27. Mai 2018, 18:00 Uhr

Social Media

Zwei Jahre auf Facebook und Twitter: Hier darf die Polizei auch mal lustig sein

Seit zwei Jahren berichtet Thorsten Mohr mit Emojis und Videos über die Arbeit der Polizei Mittelhessen. Er spricht über das Geheimnis des Erfolgs und verrät, wobei er besonders vorsichtig ist.
27. Mai 2018, 18:00 Uhr
Das Social-Media-Team der Polizei um Thorsten Mohr (l.) begleitet die Kollegen bei Einsätzen und hält die Arbeit der Beamten fest. (Foto: csk)

Die Bundesautobahn 5 ist das pulsierende Leben in der sonst so beschaulichen Wetterau. Wenn hier etwas schiefgeht, stecken schnell Tausende fest. So wie vor zehn Tagen, als ein Schwerlasttransporter zwischen Butzbach und Bad Nauheim in einer Baustelle hängenblieb und zwei Stunden lang nichts mehr ging. Bei Polizeihauptkommissar Thorsten Mohr liefen in dieser Zeit die Drähte heiß. Mit seinem Team füttert er die Social-Media-Kanäle der Polizei Mittelhessen mit Infos, Fotos und Videos von den Einsatzorten.

 

Vielfalt der Polizeiarbeit

Mohr verantwortet seit April 2016 die Aktivitäten der Polizei Mittelhessen in den digitalen Medien. Heute hat sie über 8400 Follower bei Twitter und mehr als 28 500 Abonnenten bei Facebook. Landesweit liegen die Mittelhessen damit an dritter Stelle, hinter Frankfurt und dem Landeskriminalamt. Dabei hätten sich viele Kollegen erst daran gewöhnen müssen, »wenn wir sie im Einsatz begleiten oder Informationen und Bilder vom Geschehen bekommen wollten«, erinnert sich Mohr.
 

Es ist eine Art Sendung mit der Maus für Erwachsene

Thorsten Mohr


Das Social-Media-Team wolle »die Vielfalt der Polizeiarbeit darstellen. Es ist eine Art Sendung mit der Maus für Erwachsene«, sagt der Polizeihauptkommissar. Erst am vergangenen Donnerstag begleitete das Social-Media-Team mehrere groß angelegte Kontrollen in Mittelhessen. Außerdem gibt es Polizeimeldungen, regelmäßige Serviceartikel und Verkehrsmeldungen. Der Blick hinter die Kulissen kommt bei den Nutzern an.

 

Zusammenspiel funktioniert

Facebook und Twitter funktionieren aber auch, wenn die Polizei nach Hinweisen von Zeugen sucht. So zum Beispiel, als bei einer schweren Unfallflucht in Petterweil ein Rollerfahrer von einem Pkw-Fahrer angefahren und verletzt liegen gelassen wurde. »Über die Sozialen Medien haben wir schnell wichtige Hinweise bekommen, die letztlich auch zu Klärung beigetragen haben«, sagt Mohr.
 

Hier gibt es die Polizei Mittelhessen auf Twitter

Hier gibt es die Polizei Mittelhessen auf Facebook


Das Zusammenspiel zwischen der Polizei und der Community funktioniert. Negative Bemerkungen sind eine Seltenheit. »Ein Grundrauschen gab es in den sozialen Medien schon immer. Die Community hält sich auf unseren Seiten aber überwiegend an die Spielregeln«, sagt Mohr. Vielen Menschen sei dennoch nicht bewusst, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. »Wenn wir vom Verdacht einer Straftat Kenntnis erlangen, gehen wir diesem mit allen Konsequenzen nach und leiten die erforderlichen Schritte ein«, sagt Mohr.

 

Genauigkeit vor Schnelligkeit

Doch auch die Polizei ist vor Fehlern nicht gefeit, gerade in der rasend schnellen Welt des Internets. Bei Mohr und seinem Team hat der Grundsatz »Genauigkeit vor Schnelligkeit« deshalb oberstes Gebot. »Aus den Erfahrungen der letzten Jahre zeigt sich, dass die Polizei manchmal auch entschleunigen muss, auch wenn das Interesse an einem spektakulären Ereignis noch so groß ist«, sagt Mohr. Ohne Informationen oder Moderation gehe es im digitalen Zeitalter aber auch nicht, sonst biete man Spekulationen viel Raum und könne diese nicht mehr einfangen.
 

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Sechs- bis siebenstellige Klickzahlen erreichen viele Beiträge nicht zuletzt dank der klaren Regeln. Stets müsse man »eine Geschichte erzählen«, ohne den für Behörden gebotenen Ernst vermissen zu lassen, sagt Mohr. »Wenn ich mehr als zweimal lachen muss, bin ich vorsichtig. Und wir machen nichts Lustiges, wenn etwas Schlimmes passiert ist.« Andererseits gehören Unterhaltung und Lockerheit dazu. So warnte neulich ein Post mit nur einem Wort vor Wildunfällen: »Uffbasse!« Und die Serie über den Welpen »Nox«, der zum Polizeihund ausgebildet wird, zählte zu den meistgeklickten Inhalten.

 

Emojis nicht verboten

Selbst Emojis sind nicht generell verboten. Ob er sich eigentlich schon fast wie ein Journalist fühlt? »Nein«, antwortet Mohr. Bei aller Professionalität: »Die Leute sollen ruhig merken, dass da ein Polizist twittert. Polizisten sind keine Journalisten, und wir haben natürlich auch einen ganz anderen Auftrag.« Die Nutzer auf Facebook und Twitter freuen sich trotzdem, wenn sich Mohr vom nächsten Einsatzort meldet und der Community zuruft: »Uffbasse!«

 

 

Info

Das Social-Media-Team

Die Polizei Mittelhessen deckt das Gebiet von Marburg bis Bad Vilbel und von Dillenburg bis Büdingen ab. Das Kernteam auf der Pressestelle in Gießen um Hauptkommissar Thorsten Mohr und Oberkommissar Matthias Ewel bekommt Unterstützung von den jeweiligen Pressesprechern der einzelnen Dienststellen sowie von sieben Nebenamtlern. Über Nacht und an Wochenenden kümmert sich die Leitstelle der Polizei Mittelhessen um die Bespielung der Kanäle. Eine Erweiterung des Angebots, beispielsweise auf die Foto-Plattform Instagram, ist angedacht. (esa)

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