Fragment

Es gibt Zeiten, in denen wir in besonderer Weise auf unser Leben zurückblicken. Ein Jahreswechsel, der Schulabschluss, der 50. Geburtstag oder der Eintritt in den Ruhestand. Im Rückblick leuchtet vieles noch einmal auf: Gelungenes, glückliche Tage, aber auch Scheitern und Liegengebliebenes. Und manchmal kommen Gedanken dazu, wie das Leben wohl geworden wäre, wenn man sich an gewissen Wendepunkten anders entschieden hätte. Ob das Leben dann (noch) besser oder glücklicher verlaufen wäre? Was auch immer uns bei solchen Überlegungen bewegen mag, im Letzten bleibt unser Leben, unser Tun und Lassen Stückwerk. Dabei gibt es manches auf unserem Lebensweg, das wir nicht verstehen. Es gibt Fragen, auf die wir nur allzu gerne eine Antwort wüssten und doch ohne Antwort weiterleben müssen.

Schon Apostel Paulus hat von dem bruchstückhaft Bleibenden unseres Lebens gesprochen und von dem Spiegel, durch den wir nur ein dunkles Bild zu sehen vermögen. Gleichwohl weiß er um den Moment, wo ich im Angesicht Gottes einmal die ganze Wahrheit über mich erfahre. Dieser Moment will kein zerstörerischer sein. Im Gegenteil. Er wird heilend sein, wenn ich endlich sehe, was ich zuvor nur glauben konnte: die unendliche Barmherzigkeit und Liebe Gottes, die alles verzeiht und alles löst und das Fragment meines Lebens zu einem segensreichen Ganzen zusammenfügen wird.

Ich finde: Mit solchem Gottvertrauen lässt sich mancher Blick zurück, der im Moment noch schwer wiegen mag, gut aushalten.

Pfarrerin Claudia Ginkel , evangelische Kirchengemeinde Friedberg

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