05. Februar 2009, 20:12 Uhr

Die Tage der Rendeler Esche sind gezählt

Karben (pe). Die Tage der Esche am Rendeler Ortseingang von Gronau kommend sind gezählt. Die Vertreter der drei Koalitionsparteien setzten in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur gegen die Stimmen von SPD und Bündnisgrünen ihren Antrag durch, der eine Fällung der Esche vorsieht. Der Magistrat wird aufgefordert, den Baum fällen zu lassen. Damit dürfte ein monatelanges Hin und Her und politisches Gezänk seinem Ende entgegen gehen.
05. Februar 2009, 20:12 Uhr
Die Rendeler Esche hat einen solchen Umfang erreicht, dass Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Den Baum will die Koalition jetzt fällen lassen. (Foto: Pegelow)

Karben (pe). Die Tage der Esche am Rendeler Ortseingang von Gronau kommend sind gezählt. Die Vertreter der drei Koalitionsparteien setzten in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur gegen die Stimmen von SPD und Bündnisgrünen ihren Antrag durch, der eine Fällung der Esche vorsieht. Der Magistrat wird aufgefordert, den Baum fällen zu lassen. Damit dürfte ein monatelanges Hin und Her und politisches Gezänk seinem Ende entgegen gehen.

In den vergangenen Monaten hatte es im Magistrat zunächst eine Mehrheit dafür gegeben, den nicht unter Naturschutz stehenden und auch vom Kreis nicht als Naturdenkmal anerkannten Baum zu fällen. Dem hatte Bürgermeister Roland Schulz jedoch widersprochen. Mehrmals hatte es im zuständigen Ortsbeirat darüber Debatten gegeben, wobei sich dieses Gremium ebenfalls für die Fällung ausgesprochen hatte.

In der jüngsten Sitzung hatte sich Zweiter Stadtrat Jochen Schmitt namens des Magistrats noch auf den so genannten Rahmenplan bezogen, in dem der Baum als schutzwürdig stehen soll. Die Vertreter der Koalition meinten nun, dass der Baum außerhalb des Geltungsbereiches des Rahmenplans stehe. Für die Koalition sagte Bodo Macho (FWG) in der Ausschusssitzung, es müsse endlich den Sorgen der Anlieger Rechnung getragen werden.

Einer der Anlieger ist Dieter Eitel, der gestern gegenüber der WZ noch einmal erklärte, dass der Baum nicht nur den Gehweg nach oben drücke, sondern auch auf seinem Grundstück schon Schäden verursacht habe. Sein Hausdach sei vermoost, zudem hätten die Leitungen schon saniert werden müssen. »Was passiert, wenn die Baumwurzeln eine Gasleitung zum Platzen bringen?«, zeigte sich Eitel besorgt. Der direkte Anwohner der Esche kündigte gegenüber der WZ an, er wolle 500 bis 600 Euro für die Anpflanzung neuer Bäume spenden, wenn diese Esche endlich gefällt werde. Er wiederholte, er habe nichts gegen Bäume, er bewirtschafte auf seinem Grundstück selbst einen Garten. Nur halte er diesen Baum mittlerweile für gefährlich, er richte zu viele Schäden an.

Die Vertreter der Koalition nutzten in der Ausschusssitzung die Argumente der SPD für sich: Die Sozialdemokraten hatten zuvor beantragt, die Stadt möge eine Prioritätenliste erstellen, in der Wege verzeichnet seien, die für mobilitätseingeschränkte Personen nur schwer zu nutzen seien. Macho betonte, neben der Esche komme kein Rollstuhlfahrer durch, geschweige denn eine Mutter mit Kinderwagen. (Anm. d. Red.: Der Baum steht mitten auf dem Gehweg, die Stadt hatte dort vor Jahren auf der Fahrbahn eine kleine Schutzplanke angebracht, damit Fußgänger vorbeilaufen können). Macho erwähnte auch, dass ältere Menschen mit Rollator diese Stelle ebenfalls nicht passieren könnten. »Das ist ein echter Gefahrenpunkt, der muss weg.«

Namens des Magistrats empfahl Erster Stadtrat Dr. Gerd Rippen (Grüne) die Ablehnung des Antrages. Da meldete sich Stadtrat Gerd Hermanns zu Wort, der nach eigenen Angaben am Wochenende ein Seminar des Hessischen Städte- und Gemeindebundes besucht hatte. Dabei habe er sich kundig gemacht, welche Rechtskraft ein solcher Rahmenplan denn habe, auf den sich der hauptamtliche Magistrat ständig beziehe. Die Referentin, mit der er dort gesprochen habe, habe gemeint, ein Rahmenplan sei lediglich eine »Willensbekundung der Gemeinde, die nicht rechtswirksam ist«. Einzelne Punkte könnten die Gemeindevertreter ändern. Dem stimmte Rippen zu. »Die Stadtverordnetenversammlung hat das Recht, einzelne Punkte aus dem Rahmenplan herauszunehmen und etwas anderes zu beschließen«. Wie Ausschussvorsitzender Guido Rahn sagte, sei damit keine rechtliche Frage mehr offen. So dürfte denn die Abstimmung heute Abend im Stadtparlament reine Formsache sein. Die Koalition wird beschließen, dass die Stadt die Esche fällen lassen muss. Während dem Grünen-Stadtverordneten Mario Schäfer bereits im Ausschuss das »Herz blutete, dass ein so wunderschöner, ortsbildprägender Baum« verschwinden solle, sah Rahn darin keinen Verlust: »Für die Spenden des Anwohners können wir drei oder vier neue Bäume pflanzen.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos