17. November 2019, 06:00 Uhr

Zuckerrüben-Ernte

Zuckerrüben: Gute Ernte aber härtere Konkurrenz

Zur Zeit ist die Zuckerrübenernte in vollem Gang, auch bei Familie Starck aus Nieder-Florstadt. Sie bauen die süßen Rüben schon seit vielen Jahren an. Doch das Geschäft mit dem Zucker wird immer schwieriger.
17. November 2019, 06:00 Uhr

Der Wind pfeift auf dem Feld am Florstädter Kreuz. Mit Mütze und dicker Jacke steht Henning Starck neben dem rund drei Meter hohen Rübenhaufen. Was auf den ersten Blick wie normales Gemüse aussieht, ist eine Wetterauer Spezialität: die Zuckerrübe. Seit 5 Uhr morgens ist der Landwirt aus Nieder-Florstadt unterwegs. Denn heute ist »Mausi« da. Der Name will nicht so recht zu dem tonnenschweren gelben Gefährt passen, das vor dem Rübenhaufen steht. Die Verlademaus ist beim Abtransport der Rüben unverzichtbar.

In der Wetterau gibt es zwei Verlademäuse, die sich die Bauern teilen. »Alleine könnte sich kaum einer von uns so ein Gerät leisten«, sagt Starck. Denn »Mausi« kostet rund einer halbe Million Euro in der Anschaffung. Ihre Aufgabe ist es, die aufgeschichteten Rüben auf die Lkw zu verladen, die sie zu den Zuckerfabriken bringen.

Als der nächste Laster um die Ecke biegt, nimmt »Mausi« wieder ihre Arbeit auf. »Die Rüben laufen über Walzen, die sie von Erde reinigen. Dann werden sie über ein Förderband auf den Lkw geladen«, sagt Starck. Er muss fast schreien. Die rotierenden Walzen machen ordentlich Krach. Das passiert alles weitgehend automatisch. Manchmal erwischen die Walzen allerdings nicht alle Rüben, dann muss Starck mit einer Mistgabel nacharbeiten.

Wetterauer Zuckerrüben: Immer größere Konkurrenz auf dem Weltmarkt

Der Landwirt führt den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater Holger. Ende Oktober haben sie die Rüben mit dem Roder geerntet und zu Feldmieten aufgeschichtet. So nennen die Landwirte die großen Zuckerrübenhaufen, die zur Zeit auf vielen Federn zu sehen sind. Noch bis Anfang Januar werden sie abgeholt. Starcks Rüben gehen an die Zuckerfabrik in Offstein bei Worms, rund 130 Kilometer entfernt.

Wann welche Rüben dran sind, plant der Maschinenring Wetterau. »Weil die Zuckerfabrik ihre Maschinen bestmöglich auslasten will, werden nicht alle Rüben auf einmal abgeholt«, sagt Starck. Für ein Kilo Zucker braucht man acht bis neun Rüben. Das entspricht ungefähr einer Anbaufläche von einem Quadratmeter.

Der erste Rübenhaufen ist verladen. Langsam macht sich die Maus auf den Weg zum nächsten. Das steuert der Fahrer an Board. »Geladen werden darf nur an der Straße, und wir müssen uns an feste Zeiten halten«, sagt Starck. Nachts zwischen 19 und 6 Uhr oder von 9 bis 15 Uhr rollen die Lkw einer nach dem anderen an. Dabei kommt es nicht selten vor, dass Maus und Lastwagen den Verkehr behindern. Das würden die meisten Autofahrer aber gelassen nehmen. »Nur selten gibt es mal Ärger«, sagt Starck. Meist mit Ortsfremden. »Die Wetterauer wissen ja, was wir hier machen.« Trotzdem ist Starck verpflichtet, Schilder an der Straße aufstellen. Kommen Erde und Schmutz auf die Fahrbahn, muss er sie reinigen.

Wetterau: Familie Starck hat 24 Hektar Zuckerrüben

»Bis jetzt wurde etwa die Hälfte der Wetterauer Rüben abgeholt«, sagt Starck. Er und sein Vater haben 24 Hektar angebaut. Mit den Erträgen sind sie zufrieden. »Wir haben rund 77 Tonnen Rüben pro Hektar geerntet. Der Zuckergehalt liegt zwischen 18 und 18,5 Prozent.« Das ist etwas mehr als der Durchschnitt, aber weniger als im vergangenen Jahr. 2018 hatte die große Hitze für sehr süße, aber kleinere Rüben gesorgt. »Es war gut, dass es in diesem Jahr wieder mehr geregnet hat.«

Für Starck wird das Geschäft mit den Zuckerrüben zunehmend schwieriger. »Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt wird immer härter.« Die Preise seien gefallen. Dazu habe auch das Freihandelsabkommen der EU mit Südamerika beigetragen. Brasilien ist derzeit weltweit größter Zuckerproduzent. Auch der Transport könnte bald teuerer werden, wegen höherer Auflagen beim Klimaschutz. »Südzucker kann uns im Moment noch nicht sagen, wie es weitergeht.«

Deshalb verlassen sich die Starcks nicht nur auf die Zuckerrüben. Sie halten Schweine und Rinder und bauen Getreide, Raps und Mais an. Doch die Rüben machen Henning Starck am meisten Spaß. »Die Zuckerrübe ist die Königin der Feldfrüchte. Schon mein Opa hat sie angebaut«, sagt er. »Beim Weizen bleibt am Ende nur ein winziges Korn. Doch zu sehen, wie aus der kleinen Pflanze eine große Rübe wächst, fasziniert mich jedes Jahr aufs neue.«

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