22. Februar 2018, 19:10 Uhr

Brennesselkerb

Zwei Frauen bei Kerb begrapscht: Bewährungsstrafe für Lkw-Fahrer

Dass ausgelassenes Feiern seine Grenzen hat und Frauen kein Freiwild sind, daran wird den 25-jährige Lkw-Fahrer aus Friedberg seine Verurteilung wegen sexueller Nötigung wohl stets erinnern.
22. Februar 2018, 19:10 Uhr
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Von Jürgen W. Niehoff

Es war ein Samstag, ein richtig schöner Frühsommertag, der 6. Mai 2017. Mit Freunden genoss derjunge Mann den Tag ausgiebig und mit viel Alkohol. Am Abend beschloss er, mit Freunden nach Nieder-Wöllstadt auf die Brennesselkerb zu fahren und dort weiterzufeiern. »An Details kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass wir irgendwann in der Nacht dann noch nach Frankfurt weitergefahren sind«, sagte der Angeklagte. An irgendwelche Begegnungen mit Frauen könne er sich jedenfalls nicht erinnern, sagte er zu Beginn der Gerichtsverhandlung.

Die Staatsanwaltschaft wirf ihm vor, kurz nach Mitternacht erst eine 25-Jährige und kurz darauf eine gleichaltrige Frau sexuell genötigt zu haben. Er habe jede der Frauen außerhalb des Festzeltes in eine dunkle Ecke gezogen, sie mit Gewalt jeweils gegen ein Bierwagen gedrückt und sie dann an beiden Armen festgehalten. Er versucht, sie zu küssen, während er dabei ihre Brüste begrapschte und den Schambereich berührte, so die Darstellung.

 

"Das hätte sowieso keiner gehört"

 

Beide Frauen hätten sich heftig gegen die plumpen Annäherungsversuche gewehrt, weshalb er von ihnen abgelassen habe. »Warum haben sie denn nicht um Hilfe gerufen?«, versuchte Richter Bange aus einer der jungen Frauen herauszubekommen. »Es war erstens viel zu laut. Das hätte sowieso keiner gehört. Und außerdem bin ich zunächst davon ausgegangen, dass er mich wirklich sprechen wollte. Wir kennen uns seit unserer Jugend«, sagte die 25-Jährige. Zunächst habe sie zudem angenommen, dass es »nicht ernst gewesen« sei. Erst als er sie dann abgetastet habe, habe sie die Situation begriffen und sei schließlich davongerannt. Sie hätte auch die Sache nie der Polizei gemeldet – wenn ihrer Freundin das kurz darauf nicht ebenfalls passiert wäre. Auch sie habe der Angeklagte in eine dunkle Ecke des Platzes gelotst und sie dann ungebührlich betatscht.

Als auch das zweite Opfer (der Angeklagte gab an, die Frau gar nicht zu kennen) dem Gericht von den Attacken berichtete, bat Verteidiger Jürgen Häller um Sitzungsunterbrechung. Nach einem 20-minütigen Gespräch räumte sein Mandant alle Vorwürfe unumwunden ein. Er sei an diesem Tag sehr betrunken gewesen und wisse nicht, wie das passieren konnte. Eindringlich entschuldigte er sich noch im Gerichtssaal bei den beiden Opfern.

 

900 Euro Geldstrafe

 

Für die Staatsanwältin Zimmermann blieb es jedoch dabei: Auch wenn er an diesem Abend viel getrunken habe, so sei er doch noch zurechnungsfähig gewesen, er sei schließlich noch zum Weiterfeiern nach Frankfurt gefahren. Da er beide Frauen nur oberhalb ihrer Bekleidung betatscht hatte und auch seine Kussversuche erfolglos geblieben waren, beantragt sie acht Monate Haft auf Bewährung und ein Bußgeld in Höhe von 900 Euro für einen gemeinnützigen Verein. Dem schlossen sich erst die Verteidigung und anschließend auch das Gericht an. Der 25-Jährige sei weder vorbestraft und da er Reue gezeigt habe, könne man davon ausgehen, dass es sich um ein einmaliges Fehlverhalten gehandelt habe und ihm die Strafe eine echte Warnung sei.



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