Wetterau

Zwei Wetterauer bei Rallye dabei: 16 Tage, 7500 Kilometer, 10 Länder

Wiebke Bachus und Maximilian Adami sind mit ihrem alten BMW in Nieder-Weisel losgefahren. Am Samstag sind sie mit 251 anderen Teilnehmern in Hamburg beim Baltic Sea Circle gestartet.
15. Juni 2019, 12:00 Uhr
Sabrina Dämon
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Baujahr 1993: Wiebke Bachus und Maximilian Adami gehen mit dem 5er BMW an den Start. Die Route wird eine Herausforderung, zumal es verboten ist, ein Navi zu benutzen. (Foto: pv)

Kurz vor dem Start ist es doch noch hektisch geworden. Dabei war eigentlich alles bestens organisiert. Nur dann, wenige Tage bevor es losging, ist das Auto nicht mehr angesprungen. Defekt an der Elektrik; schnell in die Werkstatt. »Das hätte ich nicht gebraucht«, sagt Maximilian Adami. Aber: Besser so, als wenn es unterwegs passiert wäre. Im norwegischen Hinterland zum Beispiel oder mitten in der russischen Provinz. Das sind nur zwei Gegenden, in denen Maximilian Adami und Wiebke Bachus in den nächsten zwei Wochen sein werden. Mit ihrem alten BMW 520i Touring gehen sie beim Baltic Sea Circle an den Start - eine 16-tägige Rallye, die auf einer Strecke von 7500 Kilometern durch zehn Länder führt. Die Bedingungen: kein Navi, kein GPS. »Wir haben nur Karten und Kompass«, sagt Wiebke Bachus.

Pro Tag neun Stunden im Auto

Außerdem dürfen die Routen nicht über Autobahnen führen. Heißt: »Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird 60 km/h sein, und pro Tag müssen wir 500 bis 600 Kilometer schaffen.« Die zwei werden an die neun Stunden pro Tag im Auto verbringen - wenn sie durch Schweden und ans Nordkap fahren, durch Finnland, Russland und Litauen. Ein Vorteil ist die Helligkeit: Zurzeit wird es im Norden kaum dunkel, sie werden bis in die Nacht bei Tageslicht fahren können - abwechselnd. Sie lacht: »Gleichberechtigung.«

Schlafen wollen sie auf dem Auto: In Vorbereitung auf die Tour haben sie sich ein Dachzelt gebaut, und da in Skandinavien das Jedermannsrecht gilt, darf jeder überall sein Nachtlager aufschlagen, solange er niemandem in die Quere kommt.

Prüfung für die Beziehung

Ob sie aufgeregt sind? »Ja, total«, sagt sie. Und er: »Oh ja.« Neben der großen Herausforderung, die unbekannte Strecke zu fahren, ist es auch eine Prüfung für die Beziehung. »Das ist unser erster gemeinsamer Urlaub«, sagt die 22-Jährige. Seit eineinhalb Jahren sind sie und der 25-Jährige ein Paar, beide sind an der Uni eingespannt - sie studiert Lehramt, er ist Doktorand im Agrarbereich -, weswegen es bisher noch nicht geklappt hat. Aber, sagt er: »Wenn wir von der Rallye zurückkommen und alles ist noch gut, wissen wir: Wir passen zusammen.«

Die Zusammensein-Bedingungen sind jedenfalls andere als zu Hause. Waren sie aber auch in den vergangenen Wochen schon. Weil es einfach so viel zu organisieren gab: das Gepäck (eine Reiseapothekenkiste, eine noch größere Werkzeugkiste; außerdem: Öl, Sprit, zweites Ersatzrad), das Visum für Russland, am Auto schrauben.

Auto extra gekauft

Das hat das Paar übrigens extra für die Rallye gekauft. »Ich wollte schon lange an einer Amateur-Rallye teilnehmen, bei der der Weg das Ziel ist«, sagt Maximilian Adami. Und so entdeckte er im September den BMW. Baujahr 1993 - passte also, denn das ist ein weiteres Kriterium: Das Gefährt muss mindestens 20 Jahre alt sein.

Der Wagen stand in Kassel, gehörte einer 80-Jährigen, die ihn loswerden wollte, weil sie ihren Führerschein abgegeben hatte. An einem Mittwoch entdeckte der Nieder-Weiseler das Auto im Internet, am darauffolgenden Samstag war es seins und die Anmeldung zur Rallye abgeschickt.

Gestern ging es dann los, zuerst von Nieder-Weisel nach Hamburg, wo das Paar die anderen Teams (insgesamt 251) getroffen hat. Heute brechen die Rallye-Fahrer auf zur ersten Etappe: durch Dänemark nach Schweden.

Die Angst vorm Liegenbleiben

Vorbereitet sind die zwei. Trotzdem bleibt ein bisschen Angst. Ihre: »Dass wir den Autoschlüssel verlieren, wir haben nur einen.« Seine: liegenbleiben. »Also irreparabel. Dann könnten wir die Tour nicht zu Ende fahren.«

Ende ist wieder in Hamburg. Am 30. Juni sollen alle Teams dort sein. Wer zuerst da ist, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, wer die meisten Punkte sammelt (der Gewinner bekommt die Teilnahme an einer weiteren Rallye). Und Punkte gibt es für Aufgaben, die der Veranstalter stellt. Welche das sein werden, weiß noch keiner der Teilnehmer. Aber, erzählen die zwei: Sie haben sich welche aus dem vergangenen Jahr angeschaut. Ein Team musste zum Beispiel für einen Tag den Beifahrer wechseln. Ein anderes mit stinkendem Fisch im Auto 200 Kilometer fahren.

So oder so: Es wird ein Abenteuer. Aber, sagt sie: »Wir sind eben beide keine Pauschalreisen-Typen.«

Rallye für den guten Zweck

Eine Sache, die Wiebke Bachus und Maximilian Adami besonders an der Rallye gefällt: Die Teams gehen für einen guten Zweck an den Start. Jeder Teilnehmer hat Spender und sich ausgesucht, wem die Spenden zugute kommen. Die zwei Wetterauer wollen ihre Spendengelder der Stiftung Bärenherz in Wiesbaden zukommen lassen - die Stiftung unterstützt Einrichtungen für schwerstkranke Kinder und ihre Familien. Ein Fokus liegt auf Kinderhospizen. Dazu waren die zwei im Vorfeld der Rallye vor Ort und haben sich eine Einrichtung angeschaut. Spender haben sie auch gefunden: So hat die Kehloffer Burschenschaft, ein Nieder-Weiseler Verein, 750 Euro gespendet. Zudem gab es noch Spenden von Freunden und Familienmitgliedern, ein Vereinsmitglied hat 500 Euro zusätzlich gespendet. Wer die zwei Rallye-Fahrer virtuell begleiten möchte, findet Informationen auf deren Instagram- (purplethunder_bsc19) und Facebook-Account (Purple Thunder).

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Zwei-Wetterauer-bei-Rallye-dabei-16-Tage-7500-Kilometer-10-Laender;art472,602168

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