21. Juli 2017, 20:59 Uhr

Zwischen Kopfläusen und Salmonellen

21. Juli 2017, 20:59 Uhr
Privat fährt Dennis Knau zu »Rock am Ring«, im Job muss der Hygieneinspektor genauer auf Sauberkeit achten. (Foto: prw)

Wenn Dennis Knau mit seinen Freunden zu »Rock am Ring« fährt, muss er seinen Job für einen Moment vergessen. Denn ansonsten könnte er versiffte Dixitoiletten, dreckiges Geschirr und abgestandenes Wasser nicht einfach ignorieren – Knau ist Hygieneinspektor beim Wetterauer Gesundheitsamt.

»Wer einen 08/15-Job will sollte besser die Finger davon lassen«, sagt Knau über seinen Beruf. Man müsse Spaß am Umgang mit Menschen haben – und keine Probleme mit kurzfristigen Veränderungen des Tagesablaufs. Über einen Zufall kam der 34-Jährige in die Fachstelle Kommunalhygiene. Knau hatte die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Wetteraukreis abgeschlossen, als die Anfrage des Gesundheitsamts kam, ob er sich noch eine weitere Ausbildung vorstellen könnte. Nach einem Tag Probearbeit sagte er zu.

Kitas und Tattoo-Studios

Sein Job als Hygieneinspektor lebt von der Abwechslung. »Du gehst morgens ins Büro, hast Pläne für den Tag oder die Woche – und ein einziger Anruf kann alles durcheinanderbringen.« Privatpersonen melden sich bei ihm, aber auch Kitas, Schulen, Seniorenheime, Ärzte, Heilpraktiker, Schwimmbäder, Tattoo-Studios oder sonstige Gemeinschaftseinrichtungen. Vorrangig sei das Gesundheitsamt Überwachungsbehörde für die öffentlichen Einrichtungen, aber man berate diese auch gerne, sagt Knau.

Durch rechtliche Veränderungen seien die Anforderungen in den vergangenen Jahren gestiegen. 2016 hatte das Gesundheitsamt 2800 Meldungen, zehn bis elf pro Arbeitstag. »Das klingt vielleicht nicht viel, aber jeder Meldung muss angemessen nachgegangen werden, ob sich hierdurch für die Erkrankten rechtliche Konsequenzen ergeben.« Das könne zum Beispiel der Ausschluss aus Gemeinschaftseinrichtungen sein oder die zeitlich befristete Untersagung der Ausübung bestimmter beruflicher Tätigkeiten.

Die Liste der meldepflichtigen Krankheiten und Erreger, mit denen es Knau zu tun bekommt, ist nichts für zarte Gemüter: Kopfläuse, Scharlach, bakterielle Hirnhautentzündung, Masern, Salmonellen, Borkenflechte, Keuchhusten, Windpocken, Norovirus, Rotavirus, Campylobacter, Krätze, Typhus, Tuberkulose, Diphtherie, Hepatitis, Mumps, Röteln, Tollwut.

Gemeldet werden sie anhand unterschiedlicher Meldeformulare, je nachdem ob es sich bei dem zur Meldung Verpflichteten um eine Gemeinschaftseinrichtung für Kinder, eine Arztpraxis oder ein Labor handelt.

Bricht etwa in einem Seniorenheim das Norovirus aus, hat ein Kindergartenkind die Masern, ein Schulkind Scharlach, dann wird das Amt tätig. »Wir beraten: was ist jetzt zu tun? Wie lange darf das Kind nicht in die Kita? Wo könnte es sich angesteckt haben? Hat es noch Geschwister? Sind enge Kontaktpersonen eventuell auch rechtlich vom Besuch von Kindertagesstätten oder Schulen ausgeschlossen? Welche hygienischen Maßnahmen gilt es jetzt zu ergreifen? Wie und mit welchem Mittel wird in der Einrichtung desinfiziert?«, berichtet Knau.

Als Hygieneinspektor überwacht er zudem die Wasserqualität in Schwimmbädern und im Gederner See. »Im schlimmsten Fall müssen wir das Becken bei einer mikrobiologischen Auffälligkeit vorübergehend sperren, bis die Werte wieder im Normbereich sind. Das ist natürlich immer eine unpopuläre Entscheidung, aber die Gesundheit der Badegäste steht an erster Stelle.«

Und wenn Dennis Knau nicht als Hygieneinspektor, sondern als Privatmensch ins Schwimmbad geht? »Man achtet unbewusst natürlich auf einige Dinge. Riecht es in einem Hallenbad nach Chlor, dann denken die meisten es sei zu viel Chlor im Wasser. Aber das Gegenteil ist der Fall«, sagt er. Denn nur das durch organische Stoffen »gebundene Chlor« sorge für den typischen Hallenbadgeruch. Jeder Badegast könne durch gründliches Duschen vor dem Gang ins Wasser einen wichtigen Beitrag zu einer guten Wasserqualität leisten, sagt der Hygieneinspektor.

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