05. Oktober 2008, 19:22 Uhr

Leben, arbeiten und feiern wie vor 50 Jahren

Karben (dit). An den Bäumen leuchteten Idared, Melrose und Jonagold im Sonnenlicht. Die Zufahrt wurde von historischen Traktoren gesäumt. In der Halle waren Strohschneider, Melkmaschine, Kartoffelschaufeln und -karste ausgestellt. Drehorgelklänge ertönten. An Spinnrad und Webstuhl wurde alte Handwerkskunst gezeigt.
05. Oktober 2008, 19:22 Uhr
Hans Speidel zeigt, wie Obst gepresst wird.

Karben (dit). An den Bäumen leuchteten Idared, Melrose und Jonagold im Sonnenlicht. Die Zufahrt wurde von historischen Traktoren gesäumt. In der Halle waren Strohschneider, Melkmaschine, Kartoffelschaufeln und -karste ausgestellt. Drehorgelklänge ertönten. An Spinnrad und Webstuhl wurde alte Handwerkskunst gezeigt. Aus einer Handpresse strömte frischer Süßer. Es gab Kartoffelgemüse mit Frikadellen, Schlachtplatte mit Sauerkraut, Apfelstrudel mit Vanilleeis, Apfelringe im Teigmantel, Kaffee, Kuchen und Erfrischungsgetränke. Kinder fanden Kurzweil bei Spielen, die schon beliebt waren, als ihre Großeltern heranwuchsen.

»Leben, arbeiten, feiern wie vor 50 Jahren« lautete das Motto des 50-jährigen Jubiläums der Gemeinschaftsobstanlage Klein-Karben. Bestandteil des Geburtstagsfestes, das am Wochenende begangen wurde, waren mehrere Veranstaltungen. Ganz im Zeichen früherer Zeiten stand der Freitag. Der Blick der Besucherinnen und Besucher, die sich ab dem Vormittag stetig auf dem Gelände nahe dem Wald einfanden, fiel in der Einfahrt auf zahlreiche Geräte, die einstmals zur Feldarbeit eingesetzt wurden. Kartoffelerntemaschinen, einfache Holzpflüge, Unkraut-Hackgeräte für Kartoffeln und Rübenpflüge standen neben in den 50er-Jahren gebauten Hanomag- und Allgeier-Porsche-Traktoren. Die Maschinen weckten sowohl das Interesse der Erwachsenen als auch des Nachwuchses. Jungen und Mädchen kletterten auf die Sitze der Traktoren und kurbelten am Lenkrad. Der 1. Vereinsvorsitzende Dieter Kost berichtete, dass zahlreiche Ausstellungsstücke vom Karbener Landwirt Dieter Cost, der Mitglied der Obstanlage sei, zur Verfügung gestellt wurden. »Mehrere Traktoren, die heute hier zu sehen sind, gehören unserem Mitglied Alfred Procher. Er gehört auch dem Oldtimer-Club Nieder-Wöllstadt an. Auf seine Vermittlung hin haben sich weitere Mitglieder dieses Vereins an unserer Ausstellung beteiligt«, informierte er.

Laut Mitglied Hans Speidel, der das Programm für die Jubiläumsfeier zusammenstellte, zeigte sich auch der Leiter des Landwirtschafts- und Heimatmuseums Karben, Herbert Schuch, äußerst kooperativ. Eine Auswahl aus dem reichhaltigen Fundus - darunter Kartoffel-Legewannen und hölzerne Forken - ließen erkennen, wie mühsam das Beackern des Landes seinerzeit war. Ein Beispiel dafür, dass das Verarbeiten von Früchten per Hand des Einsatzes von Körperkraft bedurfte und auch recht viel Zeit erforderte, demonstrierte Speidel, indem er Trauben und Äpfel in der Schaupresse der Okärberin Barbara Ullrich zu Saft verarbeitete.

Derweil veranschaulichte die Groß-Karbenerin Else Lampert die Kunst des Spinnens. Annette Rau-Löhr aus Okarben erklärte, wie ein Webstuhl funktioniert und wie daran Teppiche, Decken oder Schals entstehen. Unterdessen entlockte Arnold Faller seiner Drehorgel fröhliche Melodien. Die Gäste ließen sich an den in der Halle aufgestellten Tischen nieder. Von Blütenkönigin Susanne Kost und ihrem Helferteam wurden sie mit Speisen und Getränken bewirtet.

Währenddessen fanden die Kinder Kurzweil beim Spiel. Gemäß dem Jubiläumsmotto sorgte Elisabeth Speidel mit einfachen Dingen, die zu Großmutters Zeiten Jungen und Mädchen erfreuten, für Bewegung und Unterhaltung. Dabei zeigte sich, dass Glasmurmeln, Hickelkästchen, Hüpfseil, Stelzen und Seifenblasen auch heute noch Vergnügen bereiten.

An einem Stand hielten Mitglieder der Gemeinschaftsobstanlage Kostproben von annähernd sämtlichen Apfelsorten bereit, die auf dem Grundstück angebaut werden. Kost erklärte, dass lediglich die frühen Sorten ob der fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr griffbereit seien. »Die Ernte ist in diesem Jahr von der Menge her durchschnittlich. Die Qualität ist wegen der im Frühjahr durch Hagelschlag verursachten Schäden nicht überragend«, sagte der Vorsitzende, der auf Wunsch durch das Gelände führte. »Eine und eine halbe Parzelle sind noch frei. Auf jeder Parzelle wachsen circa 70 Bäume, auf einer halben also etwa 35. Interessenten sind uns willkommen«, erklärte Kost, der von einer erfreulichen Entwicklung sprach. »2008 konnten wir vier neue Mitglieder gewinnen. Nach langer Zeit sind damit wieder junge Leute dazu gekommen.« Bevor sie den Heimweg antraten, versorgten sich Besucherinnen und Besucher mit Äpfeln und Birnen sowie allerlei selbst hergestellten Produkten, die angeboten wurden, dazu gehörten Konfitüren und Liköre.

Am Samstag wurde das Jubiläum mit einem Kommersabend fortgesetzt (gesonderter Bericht folgt). Am Sonntag gab es einen Tag der offenen Tür.

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