Wetterau

Zum Nachdenken

Wenn es fünf vor zwölf ist
15. März 2019, 18:49 Uhr
Redaktion

Wenn es fünf vor zwölf ist

Auf etwas verzichten, wenn ich nicht unbedingt muss? Lieber nicht! In diesen Tagen verzichten viele Schüler freitags auf Schule. Mich hat dabei auch die Rede der Schülerin Greta Thunberg in Davos beeindruckt, als sie vielen mächtigen Menschen gesagt hat: »Unser Haus steht in Flammen!«. Sie sprach von zwölf Jahren Zeit, um die Klima-Katastrophe zu verhindern, wenn so viel Zeit denn bleibt. Die Erde ist aufgeheizt durch unsere Lebensweise.

Wir machen uns die Erde untertan (1. Mose 1, 28) – wie ein König seine Untertanen regiert; soweit das Bild. Auch wenn der Mensch sich als Krone der Schöpfung sieht, ist er trotz aller beeindruckender und erschreckender Fähigkeiten, doch nicht ihr Herrscher, sondern gehört mit zum von Gott erschaffenen Team.

In unserer Wirtschaft wird immer Wachstum angestrebt. In der Natur kennen wir Zellen, die sich nur vermehren, als krankhaft wuchernde Zellen, die zerstörerisch sind. Wir sind in unserem Leben Rhythmen unterworfen. In der Geschichte von Noah und seiner Arche (1. Mose 6–8) schreibt Gott am Ende die periodischen Wechsel der Natur fest: Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Es ist schwer sich zu ändern, es ist schwer zu verzichten. Dieser Psalm macht Mut: »Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen«. (Psalm 18, 30).

Das gilt auch für Mauern, an denen ich mitgebaut habe. Zuerst steht Umdenken an. Das ist ähnlich wie beim Fasten. Menschen tun es oft, wenn es für sie fünf vor zwölf steht. Wenn sie es in der Passionszeit tun, bereiten sie sich so auch auf Ostern vor, das Fest der Auferstehung.

Pfarrerin Evelyn Giese , Ev. Kirchengemeinden Kaichen und Bönstadt (Niddatal)

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