09. August 2017, 11:00 Uhr

Neuer Kurzfilm

Zwei Filmemacher entdecken Bad Nauheim

Vladimir Scheiermann und Sascha Kuznia haben einen Kurfilm über Bad Nauheim gedreht – eine Stadt, die sie für ihr Projekt ganz neu entdeckt haben, wie sie im WZ-Interview verraten.
09. August 2017, 11:00 Uhr
Eine Szene aus dem Kurzfilm, der Lust auf Bad Nauheim machen soll. (Foto: pv)

»Entdecke Dein Bad Nauheim« heißt Ihr Kurzfilm über die Stadt. Was ist Ihr Bad Nauheim?

Sascha Kuznia: Der Mix. Ich als Außenstehender habe die Stadt kennengelernt, weil Vladimir immer davon geschwärmt hat, wie filmisch Bad Nauheim aussieht. Er meinte immer, wir sollten da unbedingt mal etwas drehen, weil die Stadt ein großartiges Setting für jede Art von Film sein kann. 2015 sind wir dann fürs Elvis-Festival hingefahren und haben direkt losgefilmt.

Herr Scheiermann, Sie sind in der Stadt aufgewachsen. Was ist Ihr Bad Nauheim?

Vladimir Scheiermann: Für mich gab es den Anspruch, mich mit der Stadt auseinanderzusetzen, aus der ich früher immer wegwollte. Ich bin dort den größten Teil meiner Kindheit und Jugend aufgewachsen. Als ich älter wurde, bin ich sofort weg. Erst nach Frankfurt, dann nach Berlin. In Bad Nauheim habe ich mich früher gelangweilt, fand alles sehr alteingesessen. Erst als ich wieder zu Besuch kam, fiel mir auf, was die Stadt zu bieten hat. Man wird älter und beginnt Gesehenes aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das wollte ich in diesem Film herüberbringen: die klassische Erkenntnis, dass sich nicht die Stadt selbst formt, sondern die Menschen, die darin leben.

Der Sprudelhof kommt im Film ebenso vor wie das Schwimmbad und der große Teich – haben Sie die Orte selbst ausgewählt?

Scheiermann: Die Orte haben wir gemeinsam mit dem Stadtmarketing und den Bad Nauheimer Darstellern ausgewählt. Ich wollte auch Orte, die ich nicht kannte. Zum Beispiel den Flugplatz, der ja ein schmaler Grat ist zwischen Bad Nauheim und Ober-Mörlen, aber für viele genauso zu Bad Nauheim gehört wie zu Ober-Mörlen. Und meinem kleinen Bruder, der in Bad Nauheim aufwächst, wollte ich auch ein paar Orte ans Herz legen – falls auch er an diesen Punkt kommt, an dem ich war, die eigene Stadt nicht mehr zu mögen.Kuznia: Als ich Bad Nauheim zum Elvis-Festival das erste Mal besucht habe und Vladimir mir die Stadt gezeigt hat, sind mir ganz bestimmte Orte und Plätze in Erinnerung geblieben. Es sind Orte, die ich so in keiner anderen deutschen Kleinstadt gesehen habe – und diese mussten einfach in den Film. Natürlich hat jeder Film seine Zeitvorgaben. Das heißt leider auch, dass wir viele schöne Ecken auslassen mussten.

Wie sind die Situationen im Film entstanden?

Scheiermann: Sascha und ich haben einen Trip nach Bad Nauheim gemacht und sind mit der Kamera durch die Stadt gelaufen. Dabei haben wir das Gespräch mit Nauheimern gesucht und uns von ihren Geschichten inspirieren lassen. Diese Nauheimer spielen auch alle in unserem Film bzw. Filmen mit.

Kuznia: Gemeinsam mit dem Stadtmarketing haben wir ein Best of herausgearbeitet und in die vielen Settings eingewoben. Im Endeffekt ging es darum, Charaktere zu zeigen, Leute in den Mittelpunkt zu stellen und kleine Abenteuer zu erzählen. Klar, Bad Nauheim ist nicht Berlin, aber es ging uns eben darum, zu zeigen, dass es die Menschen sind, die eine Stadt ausmachen.

 

Infokasten

Mittelmäßiges Bad Nauheim?

»Spitzenplatz beim Bekanntheitsgrad – Sympathie und Besuchsbereitschaft durchschnittlich« – so lautete das Ergebnis für Bad Nauheim bei der Health-Brand-Studie, die von der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH (BNST) in Auftrag gegeben worden war. Unzufriedenstellend, fanden die Mitarbeiter der BNST und entwickelten zusammen mit Bad-Nauheim-Fans die Initiative #ENTDECKEdeinBADNAUHEIM. Ziel ist es, das Lebensgefühl der Stadt einzufangen – u.a. mit Videoclips. Als Regisseure wurden der gebürtige Bad Nauheimer Vladimir Scheiermann und Sascha Kuznia ausgewählt. Diese haben bereits den in 2016 veröffentlichten Elvis-Festival-Film gedreht. Nun sind ein einminütiger Film und 13 Clips entstanden, zu sehen auf der Homepage der Stadt unter www.bad-nauheim.de/reiseziel-bad-nauheim/entdecke-dein-bad-nauheim.html. Der Film ist für den Hessischen Tourismuspreis nominiert. (sda)
 

Bilder aus dem Film, den Sascha Kuznia und Vladimir Scheiermann in der Stadt gedreht haben, eine Auftragsarbeit mit dem Ziel, die Stadt sympathisch zu präsentieren. 	(Fotos: pv)
Bilder aus dem Film, den Sascha Kuznia und Vladimir Scheiermann in der Stadt gedreht haben...

Durch den Film haben Sie die Stadt nun kennengelernt, Herr Kuznia. Was sagen Sie, macht die Stadt aus?

Kuznia: Die Menschen im Süden Deutschlands haben oft eine sehr bürokratische Sicht auf alles, sehr konservativ. In Bad Nauheim jedoch habe ich das Gefühl, alles blüht.

Ihr erster Film über die Stadt war einer über das Elvis-Festival. Das hat auch etwas mit Erinnerungen zu tun. Herr Scheiermann, Sie waren vor ein paar Jahren Einlasser. Wie war das damals?

Scheiermann: Damals war das Festival noch im Sprudelhof. Da gibt es eine lustige Geschichte: Das war das Jahr, in dem Ted Herold aufgetreten ist. Und ich war derjenige, der ihn nicht reingelassen hat, weil ich nicht wusste, wer er ist. Das fand der Gute alles andere als lustig, aber er wollte einfach durchlaufen, und mein Job war es, genau so etwas zu verhindern. Nach dem Auftritt hat er mir ein Bier ausgegeben, und ich sagte, dass seine Musik gar nicht mal so übel ist. Das Eis war gebrochen. Was mir auch in Erinnerung geblieben ist, und damit konnte ich Sascha für das Festival begeistern: Mich hat es sehr beeindruckt, als ich damals am Einlass stand und gesehen habe, wie die die Besucher tanzten. Gerade die Älteren, die plötzlich ihre Frauen im Rock’n’Roll-Style herumgeschleudert haben. So etwas habe ich noch nie gesehen. Da kommt einem die eigene Generation teils wie eine Lusche vor, wenn man sieht, wie die alten Hasen auf den Putz hauen können. Das zu zeigen war auch unser Anspruch an den Elvis-Festival-Film.

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