17. September 2019, 19:41 Uhr

Zurück ins Rodheim der 50er Jahre

17. September 2019, 19:41 Uhr

Die Jubiläumstheatergruppe 1200 Jahre Rodheim hat am Samstag und Sonntag im Bürgerhaus das Theaterstück »Aufbruch« von Wolfgang Wien aufgeführt. das Stück hatte es in sich. Mit originalgetreuen Möbeln, alten Tapeten und vielen typischen Accessoires fühlte man sich schnell in die Zeit der 50er Jahre zurückversetzt. Der Regisseur erklärte vor Beginn genau, wie einst die Hauptstraße ausgesehen hatte, welche Geschäfte vor Ort in wessen Händen waren und wer wo umgezogen ist.

Die Geschichte drehte sich um eine erfundene Rodheimer Familie, die mit den Problemen der Nachkriegszeit zu kämpfen hat. Der Vater Franz, gespielt von Ulrich Gruppe, war einst als Förster in der Gemarkung tätig. Aufgrund seines Eintritts in die NSDAP vor Ende des Krieges, hatte er nach dem Krieg seine Anstellung in der Entnazifizierung verloren. Die Tochter Gertrud, gespielt von Anja Thomas, hatte von einem französischen Soldaten ihren Sohn Philipp (Moritz Harr) bekommen und hoffte auf seine Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft. Die Frauen des Dorfes, Ella (Birgit Heinsch) und Frieda (Heidi Gruppe), lästerten mit der Mutter Marie (gespielt von Steffi Diemé) über Flüchtlinge aus Böhmen und ihre ungewohnten Sitten. Andererseits hatten sie Mitleid mit ihrem Schicksal. Dies galt auch für die ausgebombten Frankfurter, wie zum Beispiel Frau Schmidt (Uschi Perle), die in ihrer Not in die Wetterau geflüchtet waren.

Themen auch heute aktuell

Mutter Marie machte sich vor allem Sorgen um die Zukunft ihrer unverheirateten Tochter Gertrud. Am liebsten hätte sie ihre Tochter mit dem reichsten Junggesellen im Ort verkuppelt, was bei der jungen Frau allerdings auf Gegenwind stieß: »Der Goldesel? Du bist doch nur an seinem Gold interessiert und ich sitz hinterher mit dem Esel da«, war ihr niederschmetternde Kommentar, der die Mutter zum Kuschen und das Publikum zum Lachen brachte.

Die Sorge um Flüchtlinge, ihre Versorgung und die Wohnungsnot waren brandheiße Themen in der Gemeindeversammlung der 50er Jahre, genauso wie heute auch. Die Gemeinderäte Willi (Stephan Schmidthals), Hugo (Dirk Kessler), Johann (Ernst Gruber) und Werner (Hermann Krämer) debattierten mit dem Bürgermeister Fritz (Rainer Schaub) über das Land der Stadt Rosbach und das Land der Kirche, das für neue Wohnungen bebaut werden könnte. Selbst der ehemalige Pfarrer Sesemann (Heiko Marris) trat lösungsorientiert in der Versammlung auf. Zudem war der Bau des Schwimmbades als Sport- und Erholungszentrum und Wasserreservoir für die Feuerwehr ein Thema.

Die schwerhörige Oma der Familie, Ottilie, wurde erstklassig von Marlis Möller verkörpert. Ihre freien Assoziationen der gesprochenen Worte brachten haufenweise Missverständnisse und großes Gelächter in den Saal. Das Stück endete trotz aller drängenden Probleme versöhnlich und zukunftsweisend: Der Vater freute sich über eine neue Festanstellung, Gertrud musste zwar ihren geliebten Jean begraben, doch ein neuer Ehe-Kandidat stand mit dem herzensguten Kurt (Alexander Wien) bereits in den Startlöchern. Und die beiden Jüngsten, der 13-jährige Philipp (Moritz Harr) und seine Schulfreundin Gretel (Adna Messic), freuten sich auf das Schwimmbad und ihr Erwachsenwerden.

Die beeindruckende Aktualität und Vielfalt der Themen in Wolfgang Wiens Stück »Aufbruch« sind sehr gut beim Publikum angekommen. Die Nähe zu den aktuellen Themen der heutigen Stadtpolitik (Stadtplanung, Schwimmbad und Debatte im Parlament) ließ nicht nur Bürgermeister Steffen Maar grinsen. Das Publikum bedankte sich für die schöne Vorstellung im ausverkauften Saal des Bürgerhauses mit tosendem Applaus.

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