlich die Empfehlung zur Fällung des Baumes ausgesprochen. In seiner Sitzung am 24. November 2008 hatte der Magistrat ebenfalls mehrheitlich für die Fällung votiert. Diesem Magistratsbeschluss wurde von Bürgermeister Roland Schulz am 8. Dezember widersprochen Gemäß seiner Auffassung hätte der Beschluss den Vorgaben des Rahmenplans Rendel widersprochen. Der Rahmenplan datiert vom Herbst 2002 und wurde von der Stadtverordnetenversammlung am 24. April 2003 einstimmig beschlossen.

Wie es in dem Antrag heißt, erachten die Antragssteller den Widerspruch des Bürgermeisters als falsch, da die betroffene Esche eindeutig außerhalb der Fläche des beschlossenen Rahmenplans stehe. Vor diesem Hintergrund sei auch der Einspruch des Bürgermeisters gegen das Mehrheitsvotum des Gesamtmagistrats »rechtswidrig und nichtig«, heißt es in der Begründung. Um lang andauernden juristischen Prüfungen vorzubeugen, beauftragt die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat mit der sofortigen Fällung des Baumes.

Nach Meinung des FWG-Abgeordneten Bodo Macho wäre der monatelange Streit um diesen Baum »eine Sache für das königlich-bayerische Amtsgericht«. Die Esche stehe im Weg und sei gefährlich für die Fußgänger. Bürgermeister Schulz (SPD) entgegnete, dass der Streit um die Esche zu einer Posse geworden sei, »ist ein Verdienst der Koalition«. Der unmittelbare Anlieger versuche schon seit Jahren, diesen Baum loszuwerden. Bereits sein Amtsvorgänger Detlev Engel habe sich damit befasst. Es handele sich um einen alten Baum, »der den Stadtteil prägt«. Er freue sich, dass man in der Stadt solche Bäume habe. Schulz räumte gleichwohl ein, dass es durch das Wurzelwerk der Esche zu Beschädigungen komme. »Aber für diesen 60 Jahre alten Baum gibt es keinen Ersatz.« In dem Rahmenplan sei der Baum als schützenswert erwähnt. Zudem liege ein eindeutiger Parlamentsbeschluss zur Dorferneuerung vor, wo der Baum im Textteil ebenfalls als schützenswert erwähnt sei.

FWG-Fraktionschef Michael Ottens befasste sich ausführlich mit dem Plan, erläuterte dessen Bestandteile und sagte dann, dass in den mehrfarbigen Plänen die Geltungsgrenzen eingezeichnet seien, »und der Baum ist definitiv außerhalb«. Zudem stünden die Häuser länger als der Baum. Den Gehweg könnten Fußgänger schon längst nicht mehr nutzen, sie müssten auf die Straße ausweichen. Der hauptamtliche Magistrat habe mit seinem Widerspruch eine Rechtsverbiegung begangen. Ottens erwähnte zudem, dass auch SPD-Vertreter sowohl im Magistrat als auch im Ortsbeirat für die Fällung gestimmt hätten. »Im Sinne der Gefahrenabwehr muss der Baum weg«, sagte der FWG-Fraktionsvorsitzende unter dem Beifall der Koalitionsmitglieder.

Erster Stadtrat Dr. Gerd Rippen (Grüne) erinnerte daran, dass solche Rahmenpläne im Sinne des Baugesetzbuches zu berücksichtigen seien. Im Bestand seien Bäume eingezeichnet, die zu erhalten seien, und dazu gehöre diese Esche.

SPD-Stadtverordnete Hannelore Bruhn gab zu, dass das Wurzelwerk und das Laub zur Belastung für den unmittelbaren Anlieger geworden seien. Es gehe der Koalition aber nur um Politik, nämlich darum, den hauptamtlichen Magistrat zu beschädigen. Zudem sei nicht geklärt, welche Kosten das alles verursache. Hier werde immerhin ein Wert von 20 000 Euro vernichtet. Hinzu kämen die Kosten für die Beseitigung der Gehwegschäden.

Die Abstimmung ergab dann 18 Koalitionsvertreter dafür, 14 Vertreter von SPD und Grünen dagegen und eine Enthaltung bei den Grünen.

Schon am Wochenende nach dem Fällbeschluss regte sich Protest. Auf einem Plakat heißt es: »Ihr wollte Euer Dorf verschönern und fangt an, die Bäume abzusägen. Da lachen ja die Hühner.«



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