Wer bin ich?

Wer bin ich? Eine merkwürdige Frage. Ich kann das gar nicht beantworten. Wer bin ich wirklich? Bin ich das, was andere von mir denken und sagen, oder bin ich das, was ich selbst an mir sehe? Für uns moderne Menschen ist dies zu einem besonderen Problem geworden. Die verzweifelte Not, sich selbst darstellen zu müssen, können wir zum Beispiel in den sozialen Medien beobachten. Wer ich bin, das zeige ich, indem ich möglichst oft poste, was ich tue, was ich esse oder mit wem ich wohin gehe. Oder ich versuche, mich, meinen Körper, mein Auftreten zu optimieren, zu gestalten, zu verändern. Das treibt oft skurrile Blüten, wirkt manchmal lächerlich, peinlich und ganz oft überflüssig.

Aber die Frage »Wer bin ich?« ist nicht erst in unserer modernen Zeit aufgeworfen worden. Denn sie ist eine Grundfrage des Menschseins. Der Unterschied zu früher ist aber wohl, dass wir heute alle den Anspruch haben, uns selbst erfinden zu wollen. Dies war in der Vergangenheit nicht so. Berufswahl, Partnerwahl, Kleidungsstil, Freizeitverhalten, all dies war durch die Familie, die Gesellschaft, die Religion oder die Obrigkeit vorgegeben. Als moderner Mensch bin ich froh, dass das nicht mehr so ist. Aber die Frage »Wer bin ich?« wird drängender. Mir tut es da gut, die Antwort einem anderen zu überlassen. Ich bete mit Psalm 139: »Erforsche mich Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.«

Pfarrer Jörg Wiegand , evangelische Markuskirchengemeinde Butzbach

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