03. Mai 2019, 19:57 Uhr

Zwischen Fratzen und Insekten

03. Mai 2019, 19:57 Uhr
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Von Harald Schuchardt

Zum zweiten Mal stellt Elisabeth Reuter derzeit im Café Kaktus in der Hospitalgasse 21 ihre Keramikarbeiten aus. Waren es vor drei Jahren »hängende Keramiken« mit überwiegend keltischen Ornamenten, so zeigt die Künstlerin dieses Mal unter anderem Keramiktafeln mit Insektenmotiven. »Ich finde Insekten reizvoll, sie wirken auf den Platten wie darauf gesetzt«, erzählt Reuter, die seit mehr als 25 Jahren in der östlichen Altstadt lebt und in der Verbindungsgasse ihre Keramikwerkstatt betreibt.

Bevor sie in die Kreisstadt kam, erlernte sie nach der Schulausbildung ihren Beruf in der Keramikfachschule in Höhr-Grenzhausen im Westerwald. Anschließend studierte sie Archäologie in Berlin und Frankfurt. Sie gilt als Fachfrau für Historische Keramik und arbeitet für zahlreiche Hessische Museen.

Schon vor gut 15 Jahren hat Reuter die ersten Keramikplatten mit Insektenmotiven hergestellt. Es ist eine zeitintensive Arbeit, werden die Grundrisse der Insekten zunächst aus den Büchern auf die Platten gepaust. Dann ritzt Reuter mit einer feinen Nadel die Konturen in die Keramikunterfläche ein, färbt diese Linien schwarz ein und malt dann die Insektenkörper aus.

Das sind Jugendstilaffen

Schließlich werden die Platten noch mal gebrannt. Genauso stellt sie auch Platten mit Jugendstilmotiven her. »Die sind ganz neu«, erklärt Reuter und zeigt eine Platte, auf denen Affen zu sehen sind. »Das ist typisch für den Jugendstil«, erklärt die Keramikerin. Die Idee zu den Jugendstilaffen kam von einer Wöllstädterin, die regelmäßig in Reuters Werkstatt töpfert. Reuter: »Sie hat das Motiv in der Zeitung gesehen und diese als Vorlage mitgebracht.« Die unterschiedlichen Keramikplatten, darunter auch welche mit keltischen Ornamenten, hängen allesamt an der großen Rückwand des Café Kaktus.

Tassen unter der Decke

Doch wer sich in dem Traditionscafé, das an diesem Wochenende sein 30-jähriges Bestehen groß feiert, genauer umschaut, der findet noch mehr Kunstwerke von Reuter. Zwischen den Blumenstöcken steht eine Pinguin-Steele und von der Decke herab hängen Blumenampeln – allerdings ohne Inhalt – mit einem fratzenähnlichen Gesicht, das sie in einem Kartenspiel entdeckt hatte.

Und wer ganz hochschaut, der sieht unterhalb der Decke eine ganze Reihe von Keramik-Kaffeetassen in verschiedenen Farben, nebeneinander aufgehängt an einem Ast. »Als ich die gesehen habe, dachte ich mir, da könntest du dir jetzt eine holen und Kaffee draus trinken«, meinte eine Besucherin, die sich gerade die Ausstellung betrachtet hat. Ein Argument dafür, dass Alltagsgegenstände durchaus auch Kunst sein können.

Die Ausstellung mit den Keramikarbeiten von Elisabeth Reuter kann noch bis Ende Mai während der Öffnungszeiten des Café Kaktus besichtigt werden.



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