25. Mai 2017, 20:12 Uhr

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Er ist der Oldie unter den Flic-Flac-Artisten. Justin Chase ist über 50 Jahre alt, doch das macht ihm gar nichts. Chase ist fit wie ein Turnschuh und radelt auf den ungewöhnlichsten Ein- und Zweirädern durch die Manege.
25. Mai 2017, 20:12 Uhr

Justin Chase begeistert mit Artistik auf dem Zweirad und sympathischer Clownerie. Der Franzose mit australischen Wurzeln dürfte zudem der einzige Clown sein, der einen Koffer mit Fernbedienung hat. Wozu er die bei seinen Auftritten in Gießen braucht, hat er im Interview zwar nicht verraten, dafür aber, wie er seine Rolle als Oldie interpretiert, was ihn entspannt, und woher er so viel über Fahrräder und ihre Technik weiß.

Mr. Chase, Sie sind 53 Jahre alt. Wie lange arbeiten Sie schon als Artist im Zirkus?

Chase: Ja, ich bin der älteste Artist bei Flic Flac. Ich mache das seit fast 30 Jahren. Ich habe vorher als Fotograf gearbeitet und mich mit Jobs in Bars und Restaurants über Wasser gehalten, aber seit 1988 bin ich professioneller Artist.

Hat das Alter Auswirkungen auf das Zusammenleben mit den vielen jungen Kollegen hier?

Chase: Naja, ich bin bekannt dafür, dass ich die Partys früh verlasse (lacht). In meinem Alter hat man die meisten Partys schon gefeiert, ich lege mich lieber hin, auch weil ich mittlerweile morgens länger brauche, um nach der Party wieder fit zu sein (lacht). Aber ernsthaft: Alter ist in meinen Augen eine Frage des Kopfes, ich fühle mich jung und bin glücklich, noch im Zirkus arbeiten zu dürfen.

Seit wann sind Sie bei Flic Flac?

Chase: Ich habe 2010/11 die Weihnachts-Show mitgemacht, danach kamen noch ein paar weitere. Nun ist es mein erstes Mal auf der Tournee.

Und wie gefällt es Ihnen auf Tour?

Chase: Sehr gut. Es ist eine tolle Gruppe, jeder ist sehr professionell, aber auch entspannt und gut drauf. Wir haben viel Spaß, machen manchmal gemeinsame Grillabende. Das Zusammenleben ist wirklich toll.

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht arbeiten oder trainieren müssen?

Chase: Ich entspanne. Das kann ich am besten, wenn ich mit dem Fahrrad eine kleine Tour mache oder eine Runde Golf spiele, wenn ich mal einen freien Tag habe und ein Platz in der Nähe ist. Das sind meine beiden Leidenschaften neben dem Zirkus.

Nutzen Sie diese Freizeit auch, um über den Zirkus und die Show nachzudenken?

Chase: Es ist eine Art Meditation für mich. Im Zirkus sind immer viele Leute, hier gibt es eine Menge Energie, viel Spannung und Intensität. Daher finde ich es toll, wenn ich Zeit habe, in die Natur zu gehen und an nichts Bestimmtes denken zu müssen.

Sie sind mit Flic Flac nicht zum ersten Mal in Deutschland. Wo waren Sie denn schon überall unterwegs?

Chase: Ich habe schon einige Shows in Deutschland gemacht, vor allem für Varietés. Irgendwie ist die ganze Welt mein Arbeitsplatz. Ich habe schon fast überall gearbeitet. In Asien, in Amerika, in Europa – insgesamt in 26 oder 27 Ländern.

Haben Sie einen Lieblingsplatz gefunden?

Chase: Neukaledonien (eine französische Inselgruppe im Südpazifik, Anm. d. Red.) war wirklich schön. (lacht) Aber ich habe schon so viel von der Welt gesehen und muss sagen, dass ich mir letztlich ein bisschen Frankreich, ein bisschen Deutschland, ein bisschen Finnland oder ein bisschen USA wünsche. Das wäre vermutlich der perfekte Ort für mich. Wobei Japan fehlt, ich mag das japanische Essen sehr gerne.

Kommen wir zu Ihren Auftritten. Wie würden Sie Ihre Show bei Flic Flac beschreiben?

Chase: Ich mache Blödsinn zusammen mit Akrobatik auf dem Fahrrad (lacht).

Das klingt entspannt. Bedeutet die Arbeit im Zirkus auch mal Stress für Sie?

Chase: Im Zirkus darf man nicht krank sein, denn die Show muss gemacht werden. Gerade wenn man sich nicht gut fühlt, ist das sehr anstrengend und stressig. Aber es ist auch so, dass ich das auf der Bühne ausblenden kann. Mir kann speiübel sein, dann gehe ich für zehn Minuten auf die Bühne, alles ist gut, und danach ist mir wieder schlecht. So ist das eben mit dem Adrenalin. Dabei helfen auch die Zuschauer.

Inwiefern?

Chase: Die Zuschauer geben einem Energie und die Kraft. Gerade deutsches Publikum ist hilfreich. Denn es versteht schnell: Wenn es Energie abgibt, kann der Künstler noch besser abliefern. Ich habe Kulturen erlebt, in denen es nicht normal ist, während der Show zu klatschen. Die machen das erst am Ende. Darauf muss man sich als Artist einstellen.

Woher kommen Ihre Fahrräder?

Chase: Ich habe sie gebaut. Es sind Einzelstücke, die vermutlich auch nur bei mir funktionieren. Und ich repariere und pflege sie selbst, wenn ich Probleme habe. Das gehört zu meinem Job und ist Teil der Kreativität, die ich an meinem Beruf so liebe.

Woher haben Sie das technische Verständnis dafür?

Chase: Das habe ich mir alles selbst beigebracht. Früher habe ich eher als klassischer Clown gearbeitet mit Jonglage, aber je älter ich werde, desto mehr bleiben nur noch ich und das Fahrrad. (lacht) (Fotos: pv)

Der Zirkus Flic Flac gastiert noch bis Sonntag in Gießen. Karten gibt es unter www.tickets.wetterauer-zeitung.de oder an der Abendkasse.

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